Dramatische Szenen in der Kulmbacher Fischergasse: Ein zunächst Unbekannter hat in der Nacht zum Sonntag in dem Mehrfamilienwohnhaus mit der Hausnummer 10 einen im Treppenhaus abgestellten Kinderwagen in Band gesteckt. Der dichte Rauch zog sich durchs ganze Treppenhaus und versetzte die acht Bewohner, die sich zu der Zeit im Gebäude aufgehalten hatten, in Panik. Mit einer spektakulären Aktion holte die Feuerwehr die Menschen schließlich aus der Gefahrenzone. Zwei ältere Frauen mussten ins Krankenhaus gebracht werden. Für die anderen ging es am Ende glimpflicher ab: Sie konnten, nachdem sie ihren Schrecken überwunden und die Feuerwehr das Haus entraucht hatte, am frühen Morgen wieder in ihre Wohnungen zurückkehren. Noch während die Feuerwehr im Einsatz war landete die Polizei einen Fahndungserfolg. „Unmittelbar nach der Tat konnten wir einen Verdächtigen in Tatortnähe festnehmen“, gab Polizeisprecher Daniel Hartmann am Sonntagnachmittag bekannt.

Um 0.35 Uhr wurde die Kulmbacher Feuerwehr zu dem Haus in der Fischergasse gerufen. Unmittelbar daneben befinden sich im Erdgeschoss des Gebäudes ein Friseurgeschäft und der Second-Hand-Laden des Kulmbacher BRK.  In dem betroffenen Gebäude sind in mehreren Geschossen Wohnungen. Das Haus in der dicht bebauten Kulmbacher Altstadt am Fuß des Burgbergs wird von einem Nürnberger Hausmeisterdienst bereut. Das Nachbargebäude mit den beiden Geschäften gehört der Kulmbacher Städtebau GmbH. Als die Einsatzkräfte dort ankamen, hatte die Polizei die Flammen an dem Kinderwagen im Treppenhaus bereits mit einem Pulverlöscher erstickt. Der Kinderwagen, berichtet die Feuerwehr, sei total abgefackelt. Auch das unmittelbare Umfeld am Brandort sei in Mitleidenschaft gezogen worden.

Doch die Gefahr war längst nicht gebannt, auch wenn das eigentliche Feuer gelöscht war. In Panik versuchten die Bewohner, die ja nicht wussten, was los war, aus dem Haus zu flüchten, konnten aber wegen des total verrauchten Treppenhauses nicht ins Freie gelangen. „Gottseidank haben die Leute das Richtige gemacht, sind in ihre Wohnungen zurück und haben die Türen geschlossen“, sagt Stadtbrandmeister Michael Weich. „Am Fenster haben sich die Bewohner dann bemerkbar gemacht.“

Von der Drehleiter aus sprachen Feuerwehrleute die verängstigten Menschen an und versicherten ihnen, dass keine Gefahr droht, wenn sie zunächst in ihren Wohnungen bleiben. Dann entschlossen sich die Retter in Abstimmung mit einer Notärztin, die Leute ins Freie zu holen. Trupps mit Atemschutz drangen bis zu den Wohnungen vor. Dort setzten sie den Hausbewohnern sogenannte Rettungshauben auf, die sie vor dem Rauch schützen und führten sie auf die Straße, wo sie sofort vom Rettungsdienst und Ärzten versorgt wurden.

Eine Familie mit einem Kind und verschiedene alleinstehende Hausbewohner waren betroffen, wie die Feuerwehr berichtet. Zwei ältere Frauen, sagt Michael Weich, wurden ins Krankenhaus gebracht. Die Polizei berichtet am Sonntagmorgen, dass eine Person im Klinikum bleiben musste. Insgesamt gehen die Ermittler von sechs verletzten Menschen aus. Sie alle haben, wie ein Sprecher der Bayreuther Einsatzzentrale am Sonntagmorgen sagte, Rauchgasvergiftungen erlitten.

Zwei Stunden dauerte es, bis die Feuerwehrleute mit starken Lüftern den beißenden Rauch aus dem Haus entfernt hatten. Die Arbeiten wurden erschwert, weil es in dem Haus im oberen Geschoss nur einen relativ kleinen Abzug gibt. Gegen 3 Uhr morgens konnten die Bewohner schließlich wieder in ihre Wohnungen zurückkehren.  30 Feuerwehrkräfte aus Kulmbach und Höferänger mit mehreren Fahrzeugen sowie zahlreiche Retter des BRK waren in der Nacht zum Sonntag in der Fischergasse im Einsatz. Die Fischergasse war über mehrere Stunden total gesperrt worden. Für den Verkehr hätte es in der engen Altstadt kein Durchkommen gegeben.

