Irene und Patrick Völkel brauchen Hilfe – Krankenversicherung beruft sich auf das Gesetz Drillingseltern klagen AOK an

Von Katharina Wojczenko und Frank Schmälzle

Patrick Völkel ist glücklich. Am 26. Januar hat seine Frau Irene Drillinge geboren. Selina, Florian und Daniel sind gesund, munter und - weil es drei auf einmal sind - auch ziemlich anstrengend. Eines überschattet das Glück der jungen Familie aus Bayreuth allerdings: ein handfester Streit mit ihrer Krankenversicherung. Die will eine Haushaltshilfe für die Drillingsfamilie Völkel erst bezahlen, wenn die Mutter nicht mehr kann. Wenn sich ihr Zustand verschlechtert, oder sie krank wird. Einig werden sich Patrick Völkel und die AOK nicht. Trotzdem hat diese Geschichte ein Happy End.

Selina, Florian und Daniel sind das ganze Glück von Irene und Patrick Völkel. Doch die Drillingseltern brauchen Hilfe. Dafür haben sie gekämpft – und sie von unerwarteter Seite auch bekommen. Foto: Ronald Wittek Foto: red

Auf Facebook hat Patrick Völkel seinem Ärger Luft gemacht. Nach seiner kurzen Babypause muss er wieder arbeiten gehen. Seine Frau mit drei Säuglingen allein lassen? Das will der 25-jährige Papa nicht. Auf einem ärztlichen Attest steht: „Zur Vorbeugung einer Überforderung der Mutter, halten wir eine Haushaltshilfe fünfmal in der Woche für sechs Stunden für angemessen.“ Die AOK hält aber gerade das für nicht angemessen. Und lehnt es ab, für die Haushaltshilfe zu bezahlen. „Frechheit“, schreibt Patrick Voelkel auf Facebook. Seine Veröffentlichung wird 16000mal geteilt, er bekommt mehr als 400 persönliche Nachrichten. Fast alle positiv.

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Krankenkasse sieht die Voraussetzungen nicht erfüllt

Warum zahlt die AOK Bayern nicht? „Wir leisten Haushaltshilfe nicht nur im gesetzlichen geforderten Rahmen, sondern erbringen darüber hinaus freiwillige Leistungen zur Weiterführung des Haushalts“, sagt Pressesprecherin Vedrana Romanovic. Für diese zusätzlichen Leistungen müssten jedoch besondere Voraussetzungen erfüllt sein. Konkret eine akute und schwere Erkrankung oder eine akute Verschlimmerung, die eine Weiterführung des Haushalts unmöglich macht. Romanovic: „Dazu wird jeder Einzelfall genau geprüft. Laut Gutachten des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung sind bei Familie Völkel die medizinisch notwendigen Voraussetzungen nicht erfüllt.“ Die AOK Bayern könne daher die Kosten für eine Haushaltshilfe nicht übernehmen. Das gebe das Gesetz nicht her.

Das steht im Gesetz

Im Gesetz steht: Haushaltshilfen bezahlt die Krankenversicherung bei Krankenhausaufenthalten, wenn sie schwer krank werden oder wegen akuter Verschlimmerung einer Krankheit, nach einer ambulanten Operation oder nach einer ambulanten Krankenhausbehandlung, wenn sie den Haushalt alleine nicht schaffen. Längstens jedoch für die Dauer von vier Wochen.

Es muss also erst etwas passieren. Erst muss seine Frau krank werden, bevor die AOK die Haushaltshilfe zahlt. So sieht das Patrick Völkel. Und er sagt: Die AOK argumentiert mit Halbwahrheiten. Tatsächlich sei die Begründung der Krankenkasse, warum sie nicht zahlt, durch Absatz eins des Paragrafen 38 Sozialgesetzbuches gedeckt. Aber schon im Absatz zwei stehe: Die Krankenkasse hat Ermessensspielraum. Sie kann, wenn sie will. Meint jedenfalls Völkel. Stattdessen aber nehme sie der jungen Familie die Chance, zu reagieren. Am Mittwoch vor Ostern lag die Absage der AOK im Briefkasten. Da stand eine Haushaltshilfe schon in den Startlöchern. Und Patrick Völkels erster Arbeitstag, der Dienstag nach Ostern, stand fest. „Wir konnten nicht reagieren.“

Ein Brief hat geholfen

Und jetzt? Die Völkels setzen sich hin und schreiben einen Brief an die Bayreuther Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe. Dann, sagt der junge Papa, geht alles ganz schnell. Mitarbeiter des Jugendamtes rufen an, kommen vorbei. Bringen Kollegen von Koki mit, dem Netzwerk frühe Kindheit, das vom Bayerischen Familienministerium finanziert wird. Nicht am Dienstag nach Ostern, aber zwei Tage später kommt die Haushaltshilfe zum ersten Mal zur Familie Völkel. Zuerst sollte sie an drei Tagen in der Woche für zwei Stunden kommen, jetzt sind es bereits fünf Tage. „Das Jugendamt hat sehr schnell geholfen“, sagt Patrick Völkel. „Und meine Schwiegermutter unterstützt uns. Zurzeit kommen wir über die Runden.“

Familienvater sagt:Es muss erst etwas passieren

Patrick Völkel hat anderes zu tun, als den Streit mit der AOK fortzuführen. Eines aber bleibt: Dass die Situation in Familien wie seiner erst eskalieren soll, bevor die Krankenkasse hilft, das geht ihm nicht in den Kopf.