Kanal, Hochbehälter und jetzt auch noch SABS Zu viele Beiträge: Die Emtmannsberger sind sauer

Von Sarah Bernhard

Kanal, Wasserhäuschen und jetzt auch noch die Straßenausbau-Beitragssatzung: Den Emtmannsbergern reicht es. Sie wollen nicht immer mehr Geld für die Daseinsvorsorge bezahlen. Doch die Gemeinde hat keine Wahl - und rüstet zum Gegenangriff.

Kanal, Hochbehälter und jetzt auch noch SABS: Den Emtmannsbergern reicht's. Manche sind so sauer über die vielen Forderungen der Gemeinde, dass sie überlegen, wegzuziehen. Foto: Wittek Foto: red

Emtmannsberg ist in Aufruhr. „Ich denke, die Leute hier haben von der Zahlerei die Schnauze voll“, sagt Ulrich Wawreczka. Der 57-Jährige lebt mit seiner Familie in einem hübschen kleinen Neubaugebiet am Ortsrand – und hat schon von zwei Nachbarn gehört, die wegziehen wollen. Offiziell aus gesundheitlichen Gründen. Denn öffentlich wahrt man in Emtmannsberg die Contenance. „Aber es brodelt unter der Oberfläche“, sagt Wawreczka.

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Auch Carmen Mörtl-Elasinghe sagt das. Sie wohnte bisher am anderen Ende von Emtmannsberg, eine Relation, die in etwa auch die politische Heimat der beiden beschreibt. „Es gibt hier Familien, die haben seit Jahren keinen Urlaub gemacht“, sagt sie. Und das schon bevor der Gemeinderat im Oktober vergangenen Jahres die Straßenausbau-Beitragssatzung beschloss. Und damit das Fass zum Überlaufen brachte.

15.000 Euro für den Kanal

Denn zahlen mussten die Emtmannsberger schon vorher: 2009 etwa, als die Kanäle saniert wurden. 12.000 Euro wurden bei den Mörtl-Elasinghes dafür fällig. Plus einer Nachzahlung von 2900 Euro im Jahr 2014. Dazu 120 Euro, die alle fünf Jahre fällig werden, damit ein Gutachter überprüft, ob ihr Tank den Vorgaben fürs Wasserschutzgebiet entspricht.

Dann kam die Nachricht, dass der marode Hochbehälter saniert werden muss: 570.000 Euro wird das kosten, wie viel davon auf die Bürger umgelegt wird, ist noch nicht sicher. Relativ sicher ist aber schon, dass es zwischen 1000 und 2000 Euro sein werden, je nachdem, wie viel über Gebühren und wie viel über Einmalbeiträge finanziert wird.

„Das Wasser, das ich mir kaufen muss, weil mein warmes Wasser aus dem Hahn wie ein Schwimmbad riecht, kommt auch noch dazu“, sagt Ulrich Wawreczka. Seit vor vier Jahren Keime im Trinkwasser gefunden wurden, wird das Wasser in Emtmannsberg gechlort. Ob sich das mit dem Neubau des Hochbehälters ändern wird, ist ungewiss.

Kreil: Keine Beiträge geplant

Und jetzt eben die Straßenausbaubeitragssatzung (SABS). „Wir werden vermeiden, Maßnahmen zu ergreifen, die zur Umlage führen“, sagt Bürgermeister Thomas Kreil. „Auch die nächsten Gemeinderäte werden sehr zurückhaltend sein.“ Und: „Ich sehe mittelfristig keine Straße, für die wir Beiträge erheben müssten.“ Doch viele Emtmannsberger besänftigt das nicht.

„Selbst wenn es noch fünf Jahre dauert, irgendwann wird sie kommen“, sagt Carmen Mörtl-Elasinghe. „Viele Menschen haben sich Grundbesitz zugelegt, damit sie im Alter keine finanziellen Probleme haben. Für die ist das heftig“, sagt Wawreczka. Er kenne Rentner, die mit 1200 Euro Rente 8000 Euro für die Kanalsanierung bezahlen mussten. Und Mörtl-Elasinghe erzählt von jungen Familien, die schon mit der Kredittilgung fürs neue Haus am Limit sind. Auch sie selbst. „Man möchte den Kindern was gönnen, und dann muss man jeden Cent für eine Gebühr umdrehen. Das ist nicht schön.“

2240 Euro Schulden pro Einwohner

Bürgermeister Kreil versteht die Sorgen dir Bürger. Doch viel machen kann er nicht. „Wir waren gezwungen, die Kanal-Maßnahmen zu ergreifen“, sagt er. Und auch die Einführung der SABS sei notwendig gewesen, um Stabilisierungshilfe zu bekommen. Nur dank dieser Hilfe kann Emtmannsberg darauf hoffen, in Zukunft wieder Schulden abbauen zu können, statt neue zu machen (wir berichteten). Im Moment lasten auf jedem Einwohner rund 2240 Euro kommunale Schulden, bayernweit liegt der Durchschnitt bei 711 Euro.

Dass die Gemeinde alles tun muss, um wieder auf die Beine zu kommen, versteht wiederum auch Ulrich Wawreczka. „Wo soll das Geld auch sonst herkommen? Außer Rollo Raab gibt’s hier ja nichts.“ An der schwierigen Situation für den Einzelnen ändere das aber nichts, sagt er. Dann nickt er in Richtung Nachbarhaus. „Wissen Sie, gestern hat meine Frau zum ersten Mal zu mir gesagt: Vielleicht sollten wir auch wegziehen.“

Bürgermeister Thomas Kreil will das nicht auf sich sitzen lassen. „Ich habe mal den Bevölkerungsstand rausgesucht“, sagt er am Telefon. Um 21 Personen hat sich dieser seit dem März vergangenen Jahres geändert. Die 21 Personen sind zugezogen.