Die meisten Retter, die in der Nacht zum Sonntag in die Fischergasse gerufen wurden, erinnern sich noch sehr gut an einen ähnlichen Fall im Februar 2017. Damals hatte in der Sutte in einem Flur ein Kinderwagen gebrannt. Elf Menschen mussten vor gut drei Jahren  aus dem Gebäude gerettet werden. Schon kurz nach der Tat schnappte die Polizei den Täter: Ein 20-Jähriger hat unmittelbar nach seiner Festnahme gestanden, den Brand „aus Langeweile“ gelegt zu haben. Der Mann hatte eine Bekannte besucht. Nachdem reichlich Alkohol geflossen war, hatte er das Haus verlassen. Im Flur steckte er den dort bgestellten Buggy an. Der junge Kulmbacher kam umgehend in Untersuchungshaft. Im Oktober 2017 wurde er dann zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt, nachdem er zuvor bereits sieben Monate in U-Haft gesessen war. Die Jugendkammer am Landgericht ordnete zudem einen Entzug an. Zu seinem Motiv hatte der Täter vor Gericht geschwiegen. Vorsitzender Richter Michael Eckstein hatte bei der Urteilsverkündung zum angeklagten gesagt: „Was über Sie gekommen ist, wissen wir nicht.“

Der Täter hatte zu diesem Zeitpunkt bereits eine lange kriminelle „Karriere“ hinter sich. Der Polizei war er trotz seiner Jugend bereits ein sehr guter Bekannter gewesen. Immer wieder hatte er im Rausch Straftaten begangen, hatte gegen Bewährungsauflagen verstoßen.  Erst zwei Wochen vor der verhängnisvollen Tat in der Sutte, bei der vier Menschen verletzt worden waren, hatte der damals 20-Jährige in Mainleus schon einmal einen Kinderwagen angezündet, sich dann aber entschlossen, das Fahrzeug noch aus dem Gebäude zu schieben. 1,9 Promille hatte der junge Mann damals im Blut.

Noch in der Nacht zum Sonntag hat die Kripo Bayreuth im Zusammenhang mit dem Feuer die Ermittlungen aufgenommen. Umgehend wurde eine Fahndung veranlasst. Lang mussten die Ermittler nicht suchen:  Ein 24-jähriger Kulmbacher soll für die Tat verantwortlich sein. Laut Polizeisprecher Hartmann handelt es sich bei dem Mann, der in unmittelbarer Tatortnähe geschnappt worden war, um eine polizeibekannte Person. Ob er Angaben zu der Brandstiftung macht, sagt die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen derzeit noch nicht. Der 24-Jährige wurde noch in der Nacht vorläufig festgenommen und soll am Montag dem Haftrichter vorgeführt werden. Gegen den jungen Kulmbacher laufen nach Polizeiangaben Ermittlungen wegen des Verdachts auf ein Verbrechen der schweren Brandstiftung.  

Grillen im Lichtschacht

Am Samstag musste die Feuerwehr schon einmal in die Fischergasse ausrücken. Doch dieser Einsatz hatte, anders als im Fall des brennenden Kinderwagens, eher bizarre Züge. Gegen 19.30 Uhr hatten Bewohner des Gebäudes Fischergasse 26 die Feuerwehr gerufen, weil durch starken Rauch, der aus einem Lichtschacht des Hauses drang, im Gebäude gleich mehrere Rauchmelder ausgelöst hatten. Doch ein Brand im eigentlichen Sinne steckte nicht hinter diesem Alarm. Die Feuerwehr kam der Ursache schnell auf die Spur. Die Wohnung, von der der Rauch ausging, hat auf der zum Berg liegenden Seite keine richtigen Fenster, sondern Lichtschächte.  In einen hatte der Bewohner einen Grill gestellt, um für sich und die Gäste einer Familienfeier Essen zuzubereiten. Dass der massive Rauch aus dem Lichtschacht solche Folgen haben könnte, hatte er nicht bedacht. Die Polizei untersagte dem Mann umgehend, an diesem Ort zu grillen. Die Feuerwehr löschte den Grill sachgemäß ab, lüftete das verrauchte Treppenhaus und konnte dann wieder abrücken. Die Familie musste ihren Hunger auf andere Weise stillen.