Kinderpornos Bayreuther Hausmeister vor Gericht

Symbolbild: dpa

BAYREUTH. Er speicherte und tauschte perverse kinderpornografische Fotos und Videos. Trotzdem Freispruch für einen 49-jährigen Installateur aus Bayreuth, denn schuld daran war wohl ein Medikament. „Es gibt nichts, was es nicht gibt“, sagte Amtsrichter Richter Eick Launert.

Bei einer Hausdurchsuchung im Juli 2017 fanden Polizisten auf seinem Laptop ein Video und 32 kinderpornografische Fotos. Diese tauschte der Installateur im Internet mit anderen Pädophilen. Das hatte er auch sofort zugegeben und bereut. Allerdings, so sein Anwalt Karsten Schieseck, sei er psychisch erkrankt gewesen und habe ein Jahr ein starkes Medikament genommen. Er sei davon ausgegangen, dass nur „normale“ Nebenwirkungen auftreten wie Müdigkeit.

Doch mit der Zeit hat Wolfgang Z. „verschiedene Verhaltensänderungen“ bei sich bemerkt. Spielsüchtige Züge etwa und eine „persönlichkeitsfremde sexuelle Aktivität“, so sein Anwalt. In dieser Zeit habe er auch Schulden angehäuft, etwa 4000 Euro. Er hat immer wieder Sachen bei Ebay bestellt, die er überhaupt nicht gebrauchen konnte. Und, sagte Z. selbst, er habe Pornoseiten aufgerufen mit Inhalten, für die er „nie Neigungen“ gehabt habe. Und irgendwann habe er gemerkt, dass sich etwas ändern müsse. Und ist sofort zu einem Arzt gegangen. Dieser habe das Medikament sofort abgesetzt. Mit dieser Umstellung habe sich sein Leben wieder normalisiert. Er behielt seinen Arbeitsplatz und die Nebenwirkungen verschwanden.

Dies belegt auch ein Gutachten. Das bestätigt, dass Z. keinerlei pädophile Neigungen habe. Zwar ist er süchtig, aber er lebt seit vier Jahren ohne Alkohol. Allerdings listete das Gutachten eine ganze Reihe von Nebenwirkungen des Medikamentes auf. Darunter auch eine Impulskontroll-Störung und ein „abnorm starker Sexualtrieb“, der sich in alle Richtungen entwickelte. Plötzlich zeigten sich bei Z. auch homosexuelle Tendenzen, solche für Sodomie und pädophile Interessen. Die perversen Fotos habe er „völlig unreflektiert“ weitergeleitet. Auch die Spielsucht und den Kaufrausch auf Ebay erklärt das Gutachten mit den Nebenwirkungen des Medikamentes. Fazit: „All dies entspricht nicht seiner Persönlichkeit.“

Z. sei, nachdem alles rausgekommen war, „sehr betroffen“ gewesen, sagte sein Anwalt. Inzwischen führe er ein normales Leben, habe fast seine Schulden zurückgezahlt und seine Arbeitszeit aufgestockt. Auch der Staatsanwalt forderte einen Freispruch. Zwar ist Z.s Vorstrafenlisten lang. 14 Punkte weist sie auf, Betrug, Diebstahl, Drogen, aber keine pädophilen Straftaten. Weil eine Schuldunfähigkeit wegen des Medikamentes „nicht auszuschließen“ sei: Freispruch.

 

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