Kempff-Festival Des Meisters Erben

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THURNAU. Das Thurnauer Schloss besitzt eine reiche Geschichte. Der berühmteste Künstler, den es beherbergte, war wohl Wilhelm Kempff, der von 1944 bis 1955 darin lebte. Nach dem Debüt im vergangenen Jahr wird in diesem Jahr zum zweiten Mal in einem Klavier-Festival an den herausragenden Musiker erinnert.

Dass Kempff am Ende des Zweiten Weltkriegs im Markt Thurnau strandete, lag an den familiären Beziehungen seiner Ehefrau. Denn Kempff war von 1926 an mit der Baronin Helen Hiller von Gaertringen verheiratet. Die Hochzeit mit seiner Klavierschülerin fand im Berliner Dom statt. Nach dem Kempff von 1924 bis 1929 die Stuttgarter Musikhochschule leitete, entschied er sich, als freier Pianist und Komponist tätig zu sein. Kempff emigrierte während der nationalsozialistischen Herrschaft nicht wie andere Künstler. 1932 wurde er in die Akademie der Künste berufen.

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Beethoven-Spezialist

Der Beethoven-Spezialist zog nach seinem Thurnauer Aufenthalt an den Starnberger See. Ab 1957 bot er in Italien Meisterklassen an. Im italienischen Positano, der heutigen Partnerstadt der Marktgemeinde an der Almalfi-Küste. Kempff starb 1991 in Positano, beigesetzt ist er bei Schloss Wernstein im Landkreis Kulmbach. Kempff hatte sieben Kinder, darunter eine Tochter, die noch in Danndorf lebt.

"Reine, unmittelbare Emotion"

Und so entstand im Kreis die Idee, an das mit der Schlossgeschichte verbundene musikalische Erbe Wilhelm Kempffs zu erinnern. Die Kulmbacherin Eva-Maria Dannhorn übernahm die Organisation des ersten Festivals mit ihrem Mann, dem Pianisten Ingo Dannhorn. "Man könnte mich einen Enkelschüler von Kempff nennen, da mein Lehrer der Kempff-Schüler Gerhard Oppitz war." Oppitz setzte von 1992 bis 1995 Kempffs Meisterklassen in Positano fort. Sein Spiel sei "rührend und berührend" gewesen, "reine, unmittelbare Emotion, die einen vom Hocker fegen konnte", sagt Dannhorn.

"Oppitz, ein Weltstar wie Kempff"

Nun wird mit beiden an zwei Konzertabenden das Wilhelm-Kempff-Festival am 4. und 5. Oktober fortgesetzt. Schirmherrin ist Kempffs Tochter Mechthild von Künßberg, die nach dem Vorjahreskonzert mit Ingo Dannhorn sagte: "Es war, als hätte mein Vater dort gesessen und gespielt." Das Eröffnungskonzert gibt Gerhard Oppitz, "ein Weltstar wie Kempff". Sonst "nur in den größten Sälen der Welt zu hören", so Dannhorn, komme Oppitz aus Verbundenheit zu seinem Lehrer nun nach Thurnau. Oppitz war bis 2013 Professor an der Musikhochschule München und ist Träger des Bayerischen Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst.

Dannhorn in der Laurentiuskirche

Den bisher einzigen Konzertabend dort habe er in der Anfangszeit des Kulturvereins gegeben. Jetzt wird er mit Werken von Beethoven, Schubert und Brahms zu hören sein. "Wer Freude an großer Kultur hat, kann Oppitz jetzt erleben - ohne nach Paris, London oder sonst wohin fahren zu müssen", sagt künstlerischer Leiter Dannhorn, der Interpreten gemäß der musikalischen Verwandtschaft zu Kempff auswählt. Er selbst wird zusammen mit den Hofer Symphonikern das 4. Klavierkonzert von Beethoven am 5. Oktober in der Laurentiuskirche bestreiten. Auch Orchesterwerke von Mozart stehen auf dem Programm.

Hochkultur und familiäre Nähe

"Die Begeisterung vor Ort ist riesengroß", sagt Eva-Maria Dannhorn. Viele Thurnauer hätten ihre Hilfe angeboten. Um das Festival auf rechtlich eigenständige Füße zu stellen, wurde ein Verein gegründet. "Wir arbeiten daran, dass es weiter ausgebaut wird." Auch an eine Kooperation mit den Universitätsinstituten im Schloss sei gedacht. "Man könnte zum Beispiel von hier aus Forschung zu Kempff betreiben. Aber das ist noch Zukunftsmusik." Gefördert wird das Festival derzeit von privaten Sponsoren aus der Wirtschaft, dem Kulturfonds Bayern und dem Landratsamt Kulmbach. "Wir sind froh über diese Unterstützer", sagt Eva-Maria Dannhorn. Es gebe viele Menschen in der Region, die den Kulturauftrag zu schätzen wüssten. "Genau die brauchen wir." Nicht nur das Interesse an Hochklassik könne ein Beweggrund sein, das Klavierfestival zu besuchen. Genausogut könne es eine persönliche Bindung und familiäre Nähe zu Thurnau sein. "Jeder ist willkommen, der sich mit dem Schloss und Kempff identifizieren kann."

Zur Person Wilhelm Kempff

Wilhelm Kempff wurde am 25. November 1895 in Brandenburg geboren und wuchs bei Potsdam auf. Schon der Vater und der Großvater waren Organisten. Parallel zum Gymnasium besuchte Kempff als Neunjähriger die Berliner Musikhochschule, wo er Schüler von Heinrich Barth wurde, der bei Carl Tausig und Hans von Bülow studiert hatte. 1918 debütierte er bei den Berliner Philharmonikern unter Arthur Nikisch. Seine erste solistische Auslandstournee führte Wilhelm Kempff 1919 nach Schweden und Finnland. 1920 entstanden seine ersten Schallplattenaufnahmen. Wilhelm Furtwängler leitete 1924 die Uraufführung seiner zweiten Sinfonie. In Potsdam spielte er 1930 den ersten seiner insgesamt über fünfzig Konzertzyklen der 32 Klaviersonaten Beethovens. Nach Kriegsende konzertierte er erneut weltweit. Berühmt wurden Kempffs jährliche Beethoven-Interpretationskurse im süditalienischen Positano. Wilhelm Kempff starb dort fünf Jahre nach seiner Frau am 23. Mai 1991 im Alter von 96 Jahren.

Karten: Buchhandlung Friedrich in Kulmbach und Buchhandlung Häußinger in Thurnau.