Die Staatsregierung will einen dritten Nationalpark für Bayern. Nach dem Bayerischen Wald und Berchtesgaden soll der neue am besten in Franken liegen und grenzüberschreitend verwirklicht werden. Beide Voraussetzungen erfüllt das Fichtelgebirge. Es liegt in Oberfranken und reicht mit seinen Ausläufern nach Tschechien hinein.

Der Geschäftsführer des Naturparks Fichtelgebirge, Ronald Ledermüller, glaubt nicht, dass die Region den Status Nationalpark erhält. „Die Region ist dem Bayerischen Wald einfach viel zu ähnlich. Daher macht es sicherlich kaum Sinn, noch einem zweiten Fichtenwald den besonderen Schutzstatus zukommen zu lassen.“

Während bei einem Naturpark der Mensch in die Natur eingreift und Forstwirtschaft betreibt, bleiben die Nationalparkflächen ökologisch sich selbst überlassen. Hier dürfen sich, wie im Bayerischen Wald, auch Borkenkäfer ungehindert vermehren. Die Bilder der großflächig abgestorbenen Wälder mit den kahlen Baumskeletten sind vielen ein Schrecken. „Diese ökologischen Zonen sind aber kein Selbstzweck, sie dienen immer auch wissenschaftlichen Zwecken. Die Erkenntnisse fließen später in die Forstwirtschaft ein.“

Ungemeine Artenvielfalt

So wertvoll die Flächen sein mögen, in denen die Natur Natur sein darf, so wichtig ist andernorts das Kulturland. „Das Fichtelgebirge ist seit Urzeiten eine Kulturlandschaft mit einer ungemeinen Artenvielfalt“, sagt Ledermüller. Würden etwa die Bergwiesen rings um Nagel nicht mehr gemäht, „dann würden die rasch zuwachsen und die wertvollen Kräuter verschwinden“. Genau daher hält der Geschäftsführer den Naturparkstatus für angemessen. Vorstellen könnte er sich allerdings ein Biosphärenreservat Fichtelgebirge. „Dabei handelt es sich um Modellregionen, in denen nachhaltige Entwicklung in ökologischer, ökonomischer und sozialer Hinsicht exemplarisch verwirklicht werden soll“, sagt Ledermüller. Ein kleiner Flächenanteil werde allerdings auch hier aus der wirtschaftlichen Nutzung genommen.

Obwohl auch der Naturpark Fichtelgebirge viele ökologische Schätze birgt, ist die finanzielle Förderung eher bescheiden. Wie Ledermüller erläutert, hat der Nationalpark Bayerischer Wald eine Fläche von 26 000 Hektar, der Naturpark Fichtelgebirge hingegen knapp 104 000. „Ausgenommen von speziellen Projekten erhalten wir allerdings pro Jahr gerade mal 15 000 Euro, während der Bayerische Wald vom Umweltministerium mit 14 Millionen Euro ausgestattet wird.“ Ähnlich krass sind die Unterschiede beim Personal. Hier arbeiten alles in allem drei Mitarbeiter, um die Belange des Bayerischen Waldes kümmern sich hingegen 220. „Der Nationalpark ist einer der großen Arbeitgeber und bringt der Region sehr viel.“

Geeigneter Kandidat

Während Ledermüller sich nicht vorstellen kann, dass das Umweltministerium das Fichtelgebirge als einen weiteren Nationalpark auswählt, hält er die Rhön für einen geeigneten Kandidaten. Diese erstreckt sich über Unterfranken, Hessen und Thüringen. Hier gebe es bereits ein Biosphärenreservat mit einer größeren,wirtschaftlich nicht genutzten Kernfläche mit Buchenbeständen. In anderen Regionen sei zu befürchten, dass Waldbesitzer gegen das Vorhaben klagen. „Es geht schließlich immer darum, ob jemand bereit ist, auf die wirtschaftliche Verwertung des Waldes zu verzichten. Bis die Menschen vom Sinn eines Nationalparks überzeugt sind, ist es meist ein längerer Prozess.“

Unabhängig, ob das Fichtelgebirge je Nationalpark oder Biosphärenreservat wird, gibt es hier ein riesiges ökologisches Potenzial. „Da ist zum Beispiel das Grüne Band entlang des einstigen Eisernen Vorhangs, das ist extrem interessant. Auch hierbei handelt es sich um eine Art Kulturlandschaft.“

Das Biosphärenreservat:

Bei einem Biosphärenreservat geht es nicht nur um den klassischen Naturschutz, sondern um einen interdisziplinären Ansatz. Insbesondere der Mensch selbst wird als Bestandteil der Biosphäre betrachtet. Laut Unesco sind gesellschaftliche und ökonomische Fragen wie auch die Schaffung von Einkommen, Probleme der Verstädterung und Demografie Teil des Programmes. Übergeordnete Ziele sind, die biologische Vielfalt und Ökosystemfunktionen zu erhalten und die Bewirtschaftung der Kulturlandschaften weiterzuentwickeln. Auch die Bürgerbeteiligung gehört zum zentralen Kern des Programms.