IW-Studie Bayreuth kommt am besten durch die Pandemie

Wieder mal ein Ranking, aber eines, bei dem die Stadt Bayreuth am besten in Oberfranken abschneidet. Forscher untersuchten, wie Städte und Landkreise durch die Pandemie gekommen sind.

Wie hat die Corona-Pandemie bisher die Entwicklung einzelner Regionen in Deutschland beeinflusst? Wo gab es Rückschläge, wo wurden positive Kräfte freigesetzt, die die Attraktivität von Regionen steigern können? Eine Untersuchung des renommierten Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln hat auch für Oberfranken überraschende Ergebnisse gebracht. Eindeutiger Gewinner im Bezirk ist die Stadt Bayreuth.

Rankings, also Vergleiche von Regionen nach bestimmten Kennzahlen, gab es in den vergangenen Jahren viele. Neu an dem in diesem Juni veröffentlichten IW-Regionalranking ist, dass nicht nur untersucht wird, wie erfolgreich die 400 deutschen kreisfreien Städte und Landkreise gerade sind, sondern auch, wie erfolgreich sie durch die Pandemiejahre gekommen sind. Corona habe durch Einschränkungen des öffentlichen Lebens und Auswirkungen auf die Lieferketten die Wirtschaft vor große Herausforderungen gestellt, viele Branchen hart getroffen, gleichzeitig die Digitalisierung beschleunigt, heißt es in der Studie. Den „Erfolg“ einer Region messen die Autoren an den Faktoren Lebensqualität, Wirtschaftsstruktur und Arbeitsmarkt.

Coburg mit höchstem Niveau

Wenig überraschend schneidet beim Niveauranking, also dem Vergleich der aktuellen Wirtschaftsstärke von Regionen, die Stadt Coburg in Oberfranken mit einem bundesweiten siebten Platz am besten ab – vor dem Landkreis Forchheim als 40. Im vorderen Viertel sind auch die Landkreise Kulmbach und Lichtenfels zu finden, während die Stadt Bayreuth noch hinter dem Landkreis Bayreuth in der schwächeren Hälfte auf Platz 212 landet. Abwanderungsbewegungen von Menschen zwischen 25 und 50 Jahren im Jahr 2020, die Entwicklung bei Gewerbean- und abmeldungen und eine vergleichsweise niedrige Beschäftigungsrate von Frauen ziehen das Gesamtergebnis für Bayreuth herunter.

Aufwärts in Bayreuth

Anders sieht es aber aus, wenn man den Blick vom Ist-Stand weg auf die Entwicklung der Kennzahlen im Vergleich zur Vor-Pandemiezeit 2018 richtet. Nirgendwo in Oberfranken geht der Trend zwischen 2018/19 und 2020/21 so steil nach oben wie in der Stadt Bayreuth: Mit Platz 31 unter den 400 Städten und Gemeinden in Deutschland im Dynamikranking lässt die Wagnerstadt die anderen Städte und Landkreisen im Bezirk weit hinter sich. Die Stadt Coburg bringt es als nächstplazierte Region nur auf den bundesweiten Rang 106. Besser als Bayreuth schneiden in Bayern nur der Landkreis Tirschenreuth (bundesweit Rang zwei) sowie Erlangen, Straubing und Kempten ab.

Hoch qualifizierte Jobs

Positiv für die Stadt Bayreuth bei der Beurteilung der Dynamik wirken sich vor allem aus: die deutlich steigenden Anteile hoch qualifizierter Beschäftigter und Beschäftigter in wissensintensiven Dienstleistungen unter den Arbeitnehmern, der steigende Anteil von Frauen unter den Beschäftigten (wenngleich auf niedrigem Niveau), die Entwicklung der städtischen Steuerkraft und die zunehmende Arztdichte. Die weiter hohe Abwanderungsrate von Menschen im Alter zwischen 25 und 50 Jahren und die Entwicklung im Gewerbe verhindern ein noch besseres Abschneiden der Stadt Bayreuth bei der Dynamikbewertung.

Dass die aktuell erfolgreichste Region in Deutschland nicht automatisch auch am besten durch die Pandemie gekommen ist, zeigt ein Blick auf den Landkreis München. Der Bundessieger im IW-Niveauranking landet beim Dynamikvergleich glanzlos im Mittelfeld auf Platz 194.

Kennzahlen für Niveau und Dynamik

Für das Ranking untersuchten die Autoren der Studie die drei Bereiche Lebensqualität, Wirtschaftsstruktur und Arbeitsmarkt. Im Bereich Lebensqualität wurden als Indikatoren berücksichtigt der Anteil der Straftaten, die private Überschuldung der Bevölkerung, der Anteil an naturnaher Fläche, Zu- und Abwanderung von 25- bis 50-Jährigen, Ärztedichte und die Zahl von Baugenehmigungen.

Zur Messung der Wirtschaftsstruktur wurden herangezogen An- und Abmeldungen von Gewerbe, gemeindliche Steuerkraft, Gewerbesteuersätze, und der Anteil Beschäftigter in wissensintensiven Dienstleistungen. Im Bereich Arbeitsmarkt wurden verwendet die Kennzahlen Altersquotient der Beschäftigten, Anteil hochqualifizierter Beschäftigter und Beschäftigtenanteil von Frauen.

Für das Ranking am stärksten gewichtet wurde der Faktor Lebensqualität, am schwächsten der Arbeitsmarkt. Im Niveauvergleich wurde der Stand 2020/21 herangezogen, im Dynamikvergleich die Entwicklung seit 2018/19.

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