Kinderschutzbund hilft Flüchtlingen Sprachkurs im Wirtshaus

Deutsch lernen ist das A und O für ukrainische Flüchtlinge. Der Kinderschutzbund hat gemeinsam mit Sponsoren ein dickes Maßnahmenpaket geschnürt.

Die vielen noch fremde Sprache des Landes, das sie aufnimmt zu lernen, ist den meisten geflüchteten Ukrainern ein großes Anliegen. Oft sieht man in der Turnhalle am Roten Main, der Erstaufnahmeunterkunft, Mütter mit ihren Kindern am Laptop sitzen, um Vokabeln zu pauken. Auch dem Integrationslotsen der Stadt, Ibukun Koussemou, und seinem Helferkreis war das aufgefallen.

Direkt neben der Turnhalle

Auf der Suche nach Möglichkeiten wandte er sich an den Kinderschutzbund und dort versprach man Abhilfe. Basisdeutsch vermitteln, dazu ein kleines Sport- und Bastelprogramm, und das Ganze angesiedelt im leer stehenden Hammerstätter Hof, der sich mit seinen großen Gasträumen und dem zugehörigen Garten bestens dafür anbot, ist er doch nur einen Steinwurf von der Flüchtlingsunterkunft entfernt.

Am Anfang überrannt

Drei Jungen und ein zierliches zwölfjähriges Mädchen sitzen an diesem sonnigen Nachmittag geduldig auf den Wirtshausstühlen und bemühen sich bei ihrem Deutschkurs um eine deutliche Aussprache. Kärtchen mit Bildern und den entsprechenden Begriffen darauf liegen auf dem Tisch. Alexej ist 14 Jahre alt und ein großer Fußballfan. Was er hier am meisten vermisst, ist seine Heimatstadt Kiew.

„So ein Angebot ist natürlich kostenintensiv,“ sagt Schatzmeister Ingo Knoll, der das Gesamtpaket mit rund 30- bis 40 000 Euro beziffert.

„Am Anfang wurden wir regelrecht überrannt“, erinnert er sich. „Rund 100 Menschen kamen in die ersten Kurse. Da mussten wir fast jede Woche umstellen und weitere Angebote machen.“

Inzwischen ist es etwas ruhiger geworden. Zum einen beginnen in der Ukraine jetzt die Abschlussprüfungen vor den großen Sommerferien, und viele Schüler werden online von ihren Lehrern aus der Ukraine oder aus Polen unterrichtet. „Die Schüler konzentrieren sich jetzt auf den Abschluss“, sagt Knoll.

Deutschklassen und Leseclub

Ergänzend dazu laufen weitere Angebote einiger Bayreuther Schulen an. So gibt es Deutschklassen am Richard-Wagner-Gymnasium und am Graf-Münster-Gymnasium, und in der Graserschule ist man mit dem Leseclub gestartet. Schwierig ist es, Lehrkräfte zu finden, die Deutsch als Fremdsprache unterrichten.

Zweimal die Woche gibt es außerdem offene Treffen mit sportlichem Angebot im Hammerstätter Hof, „damit die Kinder und Jugendlichen sich nicht nur in der Turnhalle aufhalten“. Egal ob Fußball oder Basketball. Meist geht es dann in die Wilhelminenaue. Auch das werde gut angenommen. Ebenso Ausflüge mit Kindern in das Tschakka-Bay in Bayreuth, in dem sie auch bei schlechtem Wetter spielen und toben können, berichtet Kateryna Rempel. Mit ihr hat der Kinderschutzbund eine gebürtige Ukrainerin als Mitarbeiterin gewonnen. Sie stammt aus Charkiw, lebt seit 2018 in Bayreuth und ist damit die ideale Ansprechpartnerin für die rund 1000 Ukrainer, die inzwischen allein in der Stadt Bayreuth leben. „Wir arbeiten intensiv mit dem Integrationsbüro zusammen“, berichtet sie. Vor allem auch deswegen, um die Familien weiter betreuen zu können, die eventuell im Landkreis eine Wohnung gefunden haben.

Familienpaten helfen

Der Kinderschutzbund kümmert sich dann auch um Familienpaten, die ihnen zur Seite stehen.

Kateryna Rempel arbeitet montags von 9 bis 13 Uhr und mittwochs/donnerstags von 9 bis 12 Uhr. Sie ist per Mail zu erreichen unter: ukraine@kinderschutzbund.de, bei Fragen rund um Deutschkurse und alle weiteren Angebote im Hammerstätter Hof unter Telefon 09 21/51 16 99.

Neue Anmeldungen für den Deutschkurs am Donnerstag um 16 Uhr (Kinder und Jugendliche) sind ab sofort möglich.

Info: Die Kurse werden finanziert über die Kurier-Stiftung „Menschen in Not“, die Bayreuth Ukraine Help Alliance, Adalbert-Raps-Stiftung, Sparkasse, VR-Bank, Merk-Erbe-Stiftung sowie von privaten Geldgebern.

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