Kauerndorf Bauarbeiten an Ortsumgehung gestartet

Gabriele Fölsche und
Freuten sich über den Beginn der Bauarbeiten an der Ortsumfahrung Kauerndorf: Landtagsabgeordneter Martin Schöffel (CSU), die Bürgermeisterin von Ködnitz, Anita Sack (Freie Wähler), Baudirektor Fritz Baumgärtel, der Bauleiter der Firma Richard Schulz, Frank Stark, Landrat Klaus Peter Söllner, Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner (CSU) und der Baudirektor Uwe Zeuschel (von links). Foto: Gabriele Fölsche

Die Bauarbeiten an der Ortsumfahrung Kauerndorf haben begonnen. Am Freitagvormittag informierte das staatliche Bauamt Bayreuth über die einzelnen Bauabschnitte. Für Gegner des Mega-Projekts ist das allerdings kein Grund, den Widerstand zu beenden.

Die Bundesstraße 289, die momentan noch mitten durch Kauerndorf führt, soll auf eine Länge von 1,9 Kilometern den Ort umgehen. Kernstück ist dabei ein rund 750 Meter langer Tunnel. 2027 soll das Großprojekt fertiggestellt sein. Seit Jahrzehnten waren es vor allem Anwohner, die sich für für eine Entlastung Kauerndorfs eingesetzt haben. Jetzt haben jüngst die ersten Bauarbeiten für den Tunnel begonnen.

Der Leiter des staatlichen Bauamts Bayreuth, Uwe Zeuschel, informierte bei einem Ortstermin, zu dem neben Vertretern der Politik auch einige Bürger gekommen waren, über Zeitplan und Ablauf der Maßnahmen. „Derzeit laufen die Vorarbeiten für die Baustellen-Umfahrung, die auf einer Länge von 400 Metern für den Straßenverkehr verbreitert wird. Die Kosten dafür werden 777 000 Euro Euro betragen“, erklärte Zeuschel. Für die Umfahrung nutzt das Amt einen Teil der ehemaligen Bundesstraße, die nach Untersteinach führte.

Vollsperrung der Bundesstraße ist nötig

Im nächsten Schritt werde man ein Regenrückhaltebecken bauen. Beide Maßnahmen sollen im ersten Quartal 2023 fertiggestellt sein. Danach werde man beginnen, zwei Anschlussleitungen für die Stromversorgung für den geplanten Tunnel zu legen. Die Leitungen dafür kommen aus dem Ortsnetz Untersteinach und Kauerndorf.

Im Jahr 2024 müssten die Bürger fast das ganze Jahr mit Unannehmlichkeiten rechnen, denn: Für die Schutzmaßnahmen für das Kulmbacher Wasserschutzgebiet zwischen Kauerndorf und Kulmbach bedarf es eine Vollsperrung. „Die Abdichtung der Fahrbahn ist unter Verkehr nicht möglich“, begründet das der Behördenleiter. Der Schwerlastverkehr werde in dieser Zeit über die Autobahnen umgeleitet – alle anderen Verkehrsteilnehmer über Grafendobrach. Im folgenden Jahr soll der Bau des rund 750 Meter langen Tunnels beginnen – 2027 die Maßnahme abgeschlossen sein. Baudirektor Fritz Baumgärtel, der das Projekt maßgeblich betreut, führte aus, dass in der Vergangenheit viel Öffentlichkeitsarbeit geleistet werden musste: „Wir werden weiterhin die Bevölkerung informieren“, versprach er. Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner sagte, ihr sei bewusst, dass eine Vollsperrung der Bundesstraße eine Belastung für alle Pendler werde. Hinsichtlich der oft kritisierten Gesamtkosten von 90 Millionen, meint Zeulner: „Wenn ich die 777 Millionen für den Anbau des Bundeskanzleramtes sehe, würde ich erst dort den Rotstift ansetzten.“

Landtagsabgeordneter Martin Schöffel sprach von einem großen Tag für Kauerndorf. „Für die Bewohner fällt heute Ostern und Weihnachten auf einen Tag“, sagte er scherzhaft. Kritik an der Zerstörung von Natur will er nicht gelten lassen: „Menschen sind auch Natur.“ Und Landrat Klaus Peter Söllner unterstrich: „Der Tunnel ist aus Gründen des Naturschutzes nötig geworden.“ Für ihn sei es wichtig, dass sich Bürger weiterhin auf ihre Kommunalpolitiker und deren Zusagen, wie eben der zum Bau der Ortsumgehung, verlassen können. Der Leiter des staatlichen Bauamts, Uwe Zeuschel, erklärte, er gehe davon aus, dass Baukosten und Zeitplan eingehalten werden. Schwierigkeiten oder Hindernisse seien derzeit nicht erkennbar.

Auch mit Beginn der Bauarbeiten ebbt derweil die Kritik von Gegnern des Projekts nicht ab. „Wir werden weiter kämpfen, solange das Loch noch nicht gegraben ist“, betont Magdalena Pröbstl, Kreissprecherin der Grünen. Die Meinung der „Kulmbach-Ampel“ zur Ortsumgehung Kauerndorf sei immer noch die gleiche. Neben den Grünen hatten sich in der Vergangenheit auch Oberbürgermeister Ingo Lehmann (SPD) und Stadt- und Kreisrat Thomas Nagel (FDP) kritisch über das Mega-Projekt geäußert. Konkrete Proteste seien derzeit noch nicht geplant, wohl aber die erneute Überprüfung verschiedener Gutachten. „Wurde tatsächlich geologisch alles korrekt bewertet? Schließlich besteht der Hang bei Kauerndorf aus dem selben Material, dass bereits auf der A70 nahe Thurnau zu einem Hangrutsch geführt hat“, meint Pröbstl. Auch eine Belastung des Grundwassers sei für sie noch immer nicht vom Tisch. Es sei noch immer schwer nachvollziehbar, ob alle Aspekte in dem Gutachten ausreichend berücksichtigt worden sind, sagt Pröbstl. Kritik, die Proteste gegen den Tunnel-Bau kämen viel zu spät, lässt sie nicht gelten. „Ich denke, es ist immer noch nicht zu spät. Schließlich leben wir in anderen Zeiten als noch vor 30 Jahren. Die Ressourcen werden immer knapper, und dann sind auch noch die Folgen des Krieges gegen die Ukraine“, betont die Grünen-Politikerin. Dass der Protest gegen die Umgebung manchen Kauerndorfer verärgere, sei ihr bewusst. Sie könne nachvollziehen, wenn mancher das Gefühl habe, man wolle ihm „die Wurst, die man ihm Jahre lang vor die Nase gehalten hat“ plötzlich wegschnappen. Pröbstl sei es wichtig, weiter in Dialog mit den Anwohnern zu bleiben. „Wir werden den Menschen auch weiter erklären, weshalb wir gegen das Projekt sind“, betont sie. Die Dimension des geplanten Tunnels passe einfach nicht in die Region. „Solche Bauwerke können sich vielleicht die Amis oder die Herrscher in Katar hinstellen, aber doch bitte nicht hier in unserem schönen Kulmbacher Land.“

 

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