Wie Oliver Hempfling, Leiter der Koordinierungsgruppe Corona am Kulmbacher Landratsamt, am Sonntagvormittag gegenüber unserer Zeitung sagte, seien allein von Samstag auf Sonntag 17 neue Fälle bestätigt worden. Als der Krisenstab um 15 Uhr Bilanz zog, war die Zahl der neuen Fälle auf 29 geklettert. Damit überstieg die Kulmbacher Region den kritischen Schwellenwert von 50 in der 7-Tage-Inzidenz deutlich.

Die Inzidenz in Kulmbach lag, Stand Sonntagnachmittag, bei 88,03. Wegen der sich zuspitzenden Lage im Landkreis hat es am Sonntagnachmittag eine Konferenz des Krisenstabs im Landratsamt gegeben. Daran hat auch Landrat Klaus Peter Söllner teilgenommen. Am Kulmbacher Gesundheitsamt hatten laut Hempfling zahlreiche Mitarbeiter bereits am frühen Sonntagmorgen damit begonnen, Kontaktpersonen der neu Infizierten zu ermitteln und Tests zu organisieren.

Breit gestreute Infektionen

In einer ersten Überprüfung kann der sprunghafte Anstieg der Infektionsfälle keinen bestimmten Herden zugeordnet werden, sagt Hempfling. Die Infektionen seien breit gestreut. Etliche positive Fälle seien nach Abstrichen in Hausarztpraxen aufgedeckt worden, weil Patienten mit Symptomen getestet wurden. In anderen Fällen seien Covid-19-Infektionen im Rahmen der Überprüfung von Kontaktpersonen festgestellt worden.

Fakt ist: Die Fallzahlen sind rasant gestiegen. Am Donnerstagnachmittag hatte der Landkreis die Ampelstufe Gelb erstmals überschritten und einen Inzidenzwert von 39,12 erreicht. Am Freitagabend war dann klar: Etliche neue Fälle hatten die Situation nochmals verschärft. Die 7-Tage-Inzidenz, die angibt, wie viele Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen festgestellt werden, kletterte auf 49,91. 40 Menschen im Landkreis Kulmbach waren zu der Zeit infiziert, 35 davon fielen in die 7-Tage-Frist. Welche weitreichenden Folgen diese Infektionsfälle haben, zeigte am Freitag auch die Zahl der Menschen, die im Landkreis Kulmbach derzeit in Quarantäne sind: Die Rekordzahl von 658 Personen ist derzeit gezwungen, zu Hause zu bleiben, die meisten davon, weil sie als Kontaktpersonen der Kategorie I gelten.

Zu wenig Lehrkräfte

Bereits am Freitag hat das Kulmbacher Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasium bekanntgegeben, dass die Schule noch eine weitere Woche ganz geschlossen bleibt. Am MGF hatte es mehrere positive Fälle gegeben. Zahlreiche Klassen mussten in Quarantäne geschickt werden. Nachdem auch zwei Lehrer, darunter Direktor Horst Pfadenhauer, positiv getestet wurden, hat das Gymnasium nicht mehr genügend Lehrkräfte, um für die nicht in Quarantäne geschickten Schülerinnen und Schüler einen Präsenzunterricht zu gewährleisten. "Das MGF bleibt auch in der Woche vor den Herbstferien geschlossen", teilte Horst Pfadenhauer in einer Information für Schüler und Eltern mit. "Der Unterricht muss deshalb weiter in digitaler Form durchgeführt werden."

Die Ergebnisse weiterer Reihentestungen haben laut MGF zusätzlich fünf positive Corona-Fälle zutage gebracht. Das habe die Zahl der Kontaktpersonen der ersten Kategorie in den betroffenen Klassen und Kursen weiter stark ansteigen lassen, darunter auch zahlreiche Lehrer. "Deshalb stehen uns für die Aufrechterhaltung eines auch nur partiellen Präsenzunterrichts ab Montag leider einfach zu wenig Lehrkräfte zur Verfügung", erläutert der Direktor. Ein ordentlicher Unterricht sei unter diesen Umständen ausgeschlossen.

