Juniorensportlerin des Jahres Eine Hoferin in der Reihe mit den Großen

Marcus Schädlich
Jubel auf der Bühne in Düsseldorf: Sarah Vogel (rechts) wurde am Samstagabend zur deutschen Juniorensportlerin des Jahres ausgezeichnet. Foto: Beautiful Sports/Imago

Sarah Vogel erhält die höchste Auszeichnung, die eine deutsche Nachwuchssportlerin in Deutschland erhalten kann: Die Hofer Stabhochspringerin wird Juniorensportlerin des Jahres­. Die Liste ihrer ­Vorgänger ist namhaft.

Hof/Düsseldorf - Mit ihrem Charme und dem positiven Auftreten hatte sie vor wenigen Wochen schnell das Hofer Publikum für sich gewonnen: Als Sarah Vogel beim Stabhochsprung-Meeting in der Hofer Altstadt an den Start ging, flogen ihr die Herzen zu – trotz einer sportlich eher schwachen Leistung. Vogel, die aus Hof stammt, nun aber in Hessen wohnt und für Seligenstadt startet, hat womöglich gerade aus der fränkischen Heimat zahlreiche Stimmen erhalten, als es darum ging, die Juniorensportlerin der Deutschen Sporthilfe zu küren.

Am Samstagabend wurde nun das Abstimmungsergebnis bei einer Gala in Düsseldorf präsentiert – und siehe da: Sarah Vogel erhielt die meisten Stimmen und ist nun Deutschlands größte Nachwuchshoffnung. Sie setzte sich gegen Oliver Koletzko (Weitsprung, Junioren-Europameister), Lennart-Jan Krayer (Mountainbike, Junioren-Weltmeister), Philipp Lipowitz (Biathlon, Junioren-Weltmeister) und Muriel Mohr (Ski Freestyle, Junioren-WM-Zweite) durch. „Ich bin überrascht und überwältigt“, sagte Vogel nach der Bekanntgabe. „Ich hätte nicht damit gerechnet und freue mich einfach nur.“ Sie habe schon nicht damit gerechnet, überhaupt nominiert zu werden – und jetzt auch noch das: Es stimmten die meisten Abstimmungsteilnehmer für die gebürtige Hoferin ab. „Ich bedanke mich dafür und finde es echt krass: Ich wäre bei so einer Abstimmung immer danach gegangen, welche Sportart die coolste ist – und da wäre Mountainbike und Ski-Freestyle weit vorn gelegen.“ Allerdings sind auch die Stabhochspringer für Spektakuläres bekannt – wie sich nicht nur jedes Jahr beim Hofer Stabhochsprung-Meeting zeigt. „Die Auszeichnung ist auf jeden Fall cool für die Leichtathletik-Familie“, sagte Vogel, die die Trophäe in ihre Vitrine daheim in Groß-Umstadt bei Darmstadt stellen will.

Lob bekam sie an diesem Abend reichlich: „Sarah Vogel ist mit erst 19 Jahren nicht nur erfolgreich, sie weist bereits eine beeindruckende mentale Stärke auf und hat den Titel ‚Juniorsportlerin des Jahres’ mehr als verdient“, sagte Thomas Berlemann, der Vorstandsvorsitzender der Deutschen Sporthilfe, und er fügte für alle Nominierten an: „Sie alle haben eine große sportliche Zukunft vor sich.“

Worte, die nicht nur so dahergesagt sind, sondern auf Erfahrungswerten basieren. Denn Sarah Vogel befindet sich nun in einer Reihe mit den ganz Großen des deutschen Sports.

Vor ihr erhielten diese Auszeichnung, die seit 1978 vergeben wird, unter anderem Michael Groß (1981), Franziska van Almsick (1992), Timo Boll (1997), Ronald Rauhe (1998), Maria Höfl-Riesch (2004), Magdalena Neuner (2007/2008), Laura Dahlmeier (2013) und Niklas Kaul (2017).

Ausschlaggebend für die Wahl von Sarah Vogel war ihr Triumph im Juli in Tallinn: Bei der U-20-Junioren-Europameisterschaft siegte sie im Stabhochsprung. Etwas überraschend, denn ihre Qualifikation schaffte sie erst auf den letzten Drücker, nachdem sie sich nach einer schwierigen Saison 2020 erst ins neue Jahr arbeiten musste. Beim entscheidenden Wettkampf in Mannheim war Vogel aber da: Mit 4,05 Metern knackte sie die Norm für die Europameisterschaft. „Im Training habe ich schon gesehen, was ich kann. Das hat mir viel Selbstvertrauen gegeben“, sagte sie damals.

Auf einen Start bei der WM musste sie allerdings verzichten, weil der Deutsche Leichtathletik Verband kein Team zur U-20-WM nach Kenia geschickt hatte – aus Sorge vor dem Corona-Virus.

Die Bestleistung der amtierenden deutschen U 20-Meisterin liegt bei 4,30 Meter. Damit liegt sie noch einiges von der magischen Fünf-Meter-Marke der Frauen entfernt. Eine Schallmauer, die bislang nur vier Frauen überhaupt durchbrochen haben. Im Moment hege sie allerdings ein persönliches Ziel: „Für mich würde ich gern 4,64 Meter springen, weil meine Trainerin Nastja Steinbeck 4,63 Meter als Bestleistung hat“, verriet sie dem Portal Leichtathletik.de.

Im Gespräch mit unserer Zeitung hatte sie allerdings ein anderes Ziel schon ganz klar ins Auge gefasst: die Olympischen Spiele. „Ich würde natürlich gerne zu den Olympischen Spielen fahren. Das ist für jeden Sportler das Ziel“, sagte sie. Vielleicht hat sie am Samstagabend dann auch mit der Laudatorin über diese Erfahrung gesprochen. Denn die frühere Hürdenläuferin und Olympia-Teilnehmerin Pamela Dutkiewicz-Emmerich überreichte der Biochemie-Studentin die Auszeichnung.

Mit dem Titel kommt zwar einige Verantwortung auf die 19-Jährige zu, allerdings hatte sie bereits im Vorfeld betont, dass ihr ihre berufliche Entwicklung genauso wichtig sei wie die sportliche: Allein auf den Sport will sie sich nicht fokussieren. Ihr Vorteil: Sie kann Sport und Studium womöglich sogar inhaltlich verbinden. Die Biochemie-Studentin überlegt, später in die Anti-Doping-Forschung zu gehen. „Ob ich in die Grundlagenforschung gehen möchte oder doch vielleicht in die Pharmaindustrie, weiß ich noch nicht“, sagte sie.

Doch am Samstagabend hat sie sicherlich keinen Gedanken daran verschwendet, sondern erst einmal ihren Titel gefeiert – gemeinsam mit ihren sportinteressierten Eltern. Vater Michael war Leichtathlet und Mutter Ute Kajak-Fahrerin. Und die Großeltern, die noch in Hof wohnen, freuten sich genauso mit.

 

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