Mia-Sophie lächelt ihr pausbäckiges Kleinkinder-Lächeln. Zwei Zähnchen spitzen keck zwischen den Lippen hervor. Die Augen glänzen. Doch so wird es nie wieder sein. Die Dreijährige hat am Samstagnachmittag bei einem Brand in der Helmbrechtser Hochstraße ihr Leben verloren. Die Feuerwehr konnte das Kind nicht mehr retten. Als Atemschutzträger der Feuerwehr seinen Körper gefunden hatten, konnte der Notarzt nur noch den Tod feststellen.

Das Foto von Mia-Sophie ist am Montagmorgen auf „Bild.de“ online gegangen. Denn: Ein Reporter der Zeitung hat sich mit ihrem Vater Michael S. unterhalten. Was der 27-Jährige dabei schildert, wirft ein neues Licht auf die Tragödie. Was in Helmbrechts bereits als Gerücht die Runde gemacht hatte und viele Kommentatoren in den sozialen Medien bereits vermuteten, scheint sich zu bestätigen: Offenbar waren die Eltern, als der Dachstuhl des Hauses, das die Familie wohl komplett gemietet hat, Feuer gefangen hatte, nicht zu Hause, sondern beim Einkaufen.

Mit dem Bruder auf dem Dachboden gespielt

Ein Kumpel von der Feuerwehr habe ihn über den Brand informiert, berichtet S. der „Bild“-Zeitung. Sofort seien er, seine Frau Sarah (36) und Sohn (9) wieder nach Hause gefahren. „Als wir angekommen sind, habe ich unseren Haushalt schon in Flammen gesehen.“ Mia-Sophie hatte, als der Brand ausgebrochen war, nach „Bild“-Informationen mit ihrem sechsjährigen Bruder in einem der Abteile auf dem Dachboden gespielt. „Das war ihr Spielzimmer“, erklärt der Familienvater.

 Sein sechsjähriger Sohn, der sich mit einer weiteren Schwester aus dem brennenden Haus retten konnte, habe ihm erzählt, dass das Feuer plötzlich „aus der Wand geschossen“ sei. Als Brandursache vermutet der Vater offenliegende Stromkabel im benachbarten, seinen Angaben zufolge verschlossenen Dachboden-Abteil. Brandmelder habe es in dem Mehrfamilienhaus nicht gegeben. S. vermutet, dass sich seine Tochter vor Angst in einer Holztruhe versteckt habe und deshalb zunächst nicht zu finden gewesen sei.

Verabschieden konnten sich die Eltern, wie „Bild“ schreibt, bislang noch nicht von Mia-Sophie: Die Obduktion habe am Montag in der Rechtsmedizin Erlangen stattgefunden. Michael S. hatte zunächst auf eigene Faust versucht, seine Tochter vor dem Feuertod zu retten. „Ich bin sofort hoch in die Wohnung“, berichtet er im „Bild“-Interview. Die Einsatzkräfte hätten ihn allerdings gleich nach unten ins Freie befördert. Um den Familienvater zu schützen, mussten Kräfte von Polizei und Feuerwehr ihn am Boden festhalten und fesseln.

"Behandelt wie ein Schwerverbrecher"

Das macht Michael S. den Helfern nun zum Vorwurf: „Ich wurde behandelt wie ein Schwerverbrecher“, sagt er. „Mein Leben ist vollkommen egal, solange das Leben meiner Kinder gesichert ist. Aber man kann das nicht nachvollziehen, wenn man die Situation nicht selbst erlebt hat.“ Für ihn habe in diesem Moment nur eines gezählt: „Kopf aus und durch die Wand.“ Nun mache er sich Vorwürfe, weil er seiner Tochter nicht habe helfen können.

Auch nachdem Michael und Sarah S. am Samstagabend die Botschaft vom Tod ihrer Tochter erhalten hatten, verhielt sich der Familienvater den Einsatzkräften gegenüber aggressiv. Er baute sich vor den Feuerwehrleuten auf und warf ihnen vor, versagt zu haben. „Ist das dein scheiß Ernst? Drei Stunden habt ihr gesucht und jetzt ist meine Tochter tot“, schrie er einem Feuerwehrmann entgegen, bevor seine Wut langsam der Trauer wich.

Eine Anfrage unserer Zeitung ließ Michael S. bis zum Redaktionsschluss unbeantwortet. Auch das Polizeipräsidium Oberfranken wollte sich am Montag noch nicht weiter äußern. Pressesprecherin Franziska Schramm verweist auf die noch laufenden Ermittlungen. „Ich kann aktuell keine Aussagen dazu treffen, was der Vater in der ‚Bild‘-Zeitung äußert. Das wären aktuell reine Mutmaßungen.“

Dass die Polizei nun wegen einer Verletzung der Aufsichtspflicht ermittelt, möchte sie auf Nachfrage nicht bestätigen. Auch die Brandursache ist von offizieller Seite weiterhin unklar.

Bereits wenige Stunden nach der Tragödie waren die Eltern in den Kommentarspalten der sozialen Medien aktiv, bedankten sich für Beileidsbekundungen und baten um Sachspenden. Sie haben nicht nur ihre Tochter in den Flammen verloren, sondern auch ihr Hab und Gut.

Aktuell ist Familie S. bei Freunden untergekommen. In Helmbrechts laufen Spendenaktionen für die nun Obdachlosen.