Kampf gegen die Pandemie 20 Impfdosen für die Hausarztpraxis

Hausärztin Birgitt Lucas verabreicht in Naila einem 49-jährigen Patienten eine Corona-Impfung. Im Landkreis Hof dürfen Hausärzte bereits impfen und dabei von der festgelegten Reihenfolge abweichen. Foto: dpa/Nicolas Armer

Corona-Impfungen starten in den bayerischen Hausarztpraxen, allerdings geht es ganz langsam los. Impftermine auf Anruf wird es erst mal nicht geben.

München/Bayreuth - Rund drei Monate nach Start der Impfungen gegen Corona haben offenbar noch längst nicht alle über 80-Jährigen in Bayern ein Impfangebot bekommen, obwohl sie zu der Gruppe mit der obersten Impfpriorität zählen. Dass sich über 80-Jährige deshalb beschwert haben, bestätigte das Landratsamt Bayreuth dem Kurier, nennt aber keine Zahl.

Beschwerden von Senioren

„Gelegentlich“ habe es Beschwerden gegeben, wobei die Ursache bisher im Impfstoffmangel begründet lag, teilte Sprecherin Karen Görner-Gütling auf Anfrage mit. Eine erhöhte Impfdosenzuweisung habe diese Situation merklich entspannt. Mehr als 8600 über 80-Jährige seien in Bayreuth und Pegnitz bereits mindestens einmal geimpft worden. Die Zahl der Nicht-Geimpften lasse sich etwa wegen möglicher Mehrfachregistrierungen nicht feststellen.

Systematisch benachteiligt?

Nach einem Bericht des Bayerischen Rundfunks waren vergangene Woche allein im Landkreis Starnberg mehr als 4000 über 80-Jährige noch nicht geimpft. Der Grund: Nicht nur das Alter ist für die Priorisierung entscheidend, auch Mitarbeiter etwa im Pflegeberuf genießen laut Impfverordnung Vorrang. Dem Bericht zufolge erhalten sie in der Bayerischen Impfdatenbank Bayimco sogar systematisch einen höheren Scorewert als Menschen, die knapp über 80 Jahre alt sind. Eine Kurier-Anfrage, wie viele über 80-Jährige in Bayern noch nicht geimpft sind, ließ das Gesundheitsministerium unbeantwortet.

Anmeldung per Telefon

Dr. Stefan Wirth, ärztlicher Leiter des Bayreuther Impfzentrums und Vorsitzender des Bayreuther Hausarztvereins, sagt, wer sich nicht selbst bei der bayerischen Datenbank anmelden kann, weil er etwa keinen Internetanschluss hat, kann sich auch telefonisch bei der Impfhotline in Bayreuth anmelden (Telefon 09 21/72 87 00). Die Mitarbeiter dort gäben dann diese Daten manuell in die bayerische Datenbank ein. Dabei könne es wegen der hohen Auslastung einen gewissen Rückstau geben. Über 80-Jährige, die sich jetzt anmelden, müssten schon allein deshalb eine gewisse Wartezeit in Kauf nehmen, weil die unmittelbar nächsten Impftermine bereits vergeben seien.

20 Impfdosen für die Arztpraxis

Wirths Bayreuther Hausarztpraxis ist eine von den 1500 Praxen in Bayern, die demnächst Corona-Impfungen verabreichen können. Allerdings zunächst nur ganz wenige: Je 20 Dosen des Corona-Impfstoffs von Astra Zeneca werde jede Praxis in einer ersten Lieferung an diesem Dienstag bekommen, sagt Wirth. Seine Mitarbeiter seien gerade dabei, die Patienten in der höchsten Priorisierungsgruppe nach Alter und Vorerkrankungen abzutelefonieren und Impftermine zu vereinbaren. Als hinderlich erweist sich dabei, dass die Arztpraxen nicht wissen, wer von ihren Patienten bereits eine Impfung erhalten hat. So gebe es bei den Anrufen einige Absagen von Patienten, die bereits geimpft sind. Entsprechend werde die Liste dann erweitert.

Anrufe sind sinnlos

Jeden Tag rufen in Wirths Praxis Menschen an, die einen Impftermin vereinbaren wollen. Das sei aber völlig sinnlos in Anbetracht der geringen Anzahl von Dosen und weil er nicht wisse, wann die nächste Impfstofflieferung eintrifft, sagt Wirth. So wie Wirth geht es gerade vielen Ärzten, seit Gesundheitsminister Klaus Holetschek den Impfstart bei Hausärzten in Bayern zum 1. April angekündigt hat. Die Kassenärztliche Vereinigung appellierte deshalb an die Menschen, „Ruhe zu bewahren und die Praxen nicht mit Nachfragen zu bestürmen“. In den ersten Wochen werde nur sehr wenig Impfstoff zur Verfügung stehen.

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