Jeder zweiten Einrichtung in Bayern droht laut Tierschutzbund die Insolvenz Finanzen: Bayreuther Tierheim trotzt dem Trend

Die Meldung ist alarmierend: Jedem zweiten Tierheim in Bayern droht laut Tierschutzbund die Insolvenz. Die gute Nachricht: Dem Bayreuther Tierheim geht es derzeit finanziell gut. Aber auch hier sollten Stadt und Kreis deutlich mehr Geld für diese Pflichtaufgabe in die Hand nehmen, sagt Guido Zahn, Vorsitzender des Tierschutzvereins.

„Wir schreiben eine relativ gute schwarze Null“, sagt Zahn. Das liegt aber vor allem an der Bayreuther Bevölkerung, die sich ihrem Tierheim offenbar besonders verbunden fühlt. Erbschaften, Spenden und Mitgliedsbeiträge sind die Haupteinnahmequellen. Etwa 200 000 Euro sind im Jahr für den Betrieb nötig, sagt Zahn, ohne Investitionen. Die Stadt steuert nach eigener Auskunft 22 000 Euro bei, der Landkreis 10 500 Euro. Und das, obwohl Städte und Gemeinden nicht nur für die Verwahrung von Fundsachen, sondern auch von Fundtieren zuständig sind.

In der Praxis übertragen sie diese Aufgabe an Tierheime und bezahlen diese dafür. Ein Euro pro Einwohner wäre laut Tierschutzbund für den reinen Betrieb nötig. 1,50 Euro pro Einwohner, um Luft für Investitionen zu haben. Doch das zahlen nur wenige, zum Beispiel der unterfränkische Landkreis Haßberge sowie Starnberg und Dachau in Oberbayern, sagt Andreas Brucker aus Weidenberg (Kreis Bayreuth). Er ist stellvertretender Geschäftsstellenleiter im Landesverband Bayern des Deutschen Tierschutzbunds.

In Oberfranken sei die Stadt Coburg mit 65 Cent pro Einwohner die positive Ausnahme. Der Tierschutzbund fordert deshalb einen jährlichen Zuschuss vom Freistaat für die bayerischen Tierheime in Höhe von einer Million Euro. „Bayern ist das einzige Land, das zum Tierschutz nichts dazuzahlt“, sagt Brucker.

Tierschutzbund fordert 1 Euro pro Einwohner fürs Tierheim, Bayreuth zahlt 30 Cent

„Brächen die Spenden weg, könnten wir nach vier Monaten zumachen“, sagt auch Guido Zahn, dessen Tierschutzverein nicht Mitglied im Tierschutzbund ist. Wie dieser fordert Zahn eine kostendeckende Bezahlung. Von dem einen Euro pro Einwohner ist Bayreuth weit entfernt: Die Stadt zahlt etwa 30 Cent, der Kreis zehn Cent. Dass der Kreis eine Pauschale für alle Gemeinden entrichtet, ist allerdings gut. Das ist einfacher als mit jeder der 33 Gemeinden einzeln Verträge auszuhandeln, sagt Andreas Brucker. Er kennt Beispiele aus der Nachbarschaft, bei denen es gar nicht rosig ausschaut.

Beispiel Pfaffengrün: Pauschale der Gemeinden reicht nicht einmal fürs monatliche Futter

Zum Beispiel das Tierheim Pfaffengrün, das der Tierschutzverein SOM betreibt. SOM steht für Schwarzenbach/Saale, Oberkotzau, Münchberg und Umgebung. Beim Bau des Hundehauses in Pfaffengrün ist mittendrin das Geld ausgegangen. Der Verein erhalte von Schwarzenbach und Helmbrechts zwei Cent pro Einwohner, von Münchberg und Selbitz ein Cent. „Die 890 Euro insgesamt reichen nicht einmal einen Monat fürs Futter“, sagt Brucker. Denn das kostet etwa 1000 Euro. Mit so einem unsicheren Budget könne Pfaffengrün immer nur fürs nächste halbe Jahr planen.

Von solchen Zuständen ist Bayreuth weit entfernt. Dafür gibt es mehrere Gründe. Zwar stammt das Gebäude aus den 60er-Jahren, aber zumindest ist die Pacht für das Grundstück niedrig, das dem Bezirk gehört, sagt Vereinsvorsitzender Zahn. Auch Personalkosten, die andere Tierheime wegen des Mindestlohns nun in Schwierigkeiten bringen, sind in Bayreuth kein Thema. „Den Mindestlohn haben wir vorher schon gezahlt“, sagt Zahn. Personal- und Tierarztkosten sind in jedem Tierheim die größten Posten.

Bayreuther mögen ihr Tierheim - und spenden fleißig

Ausschlaggebend für die derzeit schwarze Null sind aber die Bayreuther. Zahn, der als Rechtsanwalt arbeitet, hat eine selbstbewusste Erklärung parat, weshalb diese sich dem Tierheim gegenüber großzügig zeigen: „Das liegt an meiner zuvorkommenden Art den Spendern gegenüber.“ Er lacht zwar, als er das sagt. Aber ein wahrer Kern steckt wohl dahinter. Schließlich steckte der Verein vor Jahren wegen interner Streitigkeiten und finanzieller Ungereimtheiten in einer tiefen Vertrauenskrise.

Heute ist die Spendenbereitschaft wieder hoch. „Wir nehmen gern und ständig Sach- und Futterspenden entgegen“, sagt Zahn. Oft geben Personen Fundkatzen ab und spendieren ihnen die Kastration. Das Tierheim hat sich zu einem beliebten Ausflugsziel gemausert. An Wochenenden ist auf dem Gelände laut Tierschutzvereins-Vorsitzendem Guido Zahn der Besucherandrang groß. Die Bayreuther suchen den Kontakt zu den Tieren, führen Hunde Gassi – wenn sie einen bekommen, sagt Zahn: „Die Hunde sind teilweise auf Wochen reserviert.“

 

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