Gesamte Schulleitung in Quarantäne

Die Situation an dem Kulmbacher Gymnasium verschärfe sich noch dadurch, dass die gesamte Schulleitung, einschließlich des Sekretariats, der Vertretungsplanung und sogar der Systembetreuung weiterhin in Quarantäne sind. Mit diesem angeschlagenen Personalstab gleichzeitig Online-Unterricht und Präsenzunterricht zu bieten sei unmöglich. Horst Pfadenhauer weiter: "Seit Beginn des Lockdowns am Dienstag vergangener Woche am MGF hat unsere Organisationsabteilung versucht, einen Notstundenplan zumindest für die Unterstufe und für die nicht betroffenen Klassen und Kurse zu erstellen. Diese Absicht wurde jedoch durch das stark zunehmende Infektionsgeschehen konterkariert, sodass sich einfach keine Planungssicherheit für die kommende Schulwoche ergeben hat."

In die Entscheidung, die Schule weiter geschlossen zu halten, sei auch das Gesundheitsamt mit eingebunden gewesen, heißt es in der Mitteilung des MGF. "Mit dieser für uns alle jetzt doch sehr schmerzhaften weitergehenden Maßnahme hoffen wir als Verantwortliche, die Infektionsketten nachhaltig zu unterbrechen." Das Gymnasium plant nun, vorausgesetzt die Lage macht das dann möglich, den normalen Schulbetrieb nach den Herbstferien am Montag, 9. November, wieder aufzunehmen.

Horst Pfadenhauer bittet, diese Entscheidung vor den "zwingenden Notwendigkeiten der augenblicklichen Situation" zu akzeptieren. Mit einem dringenden Appell verabschiedet sich Horst Pfadenhauer, der selbst nicht nur infiziert, sondern erkrankt ist, am Ende seines Briefes an Schüler und Eltern: "Vor dem Hintergrund der Ernsthaftigkeit des Infektionsgeschehens der letzten Tage können wir Euch und Sie alle nur nachdrücklich darum bitten, alle Kontakte - auch ohne Quarantänevorgaben - soweit wie möglich zu reduzieren. Für unsere von Covid 19 betroffenen Schülerinnen und Schüler hoffen wir alle auf einen unkomplizierten Verlauf der Infektion und wünschen ihnen alles Gute."


Jetzt gelten verschärfte Regeln

Mit dem Umschalten der Corona-Ampel auf Rot sind verschärfte Regeln verbunden: Maximal zwei Hausstände oder fünf Personen dürfen sich privat und im öffentlichen Raum treffen. Im Unterricht gilt an allen Schulen auch im Unterricht Maskenpflicht.

Ab 22 Uhr ist für die Gastronomie Sperrstunde. Ausnahme: Speisen und nicht alkoholische Getränke zum Mitnehmen dürfen abgegeben werden. Außerdem gilt zwischen 22 Uhr und 6 Uhr morgens ein Alkoholverkaufsverbot an Tankstellen und bei Lieferdiensten. Auf öffentlichen Plätzen darf während der Sperrstunden kein Alkohol getrunken werden.

Überall da, wo Menschen dichter und länger zusammen sind, gilt Maskenpflicht! Beispielsweise auf stark frequentierten öffentlichen Plätzen, in öffentlichen Gebäuden, Arbeitsstätten (insbesondere in Fahrstühlen, Fluren, Kantinen und Eingängen; Gleiches gilt für den Arbeitsplatz, soweit der Mindestabstand von 1,5 m nicht zuverlässig eingehalten werden kann), Freizeiteinrichtungen, Kulturstätten oder bei Tagungen.

Die Einschränkungen der Stufe Rot für den Landkreis Kulmbach gelten von Montag an und werden nicht wieder aufgehoben, sobald der Grenzwert erstmals unterschritten wird. Die Regeln bleiben in Kraft, bis die Werte im Kulmbacher Land sieben Tage in Folge unter dem Grenzwert 50 liegen.