Kirchenthumbach Erste Bürgerversammlung nach über zwei Jahren Pause

Von eine Sanierung des Elisabethenheimes zu Schulräumen wurde abgeraten. Foto: Frauke Engelbrecht

Nach Corona-bedingter Pause gab es in Kirchenthumbach wieder eine Bürgerversammlung: Drei Stunden, 20 Bürger und teilweise etwas langatmig.

In seinem Bericht ließ Bürgermeister Jürgen Kürzinger (SPD) die Aktivitäten der Marktgemeinde in den vergangenen zweieinhalb Jahren Revue passieren. Es ging unter anderem um Stromversorgung, Freiflächenphotovoltaikanlagen, den Breitbandausbau, Wasserver- und Abwasserentsorgung, Feuerwehren, Dorferneuerung, Geowanderweg, Rechtler, Jagdgenossenschaften und das Regionalbudget. Ausführlicher ging er auf das Kinderhaus und die neueröffnete Containerübergangslösung ein. Hier werden nun Kindergarten- und Krippenkinder betreut. Für Irritationen sorgte Kürzinger mit seiner Einleitung „Jetzt ein Thema, das in der Gemeinde nicht so interessiert“. Nach dem Bürgerbegehren im September 2020 befinde sich der Gemeinderat noch in einer Findungsphase für die Zukunftsplanung der Schule. „Eine Aussage zum zeitlichen Ablauf lässt sich nicht machen“, so der Bürgermeister. Derzeit habe man ein Platzproblem da sich aktuell über 60 Kinder in der Nachmittagsbetreuung befinden. Der reguläre Schulbetrieb und eine Nachmittagsbetreuung in den gleichen Räumlichkeiten funktioniere nur bedingt. „Es fehlt Fläche.“

Bericht I: Kurz und knackig war der Überblick von Kämmerer Michael Eisner zur finanziellen Situation der Marktgemeinde. Die Kosten seien grundsätzlich gestiegen, was der Corona-Situation geschuldet sei. Als größten Ausgabeposten nannte er die Personalkosten, die mit 926 600 Euro dieses Jahr veranschlagt sind. Auch die Kreisumlage fällt mit 1,41 Millionen Euro sehr hoch aus. Der Schuldenstand der Kommune liegt bei 688 000 Euro, was einer Pro-Kopf-Verschuldung von 3247 Euro entspricht. Anstehende Investitionen sind Sanierungen in der Wasserversorgung, der Abwasseranlage, in der Ausweisung von Baugebieten und Dorferneuerungsvorhaben.

Bericht II: Sehr ausschweifend und detailliert stellte Bauhofleiter Jörg Dollhopf die getätigten Maßnahmen der vergangenen zwei Jahre vor. Das ging von Gehölzpflege, Asphaltierungen und Straßenunterhalt über Rohrleitungsbau, Astarbeiten und Wegebau über Sanierungsarbeiten am Friedhof und Müllentsorgung mit der Polizei bis zur Biotoppflege.

Bürger I: Rosi Schuller äußerte sich verärgert über den langen Bericht von Dollhopf, er habe jede Spurrille aufgelistet. „Die Leute sind jetzt müde und es ist zu vermuten, dass das Absicht war, damit keine Fragen von den Bürgern mehr kommen“, sagte sie. An den Bürgermeister richtete sie die Kritik, dass der Bürger zu wenig über das Thema „Schule“ erfahre, auch bei dieser Bürgerversammlung. Sie vermisste auch Aussagen zur Zukunft des Elisabethenheimes, das man bewusst verfallen lasse. Dies schade dem Ortsbild. „Das wird alles ausgesessen“, so Schuller, „es interessiert aber viele.“ Die Schule sei ein komplexes Thema, reagierte Kürzinger. Es sei aber noch einiges nichtöffentlich zu klären. Von der Fachstelle gebe es vom Kreisbaumeister die Auskunft, dass sich das Elisabethenheim nicht für Schulräume eigne, sollten diese verlagert werden. Auch von einer Sanierung des Gebäudes werde abgeraten, man solle es abreißen. „Ich verstehe den Frust bei den Bürgern“, sagte der Bürgermeister, „aber es sollen keine Fehler gemacht werden.“

Brandschutz: Massive Kritik am Bürgermeister übte auch Josef Roder aus Rothmühle. Er zählte auf, dass er Kürzinger seit 2019 immer wieder auf den mangelnden Brandschutz in Rothmühle hingewiesen habe. Die Trinkwasserversorgung sei zu gering und deshalb müsste der Mühlweiher als Löschteich dazu genommen werden. „Darauf habe ich einmal vom Bürgermeister die Antwort bekommen, dass das nicht nötig ist“, so Roder. Im vergangenen Mai habe nun eine benachbarte landwirtschaftlich genutzte Scheune gebrannt. „Zum Glück haben wir Wasser aus dem Mühlweiher entnommen, sonst hätte das in einer Katastrophe geendet“, sagte Roder. Er zitierte aus dem bayerischen Feuerwehrgesetz, nach dem eine Kommune verpflichtet ist, Brandgefahren zu vermeiden und für die notwendige Löschwasserversorgung zu sorgen. „Der Bürgermeister war seit dem Brand nicht vor Ort und hat sich kein Bild von der Lage gemacht“, warf er Kürzinger vor. Der nächste Löschweiher sei zu weit weg. „Was muss noch passieren?“, fragte Roder, „ich bin sauer, weil ich keine Antworten bekommen.“ Auf Nachfrage sagte Marktgemeinderat Jürgen Geyer (CWG), dass das Thema Brandschutz in der Rothmühle bislang kein Thema im Gremium war. Kürzinger erwiderte, dass die Problematik bekannt und mit Feuerwehren und Fachstellen besprochen sei. „Wir werden mit dem Landratsamt etwas ausarbeiten.“ Das reichte Roder nicht. „Machen Sie Ihre Arbeit, ich vermisse Ihre Gesprächsbereitschaft“, hielt er dem Bürgermeister entgegen.

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