Von einer Strafe oder Sperre des Dienstes sah die EU-Kommission zunächst ab: Eine Deaktivierung von Grok in der EU zu erwirken, sei nicht das Ziel der EU-Kommission und eher ein letztes Mittel, hatte ein Sprecher der Brüsseler Behörde in der Vergangenheit gesagt. Indonesien und Malaysia hatten Grok als erste Länder weltweit Mitte Januar vorübergehend gesperrt.
Die Einleitung des Verfahrens auf Grundlage des Gesetzes über digitale Dienste bedeutet noch keinen Nachweis eines Verstoßes. Sollte X aber nicht einlenken oder entlastende Beweise liefern, könnten Strafen durch die Europäische Kommission drohen. Sie wacht in der EU über die Einhaltung der Digitalregeln. Wie lange das Verfahren dauern wird, ist offen.
X hat Chatbot bereits beschränkt
Unter zunehmendem Druck wegen der übergriffigen Bilder - etwa von Schwedens stellvertretender Ministerpräsidentin Ebba Busch - hatte die US-Firma ihren Chatbot zuletzt eingeschränkt. "Die Bilderzeugung und Bearbeitung ist derzeit auf zahlende Abonnenten beschränkt", antwortet der Chatbot inzwischen. Von Abonnenten erstellte Bilder lassen sich aber auch weiterhin für alle öffentlich anzeigen.
Der EU-Kommission und auch anderen Aufsichtbehörden auf der Welt reichte dieser Schritt nicht. Es folgten weitere Einschränkungen. So seien "technologische Maßnahmen" eingeführt worden, die die Bearbeitung von Bildern realer Personen mit leichter Bekleidung wie Bikinis verhindern sollen, teilte X mit. Diese Beschränkung gelte sowohl für kostenlose Accounts als auch für zahlende Nutzer.
Die Brüsseler Internetwächter sehen in diesen Vorkehrungen einen Erfolg ihres andauernden Dialogs mit der US-Firma. Die EU-Kommission sei wahrscheinlich die einzige Behörde, die Antworten von X erhalten habe, behauptet ein Sprecher. "X hat uns geantwortet, X hat sich mit uns auseinandergesetzt, X hat zugehört, X hat Maßnahmen ergriffen. Das ist schon ein ziemlicher Erfolg", sagte er.
Der deutsche Bundesdigitalminister Karsten Wildberger begrüßte das Vorgehen der EU-Kommission. Es sei inakzeptabel, dass Frauen und Minderjährige wiederholt Opfer sexualisierter Bildmanipulationen würden, während Plattformen untätig blieben. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) lobte ebenfalls die Brüsseler Behörde. "X hat seine Nutzer förmlich dazu animiert, mit dem KI-Tool Grok sexualisierte Deepfakes zu erstellen. Das darf nicht ohne Konsequenzen bleiben." Plattformen dürften nicht "Komplizen digitaler Gewalt" werden.
Alexandra Geese, Grünen-Abgeordnete im Europaparlament, kritisierte hingegen: Das Verfahren komme zu spät. "Der Schaden für Millionen von Frauen und viele Kinder ist irreparabel", teilte Geese mit.
Auch London und Paris ermitteln
Auch die britische Medienaufsichtsbehörde Ofcom hatte Mitte Januar eine offizielle Untersuchung gegen Musks Online-Plattform eingeleitet. Der britische Premierminister Keir Starmer nannte die Erzeugnisse der KI "widerlich". Die Pariser Staatsanwaltschaft ermittelt seit Sommer 2025 wegen der möglichen Bevorzugung rechtsextremer Inhalte, mutmaßlicher Holocaustleugnung und sexueller Abbildungen gegen X.