Kaum Priesterweihen in Deutschland Katholische Kirche hat geistlichen Personalmangel

Markus Brauer/
Noch immer entscheiden sich für die Priesterlaufbahn vor allem Männer aus einem klassisch-katholischen, eher konservativen Milieu. Foto: ansa/Danilo Schiavella/dpa

Die katholische Kirche hat nicht nur einen Mitgliederschwund zu beklagen, auch das Personal fehlt. In diesem Jahr gibt es in zwei von sieben bayerischen Bistümern keine Priesterweihe.

 
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Schon seit vielen Jahren geht die Zahl der Priesterweihen in den deutschen Bistümern zurück.

Priesterweihen 2024

In Bayern gibt es in diesem Jahr in zwei von sieben Diözesen gar keine Priesterweihe – in Bamberg und Würzburg. Im Vorjahr wurde in Bamberg und Würzburg je ein Kandidat geweiht. Auf dem Gebiet des Bistums Würzburg gebe es in diesem Jahr eine Weihe in der Benediktinerabtei Münsterschwarzach, teilte ein Bistumssprecher mit.

  • In Passau wird Ende Juni ein Kandidat geweiht. Ebenso gab es im Vorjahr einen Neupriester für das ostbayerische Bistum, wie eine Sprecherin erläuterte.
  • In Augsburg gibt es eine Steigerung: Drei Diakone werden am 30. Juni zu Priestern des Bistums Augsburg, im vergangenen Jahr war es ein Kandidat.
  • In Regensburg werden drei Männer zu Diözesanpriestern geweiht, dazu kommen nach Angaben der Pressestelle noch drei Ordenspriester auf dem Bistumsgebiet.
  • Im ErzbistumMünchen-Freising können die Gläubigen einen Neupriester begrüßen, der im Freisinger Dom am 29. Juni geweiht wird. 2023 gab es noch drei Kandidaten, wie ein Sprecher mitteilte.
  • Das Bistum Eichstätt hat seine Priesterweihe in diesem Jahr schon gefeiert. Bischof Gregor Maria Hanke weihte am 20. April zwei Diakone zu Priestern, genauso viele wie im Jahr 2023.
  • Somit kommen die bayerischen Bistümer insgesamt auf zehn neue Diözesanpriester.
  • In der südwestdeutschen Diözese Rottenburg-Stuttgart werden zwei Diakone am 6. Juli in der Basilika St. Martin in Ulm-Wiblingen zu Priestern geweiht.
  • Im Erzbistum Freiburg wurde bereits am 5. Mai ein Diakon zum Priester geweiht.
  • Schon seit Jahren sinken die Zahlen der Neupriester deutschlandweit. Registrierte die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) 1992 noch 269 Priesterweihen, so waren es im Jahr 2022 nur 33. Zweistellig ist die Zahl der Geweihten seit 2007.

Kandidaten aus konservativem Milieu

Kürzlich veröffentlichte die DBK eine Studie zum Priesterberuf. Die daran beteiligten Wissenschaftler betonten: Noch immer würden sich für die Priesterlaufbahn vor allem Männer aus einem klassisch-katholischen, eher konservativen Milieu mit einem aktiven Gemeindeleben entscheiden, doch genau dieses Milieu schwinde zunehmend.

Viele junge Priester in der katholischen Kirche hätten wenig gemein mit der modernen Gesellschaft. Darauf hat der Wissenschaftler Matthias Sellmann, Direktor des Zentrums für angewandte Pastoralforschung an der Universität Bochum, hingewiesen. Er sieht deshalb „eine starke Notwendigkeit zum Umsteuern.

Priester keine „gestalterischen Führungskräfte“

Sellmann und seine Kollegen haben für die DBK eine Untersuchung über die Priesterschaft in Deutschland erstellt. Ihr Befund: Kleriker würden sich in der Mehrzahl nicht als „gestalterische Führungskräfte“ sehen. „Sie fremdeln zudem mit den Anliegen von Kirchenreform. Daher werden sie wenig dazu beitragen, Kirche und Gegenwartsgesellschaft einander kreativ zu erschließen.“ Priester seien erkennbar auch keine Mitträger des Synodalen Wegs in Deutschland.

Was muss ein Pfarrer heute machen?

Der Bischof von Fulda, Michael Gerber, der die DBK-Kommission für geistliche Berufe leitet, erkennt durchaus Reformbedarf bei der Ausbildung der Priester. Die neue Ausbildungsordnung stehe kurz vor der Fertigstellung, erklärt Gerber. Auch die Frage bei der Leitung von Gemeinden und anderen kirchlichen Organisationen müsse sich neu stellen: Was muss ein Pfarrer machen, was können andere machen? Die aktuelle Untersuchung eröffne eine Debatte.

Zugleich warnt der Oberhirte in der allgemeinen Diskussion über Reformen und Priestermangel vor einer Verengung auf das Thema Zölibat, also das Versprechen zur Enthaltsamkeit und Ehelosigkeit: Personalsorgen bei der evangelischen Kirche und ein Rückgang der Bewerbungen bei anderen kirchlichen Berufen zeigten. „Die Gleichung, dass das Zölibat fällt und die Zahlen steigen, geht nicht auf.“

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