Junge Frau in Kulmbach Wegen 109 Fällen der Untreue vor Gericht

Symbolfoto: Daniel Karmann, dpa

KULMBACH. Handelt es sich wirklich um 109 Fälle von gewerbsmäßiger Untreue, oder sitzt eine junge Frau zu Unrecht zum ersten Mal in ihrem Leben auf der Anklagebank? Diese Frage muss Amtsrichterin Sieglinde Tettmann jetzt beantworten.

Ein Verhandlungstag am Freitag hat dafür nicht gereicht. Schon jetzt ist abzusehen, dass auch der jetzt anberaumte zweite Verhandlungstag nicht mit einem Urteil enden wird. Was jetzt schon sicher sei, wie Amtsrichterin Sieglinde Tettmann feststellte: Denn eine der beiden Frauen, ob es nun die Angeklagte ist oder die als Zeugin auftretende Geschädigte, sagt nicht die Wahrheit.

Betreung einer Querschnittgelähmten

Die 29-jährige Zeugin sitzt nach einem Unfall vor einigen Jahren im Rollstuhl. Sie ist inzwischen Rentnerin und mehrfach täglich auf einen Pflegedienst angewiesen. Als Haushaltshilfe mit einem Mini-Job hatte sie die jetzt angeklagte 31-Jährige beschäftigt. Die Frauen – darin sind sich beide einig – haben sich auf Anhieb gut verstanden. Die querschnittsgelähmte Frau vertraute ihrer Helferin die EC-Karte samt Pin an, schickte sie zum Geldabheben und zum Einkaufen. Am Anfang habe sie kontrolliert, sagte die Zeugin. Doch es habe immer alles gestimmt, also habe sie irgendwann die Kontrollen eingestellt.

Es fehlen mehr als 18000 Euro

Was dann passiert ist, sieht die Staatsanwaltschaft als gewerbsmäßige Untreue in 109 Fällen an. 18 410 Euro, so der Vorwurf, habe die 31-Jährige zwischen August 2018 und Oktober 2018 durch die zahlreichen unberechtigten Abhebungen mit der EC-Karte ihrer Arbeitgeberin an sich gebracht. Damit es nicht auffällt, habe sie die Kontoauszüge, auf denen diese Abbuchungen vermerkt waren, verschwinden lassen. Das erfülle den Straftatbestand der gewerbsmäßigen Untreue.

Die 31-jährige Angeklagte, bislang nicht vorbestraft, weist das energisch zurück. Alle Abhebungen seien im Auftrag erfolgt, Geld und Auszüge habe sie der Frau jeweils in deren Wohnung übergeben beziehungsweise auf ihren Tisch gelegt. Ihr Vater, der für sie die Kontoauszüge abheftete, habe schließlich gemerkt, dass Auszüge fehlen, berichtete die 29-Jährige. Dass die Geschädigte so lange nichts von den Abhebungen bemerkt haben will, wunderte Amtsrichterin Tettmann. 1500 Euro Rente bekommt die Frau nach eigenem Bekunden. Es gab Monate, in denen von ihrem Konto mehr als 1700 Euro veruntreut worden sein sollen.

Verhandlung wird Ende August fortgesetzt

Doch nicht nur die Frage, ob nun die Zeugin die Wahrheit sagt oder die Angeklagte, muss nun vor Gericht geklärt werden. Offenbar war es keineswegs so, dass die Zeugin mit Bestimmtheit sagen konnte, welche Beträge unrechtmäßig abgehoben wurden. Vielmehr sieht es danach aus, als ob möglicherweise alle Beträge von denen die Auszüge gefehlt hatten, auf die Liste der vorgeworfenen Straftaten gekommen sind.

Um diese und andere Fragen zu klären, werden bei der Fortsetzung Ende August nicht nur die Eltern der Rollstuhlfahrerin als Zeugen gehört, sondern auch die Polizisten, die die Liste der angeblich unrechtmäßigen Abbuchungen zusammen mit der Zeugin erstellt hatten.

 

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