Klimaschutz mit Humus Von Wurmkompost bis zum Klo

Fleißige Regenwürmer bei der Arbeit: Sevtap Okyay erklärt, wie in Wurmkompostkisten am Ende nährstoffreicher Dünger entsteht. Foto: Ute Eschenbacher

BAYREUTH. Der Klimaschutz geht alle an. Was ein gesunder Boden mit unserem Klima zu tun hat, vermittelt das Bayreuther Humus-Projekt seit einem Jahr.

Denn Humus macht den Boden fruchtbar und ist wichtig für eine nachhaltige Landwirtschaft. "Ich versuche, die Bedeutung eines nährstoffreichen Bodens, auf dem gesundes Essen wächst, zu vermitteln", sagt Sevtap Okyay vom Verein Solidarische Landwirtschaft (SoLaWi).

In Bayreuther Schulen wie der der Graserschule, der Grund- und Mittelschule St. Georgen und der Alexander-von-Humboldt-Realschule zeigt sie den Schülern, warum gesunde Böden für eine gesunde Ernährung unabdingbar sind.

Gewachsenes Netzwerk

Zusammen mit Daniel Hornstein, Harald von Pilchau und Eckardt Kasch gründete sie das Humus-Projekt. In Schulen und in der Gartenwerkstatt in einem angemieteten Garten im Stadtteil Wendelhöfen bringen sie Erwachsenen und Kindern die Rolle fruchtbarer Böden für den Klimaschutz näher.

Und die Bildungsarbeit trägt langsam Früchte. "Unser Angebot ist sehr gut angenommen worden", sagt Sevtap Okyay. Dies sei nicht zuletzt dem guten Netzwerk des Vereins zu verdanken. So bestehen Kontakte zu den Gärten der Begegnung, dem Landesbund für Vogelschutz und dem Transitionhaus. Auch am Forum 1.5. der Universität Bayreuth nehmen die Projektverantwortlichen teil.

Dünger in Kompostkisten

Gefördert wird das Humus-Projekt im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative (NKI) des Bundesumweltministeriums. Das Förderprogramm "Kurze Wege für den Klimaschutz" unterstützt Angebote auf Nachbarschaftsebene, die klimaschonende Ideen umsetzen.

Dazu zählen in Bayreuth zum Beispiel die sogenannten Wurmkompost-Kisten, die miteinander gebaut wurden. In frei übereinander gestapelten hölzernen Kästen verrichten Kompostregenwürmer wertvolle Arbeit: Aus hauseigenem Biomüll stellen sie hochwertigen Dünger her. Während ganz oben noch die Reste von Äpfeln, Kartoffeln, Brot oder Kaffee zu sehen sind, befindet sich die übrig bleibende, nährstoffreiche Erde ganz unten.

Die Umweltpädagogin schiebt die Abdeckung des obersten Holzkastens beiseite. In der dunklen Erde krabbeln Kompostregenwürmer - und verwandeln die Bio-Abfallreste in wertvollen Dünger. Wer wissen will, wie man so eine Wurmkompost-Kiste selbst für den heimischen Balkon oder Garten baut, kann am 11. Mai und am 13. Juli in die Garten-Werkstatt kommen (10 bis 17 Uhr). Alle Materialien sind vorhanden.

Toilette ohne Wasser

Neu ist der Workshop zum Bau einer Kompost-Toilette am 27. und 28. April. "Wir haben im Garten schon eine und sie wird angenommen", sagt Sevtap Okyay. "Im ersten Moment mag das eklig klingen." Aber die Exkremente würden gar nicht riechen, da man sie mit Laub, Steinmehl oder Holzspänen bedeckt.

Die Ausscheidungen könnten dem Nährstoffkreislauf ebenfalls als Kompostdünger wiederzugeführt werden. "Vielleicht nicht gerade an die Tomaten, die man noch essen will", sagt Mitgründer Daniel Hornstein. Das Kompostklo brauche kein Wasser. "Es stinkt auch nicht, wenn genügend Luft hinkommt." Der schlechte Geruch entstehe nur bei Fäulnisprozessen.

"Natürlich hat das Kompostklo keine Lobby, weil es die Industrie auf den Kopf stellen würde." Am Obermain würden solche Klos für Teilnehmer von Kanu-Wanderungen bereits ausprobiert. Und es würde nichts dagegen sprechen, sie etwa in der Wilhelminenaue aufzustellen, wo es zu wenig Toiletten gebe.

Das Humus-Projekt setzt generell auf "niederschwellige Angebote". Am 27. Juni kann man sich zeigen lassen, wie Pflanzenkohle entsteht (17 bis 20 Uhr). "Sie ist der Hauptbestandteil der Terra Preta, die besonders fruchtbar ist", sagt Svetap Okyay. Gartenerde mit einem hohen Torfanteil zerstört dagegen Kohlenstoffspeicher.

Am 23. Juni ist ein Sommer- und Erdfest im Humus-Garten geplant. In der Projektabschlussfeier am 27. Juli werden verschiedenste Bodenlebewesen vorgestellt. "Eltern und Kinder können ihr Bewusstsein für unsere Böden, Ernährung und die Natur schärfen." Der Klimawandel sei seit den Freitagsdemonstrationen der Schüler wieder verstärkt im Gespräch. Und das sei gut so: "Weil die Kinder, die sind, die Fragen stellen."

Humus-Garten als Lernort

Aus dem Humus-Garten kann sich in Zukunft ein gemeinschaftlicher Treffpunkt, Lernort und Erlebnisgarten entwickeln, sagt Daniel Hornstein. Bisher habe die Zusammenarbeit mit den Schulen in der näheren Umgebung gut funktioniert. Die unmittelbare Nachbarschaft scheint das Projekt noch nicht zum Mitmachen angeregt zu haben. "Wir wachsen langsam und haben keinen Zeitdruck", sagt Hornstein.

Der Verein Solidarische Landwirtschaft werde sich in diesem Jahr neu orientieren. Denn der Bio-Landwirt, der unterstützt worden sei, habe sich mittlerweile selbstständig gemacht und brauche keine Unterstützer mehr. Jetzt suche der Verein nach einer neuen Initiative. "Unser Ziel ist, nicht nur eine solidarische Landwirtschaft aufzumachen und dann wieder zu gehen, sondern wir wollen der Landwirtschaft um Bayreuth in Kontakt mit den Bürgern bringen."

Was hat nun Humus mit dem Klima zu tun? Humus besteht hauptsächlich aus zerkleinertem Pflanzenmaterial, also Kohlenstoff. Pflanzen brauchen zum Wachstum Kohlendioxid, Wasser und Licht. Je mehr Humus die Erde enthält, und je großflächiger er verteilt ist, desto eher lässt sich die Erderwärmung bremsen.


Info: Anmeldung per E-Mail, humus@solawi-bayreuth.org, oder per Telefon, 01 76/21 64 28 66. Die Angebote sind kostenlos.

 

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