Junge Leute investieren viel Arbeit Kerwa kostet zwei Wochen Urlaub

Von Peter Engelbrecht

HOLLFELD. Die Kerwa ist nicht nur Gaudi und Vergnügen – sondern auch harte Arbeit. „Viele von uns nehmen dafür zwei Wochen Urlaub“, berichtet Florian Groh (22), der Vorsitzende des Vereins Kerwasburschen und -madla Stechendorf bei Hollfeld. Der Aufbau des Bierzeltes beginnt bereits eine Woche davor, der Abbau dauert dann bis Donnerstag danach.

Alle packen mit an: Die Zeltkerwa in Stechendorf wird vorbereitet. Foto: Andreas Harbach Quelle: Unbekannt

In dem Fest steckt nicht nur viel Idealismus, sondern auch richtig Arbeit. Das Zelt steht am Rande des Dorfes direkt an der Wiesent. Dort wird derzeit gewerkelt und geschraubt, denn am Freitag muss alles fertig sein. Auch Vereinskassier und Stadtrat Markus Seidler (33) packt mit an. Man merkt ihm und Groh den Stolz an, das Fest fortzuführen.

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Eingeschworene Gemeinschaft

Warum tun sie sich das an? Die 42 Kerwasburschen und -madla sind eine eingeschworene Gemeinschaft, die das ganze Jahr etwas miteinander unternimmt, seien es Ausflüge oder das legendäre Herbstgrillen. „Das schweißt zusammen. Das Veranstalten der Kerwa macht uns einfach Spaß, deshalb machen wir es auch“, fasst Groh zusammen. In Stechendorf mit seinen 300 Einwohnern gibt es fünf Vereine, doch keiner mischt sich ein. Bei den Kerwasburschen und -madla kann man ab 15 Jahren eintreten, mit der Heirat scheidet man dann aus. Die Verantwortlichen gehen auf die jungen Leute gezielt zu, werben um eine Mitgliedschaft. So lässt sich erklären, dass es keine Nachwuchsprobleme gibt. Das ist quasi ein Generationenvertrag, die Kerwa weiterzutragen. Laut Archivunterlagen ist das Fest rund 400 Jahre alt. Die Zeltkerwa gibt es seit 1993.

Klein und überschaubar

Das Geheimnis der Stechendorfer Kerwa ist das Kleine, Überschaubare; kein Größenwahnsinn mit einem Riesenzelt. Das Zelt ist mit 400 bis 500 Gästen gut gefüllt, mehr braucht es nicht. Und: Die jungen Leute, die immer wieder neu dazu kommen, sind sehr motiviert. Vorsitzender Groh: „Wir gehen geschlossen auf andere Kerwas, und die anderen kommen halt dann zu uns.“ Die Mehrzahl der Gäste kommt aus dem Raum Hollfeld. Gemeinschaft und Freundschaft seien wichtiger „als die Beine hochzulegen“. Die Musik ist gemischt: Zum Auftakt Hardrock, am Samstag Partymusik, am Sonntag die Hochstahler Blaskapelle und am Montag wieder traditionelle Blasmusik.

Truppach: 120 Helfer

Auch bei der benachbarten Zeltkerwa in Truppach geht man ähnlich vor. „Der harte Kern der Helfer nimmt zwei Wochen Urlaub“, berichtet Andreas Lappe (23), Vorsitzender der Landjugend. Das Fest dauert vom kommenden Donnerstag bis zum Montag. Lappe beziffert die Zahl der Helfer auf rund 120, die auch vom Brauchtums-Erhaltungsverein Truppach kommen. „Da gehört schon Engagement dazu“, sagt Zeltmeister Frederik Feulner. „Wir sind halt Kerwa-Narren“, lacht der 23-Jährige, die anderen stimmen ihm zu. Die Kerwa werde weiter bestehen, sind sich die jungen Truppacher sicher. Im Zelt werden Sitzgelegenheiten für 400 bis 500 Gäste aufgebaut, das reicht erst mal für ein gemütliches, übersichtliches Fest. Von einem Besucherrückgang wie andernorts war bislang nichts zu spüren. Die Truppacher setzen bei der Musik auf eine ausgewogene Mischung, und auf den Zusammenhalt: Die einzelnen Landjugendgruppen besuchen sich gegenseitig bei den Festen und sorgen so für entsprechende Frequenz. Die Devise lautet: zusammenhalten.