Jugendherberge: Zu bis September

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Das Ziel war gesteckt: Im Juni, genau ein Jahr nach der eigentlichen Eröffnung, sollte die Bayreuther Jugendherberge wieder eröffnen. Man hofft, die massiven Wasserschäden könnten bis zu dem Zeitpunkt behoben sein. Von einer etappenweisen Wiedereröffnung ist der bayerische Landesverband des Deutschen Jugendherbergswerks (DJH) jetzt allerdings zwangsweise abgerückt. Vor September ist an eine Eröffnung nicht zu denken.

Im Erdgeschoss der Bayreuther Vorzeige-Jugendherberge - die einzige integrative Jugendherberge und Flaggschiff des DJH - gleicht in Teilen dem Zustand des Rohbaus. Der Estrich ist bis auf die Abdichtung abgetragen, Strom- und Wasserleitungen wurden neu verlegt, die Trockenbauwände sind bis auf etwa einen Meter Höhe herausgenommen und zum Teil schon wieder ergänzt worden. Bäder, Waschräume, alles braucht neue Fliesen, die Zimmer sind leer. "Wenn ich nicht wüsste, dass hier schon einmal Gäste übernachtet haben, ich würde es nicht glauben", sagt Anja Kurth, die Leiterin der Jugendherberge, am Dienstag bei einem Rundgang mit dem Kurier.

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Bauleute länger drin als die Gäste

Von 2. Juni bis 24. November vergangenen Jahres, als man wegen einer Reihe massiver Wasserschäden die Jugendherberge schließen musste, hatten Kurth und ihr Team die Möglichkeit, Gäste zu bewirten. "Inzwischen sind die Bauleute schon wieder länger drin als die Gäste", sagt Kurth. "Sieben Monate." Das Foyer der Jugendherberge sieht schon wieder fast aus wie zur Einweihung. Dafür lagern jetzt alle Möbel aus den Zimmern, die abgebaut werden mussten, im oberen Stockwerk. Säuberlich Raum für Raum getrennt. Schreiner aus dem Raum Bayreuth, nicht mehr die Berliner Firma, die die Zimmer gebaut hatte, werden sich im Anschluss um die Wiedereinrichtung kümmern. Das sei günstiger, sagt Kurth. Und - wie in den meisten anderen Gewerken - eine logische Folge, denn: "Viele der Ansprechpartner, die wir beim Bau der Jugendherberge hatten, haben sich verändert, arbeiten bei anderen Firmen oder an neuen Projekten."

Schwer, Firmen zu bekommen

Aufgrund des Bau-Booms sei es auch gar nicht so leicht gewesen, Firmen zu bekommen, die sich um die Beseitigung der Schäden kümmern konnten. Parallel zur Behebung der Wasserschäden werden auch Mängel aufgearbeitet: Beispielsweise habe sich die Versiegelung des Estrichs gelöst. Anfangs habe man sich nicht erklären können, warum das so ist, sagt Kurth, "Jetzt hat man die Lösung gefunden und kann das gleich mit machen." Eine lärmintensive Angelegenheit, die man auch den Gästen nicht zumuten wolle.

Man kennt jetzt erst das volle Ausmaß des Wasserschadens

Wie Frieder Weber, Projektleiter aus der Bauabteilung des DJH, sagt, kenne man "jetzt erst auch das volle Ausmaß der Wasserschäden, nachdem wir den Rückbau gemacht haben". Die beiden Flügel der Jugendherberge, in denen die Gäste normalerweise untergebracht sind, seien entsprechend unterschiedlich weit im Baufortschritt. "Während wir in einem Flügel, wo nur das Erdgeschoss betroffen war, bereits beim Trockenbau sind, sind wir beim zweiten Flügel noch im Rückbau bis auf Rohbau."

"Alle Puffer aufgebraucht"

Der DJH-Vorstand Winfried Nesensohn sagt auf Anfrage unserer Zeitung, bei den Sanierungsarbeiten seien "alle Puffer aufgebraucht", die man gehabt hätte, um den ersten Flügel im Juni oder Juli, den zweiten Flügel im September wieder in Betrieb zu nehmen. "Das tut uns weh, denn wir waren nicht nur in der Festspielzeit schon sehr gut gebucht. Wie die Anbieter in ganz Bayreuth." Im Booking-Center in München versuchten die Mitarbeiter, "alle Gäste umzubuchen und für sie Alternativen zu finden. Wir versuchen, die Dienstleistung zu bringen, was natürlich in der Hochsaison schwer ist". Anja Kurth sagt, sie hätte allein im August rund 2500 Buchungen für die 180 Betten des Hauses gehabt, deren Matratzen derzeit einen kompletten Tagungsraum füllen.

Brandschutz: Neue Bestimmungen für ein Jahr altes Gebäude

Spannend: Das 2017 eröffnete Haus muss bereits jetzt beim Thema Brandschutz angepasst werden. "In Teilen müssen wir da auch einiges neu machen", sagt Nesensohn. Denn: "Für die Eröffnung galten die Bestimmungen aus dem Jahr 2015, als wir die Pläne eingereicht hatten. Jetzt jedoch gelten die Vorgaben von 2018", sagt Anja Kurth - was zum Beispiel mehr oder anders zu positionierende Rauchmelder bedeute. Was die Höhe des Schadens - inklusive Sanierungskosten und Einnahmenausfall - angehe, könne man aktuell noch keine Aussagen treffen. "Wir sind gerade am Zusammenstellen und versuchen das dann mit den Versicherungen abzuklären", sagt Nesensohn.

Positiv: Das Team bleibt bei der Stange

Positiv, trotz der Schäden und der damit verbundenen Schließung: Das Team, zu dem auch sieben Mitarbeiter mit Beeinträchtigung gehören, wird wohl zusammenbleiben, sagt Kurth auf Nachfrage. "Es ist schon schwer für uns Mitarbeiter, aber wir sind immer in Kontakt, treffen uns regelmäßig." Für die meisten gelte Kurzarbeit, "mit einem Zuschuss des DJH in Höhe von 15 Prozent". Andere Mitarbeiter seien derzeit arbeitslos und in Weiterbildungen, hätten aber eine Wiedereinstellungsgarantie. "Bislang belieb uns alle treu. Und wir wünschen uns, dass wir alle im September wieder gemeinsam durchstarten können." Sowohl die Agentur für Arbeit als auch das Integrationsamt unterstützten das Team der Jugendherberge, sagt die Leiterin. Ebenfalls ein positiver Effekt: Die Außenanlagen, die normalerweise im laufenden Betrieb nach dem Abriss der alten Jugendherberge neu gestaltet werden sollten, sollen bis zur Wiedereröffnung fertig sein.

Der Jahrestag? Eine Feier in einem Biergarten

Das Team, sagt Anja Kurth, wird einen besonderen Tag wohl gemeinsam, aber ganz anders als geplant verbringen: "Zum Jahrestag, an dem wir die ersten Gäste begrüßt haben, am 2. Juni, treffen wir uns eben alle in einem Biergarten."