Ausgeklügeltes Verwertungssystem der Neandertaler
Die Studienergebnisse zeigen zudem, dass Neandertaler als Sammler und Jäger aktiv waren, die innerhalb eines reichen Seeufer-Ökosystems agierten. Der Fundort gibt Hinweise darauf, dass die Menschen Tierkörper organisiert an verschiedenen Stellen zerlegten und aus großen Säugetieren Fett in großem Maßstab gewannen.
Außerdem verzehrten sie pflanzliche Nahrung wie Haselnüsse und Eicheln. Neandertaler scheinen die Ressourcen dieses Ökosystems immer wieder genutzt zu haben und veränderten möglicherweise sogar die Landschaft durch den Einsatz von Feuer. Dazu sind sie wahrscheinlich in größeren sozialen Gruppen organisiert gewesen als bisher angenommen wurde.
„Was wir in Neumark-Nord sehen, ist kein Bild bloßen Überlebens, sondern das einer Population, die ihre Umwelt verstand und über einen Zeitraum von mindestens 2500 Jahren aktiv und auf komplexe Weise mit ihr interagierte“, erläutert Sabine Gaudzinski-Windheuser, Professorin für vor- und frühgeschichtliche Archäologie.
War Neumark die Heimat der Elefanten?
Zumindest einige der männlichen Elefanten, die in Neumark entdeckt wurden, verbrachten einen Teil ihrer Adoleszenz und ihres frühen Erwachsenenalters außerhalb der Neumarker Seenlandschaft
Ob Neumark ein Anziehungspunkt für Elefanten aus verschiedenen Regionen gewesen war, die sich hier versammelten, oder ob das Gebiet um Neumark die Heimatpopulation von Elefanten darstellte, deren Individuen das Gebiet zeitweise verließen, ließe sich allein anhand von Isotopen nicht bestimmen, betont Ko-Autor Thomas Tütken von der Arbeitsgruppe für Angewandte und Analytische Paläontologie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.