Jugend musiziert Erster Preis an der Orgel für Tilmann Metzeroth

Nachwuchsorganist Tilmann Metzeroth an der Orgel der Stadtkirche. Foto: Ralf Münch

In diesem Jahr per Video: Der 19-jährige Tilmann Metzeroth hat im Regional- und Landeswettbewerb von „Jugend musiziert“ einen ersten Preis gewonnen und darf nun im Bundeswettbewerb antreten.

Bayreuth - Auch wenn das musikalische Leben in Bayreuth derzeit ziemlich am Boden liegt: Nach wie vor wird Musik gemacht. Organisten sind in Zeiten der Pandemie klar im Vorteil. Sie können unter Einhaltung aller Abstandsregeln als einzelner Musiker annähernd die Klagvielfalt eines kompletten Orchesters in den Raum zaubern. Einer davon ist der 19-jährige Tilmann Metzeroth, der im Regional- und Landeswettbewerb von „Jugend musiziert“ einen ersten Preis gewonnen hat und nun im Bundeswettbewerb antreten darf.

Der aus Herzogenaurach stammende junge Organist, der an der Uni Bayreuth Mathematik studiert, erhält bei Dekanatskantor Michael Dorn Orgelunterricht. Über die These, dass ein guter Musiker auch ein guter Mathematiker sei, ist immer wieder viel spekuliert worden. Tilmann Metzeroth jedenfalls vereint beide Talente. Um in der Mathematik einen Beweis führen zu können, brauche man Kreativität, sagt der 19-Jährige. Und Kreativität braucht man natürlich auch in der Musik.

Eine große Kirche mit Klang füllen

Im Alter von 13 Jahren hat Tilmann Metzeroth er in seiner Heimatstadt zum ersten Mal die Orgel in einem Konzert gehört. Das Instrument hat derartigen Eindruck auf den Jugendlichen gemacht, dass er beschloss, beim Kantor der Kirche Unterricht zu nehmen. Zuvor hatte er bereits Klavierunterricht erhalten. Die Orgel stellt für ihn „eine perfekte Mischung aus allem“ dar. Sowohl die klangliche Vielfalt, als auch die Technik, die in dem Instrument steckt, haben den jungen Musiker beeindruckt. Und natürlich, dass man „eine große Kirche mit Klang erfüllen kann“.

Noch eine andere Besonderheit ist es, die der 19-Jährige an dem Instrument sehr schätzt. Im Gegensatz zu anderen Musikern, die sich stets gut sichtbar fürs Publikum auf einer Bühne präsentieren müssen, sitzt der Organist zumeist im Verborgenen.

In der Bayreuther Stadtkirche stehen beide Optionen zur Verfügung. Spielt der Organist auf der Empor direkt am Instrument, ist er für die Gottesdienst- oder Konzertbesucher nicht sichtbar. Sitzt er am Spieltisch im Altarraum, kann man ihn sehen. In dieser Position nimmt der Musiker den Klang der Orgel so wahr, wie ihn auch die Besucher in den Kirchenbänken hören.

Zungenpfeife klingt wie ein Motorrad

Register, die dem jungen Musiker an der Stadtkirchenorgel besonders gut gefallen, sind die schwebende Vox Coelestis, aber auch das dröhnende 32-Fuß-Zungenregister. Spielt man das tiefe C allein mit dieser Pfeife, „hört es sich an, wie ein Motorrad“. Seine volle Wirkung entfaltet es erst im Tutti-Klang der Orgel.

Beim Festival junger Künstler 2019 war Tilmann Metzeroth erstmals in einem Konzert in Bayreuth zu hören. Auch in der Reihe „Jünger auf der Kanzel“ gestaltete er einen Gottesdienst musikalisch auf der Orgel. Neben Bach spielt er auch gerne Musik aus der Romantik, der Moderne und von französischen Komponisten.

Angesichts der Corona-Pandemie lief der Wettbewerb „Jugend musiziert“ anders ab als geplant. Die Teilnehmer mussten ein Video produzieren und dieses hochladen. Der Bayreuther Organist präsentierte sich dabei mit Präludium & Fuge in A-Dur von Johann Sebastian Bach, dem „Benedictus“ von Max Reger und einer Choralvariation über „Veni Creator“ von Maurice Duruflé. Im Bundeswettbewerb wird der 19-Jährige dasselbe Video noch einmal einreichen.

Und wenn er dann wieder einen ersten Preis bekommt? „Ich lasse mich überraschen“, sagt der Orgelschüler, der auf jeden Fall sein Mathematikstudium zu Ende bringen will. „Die Musik ist ein großer Bestandteil meines Lebens“ sagt er. Zum Beruf machen will er sie nicht.

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