Kichererbsen: kulinarischer Tausendsassa

Von Norbert Heimbeck

Eine Speise, die diplomatische Verwicklungen zwischen zwei Staaten auslöst? Im Jahr 2008 wollte der Libanon Israel verklagen, weil das ursprünglich arabische Hummus inzwischen in der jüdischen Küche als eine Art Nationalgericht gilt. Regisseur Trevor Graham machte daraus den Dokumentarfilm „Make Hummus Not War“, eine Darstellung des Nahostkonflikts, wie man ihn nicht aus den Nachrichten kennt. Wir zeigen die Kichererbse als kulinarisches Mutlitalent.

Hummus spielte auch eine gewichtige Rolle bei der zweiten kulinarischen Reise, zu der der „Nordbayerische Kurier“ Leser eingeladen hatte. Der in Weidenberg lebende Israeli Sagy Cohen zeigte drei Dutzend Gästen, dass das Grundrezept mit wenigen Zutaten beliebig variiert werden kann.

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Die Herstellung ist simpel: Kichererbsen werden eingeweicht und gekocht, bis sie sich aus der Haut drücken lassen. Wer die Kochzeit scheut, kann auch vorgegarte Kichererbsen aus der Dose verwenden. Die weichen Kichererbsen mit Tahina (Sesampaste), Olivenöl und Zitronensaft vermengen, so dass eine cremige Konsistenz entsteht. Cohen: „Mancher mag es fester, mancher mag es ein wenig flüssiger. Das kann jeder nach seinem eigenen Geschmack machen.“ Das Püree wird mit fein gehacktem Knoblauch, Kreuzkümmel, Pfeffer und Salz gewürzt und kalt oder lauwarm serviert. Zum Anrichten den Brei in einen tiefen Teller geben und mit einem Löffel in die Mitte eine Mulde drücken. Da hinein gibt man verschiedene Toppings beziehungsweise ein wenig Olivenöl. Zum Schluss wird das Ganze mit Petersilie, scharfem Paprikapulver, Kreuzkümmel und Gewürzsumach bestreut. Auch hierbei sind der Kreativität der Köche keine Grenzen gesetzt.

Das fertige Püree hält sich in einem luftdicht verschlossenen Gefäß im Kühlschrank normalerweise mehrere Tage.

Hummus ist in vielen Ländern des Nahen Ostens eine beliebte Vorspeise, die mit dünnem Fladenbrot aufgestippt wird. Meist wird es zusammen mit anderen sogenannten Mezze (Vorspeisen) gegessen.

Die Kichererbse gehört zu den Hülsenfrüchten, ist aber mit der Erbse nicht näher verwandt. Die Vereinten Nationen haben 2016 als Jahr der Hülsenfrüchte ausgerufen. Damit wollen sie auf die prekäre Ernährungslage in vielen Ländern der Erde aufmerksam machen. Kichererbsen stellen nur geringe Anforderungen an die Bodenqualität und kommen mit wenig Wasser aus, brauchen aber viel Wärme zum Gedeihen.

Ihr Ernährungswert ist enorm: Sie enthalten rund 20 Prozent Eiweiß und etwa 15 Prozent der wichtigen essenziellen Aminosäuren. Außerdem versorgen sie den Körper mit vielen Ballast- und Mineralstoffen, mit den „Nerven-Vitaminen“ der B-Gruppe und mit Folsäure.

In der Küche sind Kichererbsen vielfältig nutzbar: In Nordafrika werden sie geröstet und wie Nüsse verzehrt. Aus dem gewürzten Kichererbsenbrei werden die im Nahen Osten weit verbreiteten Falafel (frittierte Teigbällchen) hergestellt. In Italien und Frankreich bereitet man aus Kichererbsenmehl die traditionelle Farinata beziehungsweise Socca. In Spanien zählt Cocido madrileño (ebenfalls aus Kichererbsen zubereitet) zu den Nationalgerichten. In der Türkei ist ein Kichererbsen-Eintopf mit Fleisch beliebt.

Info: Die nächste kulinairsche Reise findet am Donnerstag, 15. September, statt. Dann nimmt Karin Holleis die Gäste mit auf eine Tour durch die Kräuterküche.