Ex-Schulleiterin Gesamtschule Hollfeld stärkt ländlichen Raum

Christiana Scharfenberg

HOLLFELD. Die Staatliche Gesamtschule Hollfeld hat für den ländlichen Raum viele Vorteile. Das betonte die scheidende Schulleiterin Christiana Scharfenberg (63) im Interview mit unserer Zeitung. Und: Sie wünscht sich ein eigenständiges Abitur in der Gesamtschule.

Frau Scharfenberg, bei Ihrem Abschied am Montag gab es von allen Festrednern ein dickes Lob für Ihre Arbeit. Ein schönes Abschiedsgeschenk.

Christiana Scharfenberg: Allerdings, das hat mich sehr gefreut. Ich bin mit dem Herzen bei den Menschen, und das hat man auch gespürt.

Was bedeutet die Staatliche Gesamtschule für den Standort Hollfeld?

Scharfenberg: Ganz viel. Wir decken im ländlichen Raum alle Schularten ab. Müssten die Schüler in andere umliegende Städte, würde das relativ lange Busfahrten und mehr Aufwand bedeuten. Wir haben derzeit knapp 1000 Schüler und 100 Lehrerinnen und Lehrer. Ab dem neuen Schuljahr im September wird die Zahl der Schüler ein bisschen steigen. So werden wir in den fünften Klassen sieben Züge haben. Auch die kommenden zehn Jahre wird die Gesamtschule wachsen.

Nennen Sie doch kurz die Vorteile der Staatlichen Gesamtschule, die die einzige ihrer Art in Bayern ist?

Scharfenberg: Für die Stadt Hollfeld hat die Gesamtschule den Vorteil, dass die Schüler ortsnah unterrichtet werden können. Die nächsten Gymnasien befinden sich in Bamberg, Bayreuth, Ebermannstadt und Kulmbach, die nächsten Realschulen in Scheßlitz, Ebermannstadt, Bayreuth und Bamberg. Den Schülern bleiben lange Wege erspart. Die Gesamtschule ist ein Standortfaktor für Hollfeld, auch wirtschaftlich spielt das eine Rolle. Die Kinder und Jugendlichen können bei uns eigenverantwortlich lernen und arbeiten, werden individuell gefördert. Die Durchlässigkeit in der Orientierungsstufe ist sehr hoch. Man kann problemlos von der Mittelschule in die Realschule und dann ins Gymnasium aufsteigen. Der Vorteil: Man bleibt in einer Schule, kennt die Lehrer, die Mitschüler und die Infrastruktur.

Wie funktioniert die individuelle Förderung konkret?

Scharfenberg: Bei uns gibt es individuelles Lernen. Zum Beispiel in der fünften Jahrgangsstufe, wo im Fach Deutsch bestimmte Lerneinheiten mit Hilfe von Arbeitsblättern durchgenommen werden. Jeder Schüler kann sich das Arbeitsblatt auswählen, das seinem Wissensstand entspricht. Das bedeutet weniger Frust und weniger schlechte Noten für die Schüler. Das gleiche Vorgehen gibt es auch in den Fächern Biologie, Mathematik und Religion. Das Motto lautet: Eigenverantwortliches Arbeiten und Lernen.

Würde man Mittelschule, Realschule und Gymnasium jeweils in eigenen Gebäuden unterbringen, wäre das sicher viel teurer.

Scharfenberg: Ja, die Gesamtschule ist ein Sparmodell. Das große Zauberwort heißt Synergien: Wir bieten viel, was Kinder andernorts in Mittelschule, Realschule oder Gymnasium nicht haben. Bei uns sind die Schulpsychologin und die Sozialpädagogen für alle da. Würde man die drei Schulen getrennt voneinander unterbringen, bräuchte man auch drei Turnhallen und jeweils eine eigene Infrastruktur.

Landrat Hermann Hübner hatte bei Ihrer Verabschiedung Bayerns Kultusminister Michael Piazolo eingeladen, die Gesamtschule zu besuchen. Wird der Minister kommen?

Scharfenberg: Es wäre gut, wenn der Kultusminister kommen würde, denn so könnte er sich einen eigenen Eindruck von unserer Arbeit machen. Hie und da hört man, dass das Bild der Gesamtschule aus Münchner Sicht negativ ist. Bislang waren zwei bayerische Kultusminister zu Besuch in der Schule: Hans Maier war bei der Einweihung im April 1978 zu Gast, später dann Monika Hohlmeier. Ein weiterer Besuch wäre schon eine Wertschätzung der Schule der besonderen Art, wie der Zusatz zur Staatlichen Gesamtschule Hollfeld lautet.

Was bedeutet das seltsam anmutende Vorgehen, dass man in Hollfeld das Abitur ablegen kann, die Zeugnisse aber vom Graf-Münster-Gymnasium in Bayreuth ausgestellt werden?

Scharfenberg: Auf dem Papier sind Lehrer und Schüler der Oberstufe der Gesamtschule an das Graf-Münster-Gymnasium abgeordnet. Die Abiturprüfungen und die Korrekturen finden in Hollfeld statt, die Zeugnisse werden aber vom Graf-Münster-Gymnasium ausgestellt. Den Jugendlichen ist das egal, wichtig für sie ist, das Abitur zu bekommen. Dieses Jahr hatten wir 36 Abiturienten. Ein eigenständiges Abitur in der Gesamtschule wäre natürlich gut, doch das liegt in der Hand des Kultusministeriums.

Was wünschen Sie ihrer Nachfolgerin Christine Betz, die im Herbst in ihr Amt eingeführt wird?

Scharfenberg: Ich wünsche ihr eine glückliche Hand, gute Arbeitsbedingungen, dass sie auf dem eingeschlagenen Weg weitergehen und das Abitur bald eigenständig abgelegt werden kann. Die Voraussetzungen sind gut: In den nächsten Jahren sollen mehr als 40 Millionen Euro in die Generalsanierung und den Bau eines zweistöckigen Mint-Gebäudes für Biologie, Chemie, Physik, Informatik und Geografie investiert werden. In dem neuen Gebäude wird es Klassenräume sowie Übungs- und Lehrsäle geben, die Schüler können vernetzt lernen.

Sie hatten angekündigt, den Ruhestand in Spanien zu verbringen. Was kann man sich darunter vorstellen?

Scharfenberg: Mein Mann und ich hatten uns vor 25 Jahren ein Haus in der Nähe von Cuenca im Landesinneren gekauft, das wir inzwischen saniert haben. Wir werden in ein Dorf mit 36 Einwohnern sowie 800 Schafen und Ziegen ziehen. Das Dorf liegt auf einer Höhe von 1300 Metern. In dem Haus werden wir ein ethnologisches Museum einrichten und Gegenstände zeigen, die wir im Haus gefunden haben. Doch wir sind nicht aus der Welt: Von Cuenca aus sind es jeweils eine Stunde Fahrtzeit nach Madrid oder nach Valencia.

 

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