Auch heute gibt es noch Iranerinnen und Iraner, die den Krieg gutheißen. Doch im Land überwiegen Desillusionierung und Zweifel. Mehran (34) gehörte zu denjenigen, die anfangs an einen schnellen Machtwechsel geglaubt haben. "Die meisten aus meinem Umfeld haben keine Hoffnung mehr", sagt er heute. "In diesen Tagen sieht man überall Bilder von zerstörten Wohnhäusern. Für die Tötung einer einzelnen Person wird ein Wohngebiet zerstört", klagt er. "Bei all den vielen Opfern kann doch niemand mehr den Krieg unterstützen."
Experte spricht von Fehlkalkulation
Der Iran-Experte Sydiq sieht widersprüchliche Signale in den von Israel und den USA formulierten Kriegszielen. "Das allein spricht für eine Fehlkalkulation, weil Kriege in der Regel eine Strategie benötigen, um militärische Erfolge auch in politische Siege zu verwandeln." Das sei bislang nicht erkennbar, auch nicht nach einem Monat der Angriffe.
Zugleich verschärfe sich die innenpolitische Lage. "Im Kriegszustand ist viel weniger Raum, auch für zivilgesellschaftliche Kräfte." Von einer Militärdiktatur will Sydiq dennoch nicht sprechen. "Da muss man abwarten, wie die Kräfteverhältnisse sind, wenn der Krieg vorbei ist."