Katharina Schulze Mobil auf dem Land auch ohne Auto

Katharina Schulze beim DLD-Campus. Foto: Peter Kolb

BAYREUTH. Katharina Schulze ist 33 Jahre alt und Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bayerischen Landtag. „Mobilität ist ein Grundbedürfnis für Teilhabe“, sagte Schulze in der Diskussionsrunde über ländliche Mobilität. „Dafür sollten wir Geld von uns allen in die Hand nehmen.“  

Wer auf dem Land lebt, hat es im Alter oft schwer. Arztbesuche, Einkäufe, Bankgeschäfte sind kaum ohne fremde Hilfe zu meistern. Welche Lösungen schlagen Sie vor?

Katharina Schulze: 56 Prozent der bayerischen Bevölkerung lebt im ländlichen Raum. Mobilität ist hier von großer Bedeutung. Wir brauchen lebendige Ortskerne, die den Ort attraktiv machen und die Lebensqualität für alle Generationen erhöhen, keine Betonflut an Gewerbegebieten auf der grünen Wiese weit außerhalb der Wohnräume. Nahversorgungseinrichtungen wie Wirtshäuser, Lebensmittelgeschäfte, Praxen und Banken gehören in die Ortszentren. Wir brauchen hier gezielte Förderinstrumente und klare Leitplanken in der Landesentwicklung.

Alles ist auf Individualverkehr ausgelegt, Busse fahren selten in die nächstgelegene Stadt, Bahnlinien werden stillgelegt. Warum unterstützt die Politik nicht mehr gemeinschaftliche Angebote wie zum Beispiel Carsharing, Sammeltaxis, Fahrgemeinschaften auf dem Land?

Schulze: Sehr gute Frage, ich bitte hier zu differenzieren. Es ist nicht „die Politik“, die das nicht möchte. Die Regierung sträubt sich, wir Grüne beantragen das in den Gremien ständig. In einer vielfältigen Welt müssen auch die Mobilitätsangebote vielfältiger und vernetzter werden. Wenn immer viel Geld in die Straße fließt und nicht in andere Mobilitätsformen leiden alle drunter: Die Autofahrerinnen und Autofahrer, die im Stau stehen und die Nutzerinnen und Nutzer der Öffentlichen, die zu selten fahren, teuer sind und zu wenig Dörfer anfahren. Als junger Mensch hat man noch keinen Führerschein und im Alter möchte man entweder nicht mehr Autofahren oder kann beziehungsweise traut sich nicht mehr. Damit man aber immer mobil sein kann, müssen wir gemeinschaftliche Angebote stärken.

Das Leben auf dem Land ist erschwert für den, der kein eigenes Auto hat. Wie soll man ohne zurechtkommen?

Schulze: Kenne ich, ich bin selber in einer Gemeinde aufgewachsen, in der nachmittags dann oft kein Bus mehr fuhr. Ständig war man abhängig, dass man abgeholt wird und oft war das ein riesiger Organisationsaufwand. Ich finde, das muss sich endlich ändern! Deswegen wollen wir Grüne eine Mobilitätsgarantie für Bayern: Alle Orte im Land sollen an allen Wochentagen von 5 Uhr bis Mitternacht mindestens stündlich angebunden sein – mit einfachen und kundenfreundlichen Tarifen, einen qualitativ hochwertigen Bayern-Fahrplan und digitalen Angebotsformen. Ergänzt werden soll das durch Angebote wie Bürgerbusse, Rufbusse und Ruftaxis. So ist man auch ohne eigenes Auto mobil, egal wo man lebt!

Für den Klimaschutz wären sie die bessere Wahl. Oder E-Autos. Wozu raten Sie?

Schulze: Damit auch die nachfolgenden Generationen noch gut auf unserer Erde leben können, müssen wir endlich konsequenten Klimaschutz betreiben. Dafür braucht es auch eine Mobilitätswende. Dazu gehört natürlich der Ausbau von Bus, Bahn und Tram. Damit der vernachlässigte ÖPNV überall in Bayern eine bequeme und effiziente Alternative ist, wollen wir Grüne, dass der ÖPNV Pflichtaufgabe der Kommunen wird und mit den entsprechenden Mitteln ausgestattet wird. Ganz ohne Auto wird es nicht überall gehen, deshalb wollen wir abgasfreie Transportmittel und dafür müssen wir jetzt die Infrastruktur aufbauen. Ich bin auch ein großer Fan vom Radl: Dank E-Pedelecs kann man etwas längere Strecken gut fahren – darum braucht es Radlschnellwege.

Was sollen ältere Menschen auf dem Land machen, die von Digitalisierung noch nie etwas gehört haben oder womöglich in einem Funkloch leben?

Schulze: Die Digitalisierung wird nicht mehr weggehen, darum müssen wir sie gestalten, damit sie zur mehr Lebensqualität für alle Menschen führt. Funklöcher gehören dringend beseitigt und ein Glasfaseranschluss muss in jedes Haus. Aber Infrastruktur alleine ist nicht alles. Wir müssen auch den kulturellen Wandel begleiten und alle Menschen mitnehmen. Ich kenne viele ältere Menschen, die sich super in diesem Internet bewegen – man sieht also, dass man alles lernen kann. Der Umgang mit digitalen Medien ist eine Kulturtechnik, die erlernt werden muss wie Lesen, Schreiben oder Rechnen.

 

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