Ersthelfer gesucht Neue App soll Leben retten

Wolfgang Hübner
Für das dezentrale Herzstillstand-Laien-Nothelfer-Netzwerk als Piloten gaben Jürgen Dippold, Thomas Ebersberger, Markus Ruckdeschel, Lisa Neumeier, Christian Porsch, Raimund Heiny, Dr. Christian Haag, Peter Maisel (von links) den Startschuss. Foto: BRK-Kreisverband

Mit der neuen App „Team Bayern Lebensretter“ wird ein Laien-Nothelfer-Netzwerk aufgebaut. Das Ziel: Bei Herz- oder Kreislaufstillständen soll das lebensgefährdende Zeitintervall verkürzt und so die Überlebenschance des Patienten erhöht werden.

Bei der Auftakt-Veranstaltung in der Speichersdorfer Sportarena am Donnerstagabend wurde vom „Team Bayern“ und dem Bayerischen Roten Kreuz der Startschuss für die neue lebensrettende digitale Funktion gegeben. Speichersdorf war für die Einführung der „Team Bayern Lebensretter“ (Ersthelfer) auserkoren worden, da die Flächengemeinde in Bayern den größten Versorgungsgrad an Defibrillatoren aufweise, so Bürgermeister Christian Porsch – in den letzten fünf Jahren waren in Zusammenarbeit von Vereinen und Gemeinde 16 öffentlich zugängliche Defibrillatoren installiert worden.

Symbolisch für die Inbetriebnahme drückten Jürgen Dippold (Landesverband BRK/Abteilungsleiter Leitstellen), Oberbürgermeister Thomas Ebersberger (Verbandsvorsitzender Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Bayreuth/Kulmbach), Markus Ruckdeschel (Kreisgeschäftsführer BRK-Bayreuth), Lisa Neumeier (Projektleitung Team Bayern), Christian Porsch (Bürgermeister), Raimund Heiny (Leitung Team Bayern), Dr. Christian Haag (Ärztlicher Leiter Rettungsdienst Bayreuth/Kulmbach) und Peter Maisel (Vorsitzender BRK Bayreuth) am Mittwoch den roten Knopf.

Die Zahl der Geretteten erhöhen

Zuvor wurde das Projekt der Öffentlichkeit präsentiert und deren Funktionsweise demonstriert. „Wir wollen mit dem heutigen Tag die Zahl der Geretteten erhöhen“, so Raimund Heiny. Mehr als 60 000 Menschen erleiden jedes Jahr in Deutschland außerhalb eines Krankenhauses einen Herzstillstand. 90 Prozent davon sterben. Nur 40 Prozent der Patienten bekommen eine Laien-Reanimation. Je kürzer die Zeit für die Reanimation, umso geringer der Schaden. Nach vier Minuten ohne Reanimation würden irreparable körperliche Schäden einsetzen, ließ Heiny Zahlen sprechen.

Ziel ist, gemeinsam mit tausenden Menschen in Bayern das therapiefreie Intervall bei Herz-/Kreislaufstillständen zu verkürzen und so Leben retten. Gestartet wurde das Pilotprojekt „Team Bayern Lebensretter“ in einem ersten Schritt für den Bereich der Integrierten Leitstelle Bayreuth/Kulmbach mit den Landkreisen Bayreuth, Kulmbach sowie der kreisfreien Stadt Bayreuth mit insgesamt knapp 250 000 Einwohnern. Weitere Leitstellengebiete sind in der Vorbereitung.

Hilfsnetzwerk aus freiwilligen Helfern

Das Bayerische Rote Kreuz und der Radiosender Bayern 3 hatten bereits 2013 mit „Team Bayern“ ein großes Hilfsnetzwerk aus ungebundenen freiwilligen Helfern eingerichtet. Damit kann beispielsweise bei Naturkatastrophen wie Hochwasser und zur Entlastung des Pflegepersonals in Pandemiezeiten ergänzend zu bestehenden Katastrophenschutz-Strukturen kurzfristig und vor allem zielführend geholfen werden, so Team-Bayern-Leiterin Lisa Neumeier. 7000 Helfer sind in dieser Plattform registriert.

Im Sinne einer schnellen und effizienten Hilfeleistung wurde das Angebot nun erweitert. In Zusammenarbeit mit vielen Helfern, so der Initiator und Promotor des Projekts, Markus Ruckdeschel, wie dem Zweckverband für Rettungsdienst- und Feuerwehralarmierung (ZRF), der ILS Bayreuth/Kulmbach und dem Bayerischen Roten Kreuz hat das „Team Bayern“ ein System zur Laienreanimation nach Vorbild des Team Österreich (ÖRK) entwickelt. Freiwillige Helfer im Netzwerk können fortan auch als sogenannte „Team Bayern Lebensretter“ noch vor dem Eintreffen des Rettungsdienstes bei einem Notfall wichtige Erste-Hilfe in Form von Wiederbelebungsmaßnahmen leisten.

Mitmachen kann jeder

Mitmachen kann jeder. Vor allem diejenigen, die ungebunden sind, aber strukturiert und organisiert helfen wollen. „Jeder, der sich das zutraut - ganz nach seinen Fähigkeiten und Einsatzmöglichkeiten“, so Lisa Neumeier. Voraussetzung ist ein neunstündiger Erste-Hilfe-Kurs nicht älter als zwei Jahre oder eine höherwertigere Ausbildung. Zum anderen natürlich Sanitäter, Rettungsdienstmitarbeiter, Betriebssanitäter, Feuerwehrleute mit entsprechender Ausbildung und Ärzte und pflegerisches Personal mit entsprechender Qualifikation.

Triebfeder sei die Vision gewesen, jeden Kreislaufstillstand innerhalb von sechs Minuten zu erreichen, so Neumeier weiter. „Das Potenzial der Menschen, die bereit sind, bei einem Kreislaufstillstand zu helfen, macht diese Vision realisierbar“, meinte sie. Neumeier verwies auf das „Erfolgsmodell Österreich“, wo der Beginn der Wiederbelebung innerhalb von sechs Minuten von zehn auf 50 Prozent gesteigert werden konnte.

Anleitung zur Herzdruckmassage

Wie läuft das ganze ab? Interessierte registrieren sich bei der „Team Bayern Lebensretter“-App. Bei einem Notfall im Umkreis von 400 Metern des Helfers wird dieser alarmiert. Der Helfer entscheidet, ob er bereit ist, zu übernehmen. Dann erhält er eine Wegbeschreibung mit den Standortdaten des Patienten und des nächstgelegenen Defis. Über die App erhält er auch eine Anleitung zur Herzdruckmassage und die richtige Taktgebung für die Reanimation. Über die App kann sich der Helfer auch mit der Leitstelle verbinden lassen und weitere Infos holen.

Die Anwendung sei sicher und datenschutzkonform, so Neumeier. Die Einsatzdaten (Notfallstelle und -adresse) würden nur die Helfer erhalten, die auch tatsächlich zum Einsatz kommen. Weitere Daten würden die ILS nicht verlassen. Die Einsätze würden auch dokumentiert und seien jederzeit nachvollziehbar. „Team Bayern kümmere sich auch um eine erforderliche Nachsorge“, so Neumeier.

 

Bilder