Die Bayreuther Richter wollten sich nicht an einem bundesweiten Streik beteiligen. Der damalige Vorsitzende des Deutschen Richterbundes hatte wenige Tage zuvor die Richter dazu aufgerufen, am 15. Mai für eine halbe Stunde ihre Arbeit zu unterbrechen.

Doch dazu würde es in Bayreuth nicht kommen, erklärte der hiesige Landgerichtspräsident, Theodor Schmaltz. „Verfassungsmäßig sind wir zwar keine Beamten. Trotzdem bin ich der Ansicht, dass ein Streikrecht den Richtern nicht zusteht“, so Schmaltz.

Es sollten keine Sitzungen unterbrochen werden, fügte er hinzu.

Die Richter in Deutschland kämpften damals für eine bessere Besoldung und um ihre Unabhängigkeit.

Landgerichtsdirektor Casselmann konnte das nicht nachvollziehen: „Ich fühle mich unabhängig! Ob man durch einen halbstündigen Streik bei der Bevölkerung Verständnis für unsere Probleme wecken kann, möchte ich bezweifeln.“

In derselben Ausgabe berichtete der Kurier über die Frankreich-Reise einiger Bayreuther Abiturienten. Die 60 Schüler des Graf-Münster-Gymnasiums besuchten die Bayreuther Partnerstadt Annecy.

Es war das erste Mal, dass eine Bayreuther Schule eine offizielle Vertretung in die Partnerstadt schickte. Der Oberbürgermeister des Ortes im Hochsavoyen, Charles Bosson, begrüßte die Schüler persönlich im Rathaus. Bosson appellierte an die jungen Bayreuther, sich für die deutsch-französische Freundschaft einzusetzen.

An den übrigen Tagen besichtigten die Schüler Sehenswürdigkeiten in und um Annecy. Als Zeichen der Gastfreundschaft erhielten die Schüler einen Ausweis, der es ihnen ermöglichte, an sämtlichen städtischen Veranstaltungen teilzunehmen, ins Schwimmbad zu gehen und mit den öffentlichen Bussen zu fahren.