Kein neuer Vorsitzender in Sicht: Verein Christen schaffen Wohnungen droht Auflösung Wohnungsnot-Helfer selbst in Not

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Hunderte Bayreuther hätten ohne sie möglicherweise kein Dach über dem Kopf. Der Verein Christen schaffen Wohnungen hilft, wenn es hart auf hart kommt, innerhalb kurzer Zeit. Doch der Verein ist jetzt selbst auf Hilfe angewiesen. Dringend. Die Uhr tickt: Wenn sich bis nächsten Montag kein Vorsitzender findet, wird Hilmar Sommermann bei der Hauptversammlung am 17. März die Auflösung des Vereins beantragen. Eine schwierige Situation, ausgerechnet genau 20 Jahre nach der Gründung des Vereins.

Hilmar Sommermann hofft – er hofft, dass sich am kommenden Montag in der Hauptversammlung des Vereins Christen schaffen Wohnungen Menschen finden, die Verantwortung im Vorstand übernehmen. Damit es weitergeht. ⋌Foto: Wittek Foto: red

Hilmar Sommermann wird sich am Montag nicht noch einmal zu Wahl stellen. „Ich könnte schon noch, aber ich werde in diesem Jahr 80“, sagt Sommermann. Seit 2006 leitet der ehemalige Pfarrer den Verein, der am 1. März 1994 gegründet worden war. „Ich bin sehr früh zu dem Verein dazugestoßen“, sagt Sommermann. Längere Zeit war er Beisitzer, hat die Öffentlichkeitsarbeit gemacht, die Werbetrommel für den Verein gerührt. Auch jetzt hat er das getan: Werbung gemacht bei den Mitgliedern für die Mitarbeit im Vorstand. Denn nicht nur er wird an diesem Montag seinen Posten zur Verfügung stellen, sondern zwei weitere Vorstandsmitglieder werden das tun, „ebenfalls aus Altersgründen. Eine Frau scheidet auch aus dem Gremium aus, weil sie Zeit haben möchte für ihre Kinder“. Dass mehrere Positionen frei werden im Vorstand, „war also bekannt“. Seit Ende vergangenen Jahres, sagt der Vorsitzende. Vorschläge aus den Reihen der aktuell 205 Mitglieder seien keine brauchbaren gekommen, sagt Sommermann.

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Deswegen steht auf der Tagesordnung der Sitzung, die am Montag um 19.30 Uhr im Gemeindehaus der Erlöserkirche beginnt, unter dem Tagesordnungspunkt 5 b auch zu lesen: „Abstimmung: Auflösen oder Fortführen von Christen schaffen Wohnungen e.V.“. Sommermann sagt, der Verein habe sein ursprüngliches Ziel, 1000 Christen als Mitglieder zu begeistern, die gemeinsam günstigen Wohnraum für bedürftige Menschen bauen, zwar nicht erreicht. Aber man habe „bis Februar genau 500 Menschen in Notlagen helfen können“. Und ein Haus, „ein Vorzeigeobjekt“, wie Sommermann es nennt, hatte man 1999 in der Matrosengasse gekauft, saniert und „schon mehrfach vermietet.“

Stand Montagmittag seien es sogar bereits 510 Menschen gewesen. Meist nach dem gleichen Muster: „Darlehen für Kautionen, für Anteile bei den gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaften. Unsere Stärke war immer, dass wir sehr schnell helfen konnten.“ Nicht nur einmal habe man in Not geratene Bayreuther davor bewahrt, dass ihnen Strom und Heizung abgestellt wurden, weil sie mit der Zahlung in Verzug waren. „Erst vor kurzem war ich in einer Wohnung, in der die Mutter auf dem Boden schlafen musste. Die hatten keinen Tisch, keine Stühle, der Dreijährige schlief noch im Gitterbettchen. Eine Woche später hatte die Frau ein Schlafzimmer, Möbel im Wohnzimmer und der Kleine ein richtiges Bett“, sagt Sommermann. Bei der unbürokratischen Hilfe ging Christen schaffen Wohnungen oft mit anderen Organisationen, wie dem Kurier-Hilfswerk Menschen in Not Hand in Hand.

„Jeder Sechste ist arm oder gehört zu den Gefährdeten“, sagt Sommermann. Menschen, die Hilfe bräuchten, gebe es genug. Was dem Verein fehlt, ist jemand, der Verantwortung übernimmt. Und der den Verein umstrukturiert, wenn es denn weitergehen soll. „Ein Haus bauen und vermieten – das ist out“, sagt Sommermann. Auf dem Gebiet der Wohnbeihilfe könnte der Verein weitermachen. „Es wäre für mich eine Herzensangelegenheit, dass es weitergeht“, sagt Sommermann.

Ähnlich sieht das auch Carsten Hillgruber, der Sozialreferent der Stadt Bayreuth: „Ich habe das Gerücht gehört, offiziell weiß ich noch nichts. Aber wenn es so wäre, dass es nicht weitergeht, wäre es wirklich sehr schade.“ Denn: Der Verein haben in den vergangenen Jahren oft und unbürokratisch helfen können, sei „ein wichtiger Anlaufpunkt für Menschen, die in Not geraten sind“, sagt Hillgruber.