Interview mit Heinrich Bedford-Strohm, der zur Stadtkircheneinweihung kommt Bayreuth ist für den EKD-Chef "ein Stück Heimat"

Redaktion
Der neue EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm kommt immer wieder gerne nach Bayreuth. Unser Bild zeigt ihn bei der Landessynode im März dieses Jahres mit dem Bayreuther Dekan Hans Peetz (rechts). Foto: Harbach/Archiv Foto: red

Der neue Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, predigt bei der Wiedereinweihung der Stadtkirche am 1. Advent. Zu Bayreuth hat er enge familiäre Verbindungen. 

Bayreuth hat Glück. Eingeladen wurde der Landesbischof, jetzt kommt auch noch der EKD-Ratsvorsitzende. Wie waren die ersten Tage in der neuen Doppelfunktion?
Heinrich Bedford-Strohm: Die ersten Tage waren natürlich turbulent, zumal das Programm schon ganz unabhängig von der EKD voll war. In München hatten wir die gesamte Staatsregierung bei uns im Landeskirchenamt zu Gast, dann Landeskirchenratssitzung und der ARD-Gottesdienst zum Buß- und Bettag. Dann musste ich noch meinen Bericht vor der Landessynode in Regensburg schreiben. Aber alles ist gut geworden und es war eine umso reichere Woche.

Ihre Gefühlslage?
Bedford-Strohm: Ein starkes Gefühl des Gesegnet-Seins, große Dankbarkeit für all die lieben und herzlichen Glückwünsche, die mir viel Rückenwind für mein Amt als EKD-Ratsvorsitzender geben, und auch ein gewisser Tatendrang.

Sie haben zu Bayreuth eine besondere Beziehung?
Bedford-Strohm: Ja, mein Urgroßvater Albert Preu war Oberbürgermeister von Bayreuth bis 1933. Mein Vater ist hier aufgewachsen und hat hier Abitur gemacht. Und meine Geige, die ich sehr liebe, hat auch eine Geschichte mit Bayreuth. Ich habe sie von der Witwe meines Geigenlehrers Wilhelm Langen nach seinem Tod vermacht bekommen. Er spielte mit dieser Geige hier im Wagner-Festspielorchester mit.

Ihre Großmutter wohnte in Bayreuth bis zu ihrem Tod?
Bedford-Strohm: Ja, ich war als Kind oft bei ihr in der Beethovenstraße, manchmal eine ganze Woche. Meine Großmutter ist 97 Jahre alt geworden, deswegen habe ich sie auch als Erwachsener noch oft besucht.

In einem Satz: Bayreuth ist für Sie …
Bedford-Strohm: … ein Stück Heimat.

Sie predigen zur Wiedereinweihung der Stadtkirche. Zu welchem Thema?
Bedford-Strohm: Es geht um Jesu Einzug in Jerusalem. Wir ziehen ja nun auch in gewisser Weise neu ein in die wunderbar renovierte Stadtkirche. Ich hoffe und vertraue darauf, dass Jesus immer mit uns ist, wenn Menschen sich in dieser Kirche versammeln.

Was sind die drei wichtigsten Themen des neuen EKD-Chefs?
Bedford-Strohm: Wie können wir Menschen, vor allem junge Leute, neu für den Glauben begeistern? Wie können wir als Kirche ausstrahlen, wovon wir sprechen? Wie können wir in den öffentlich diskutierten ethischen Fragen Orientierung geben?

Kirche muss sich mehr einmischen?
Bedford-Strohm: Wenn es richtig ist, dass Gott lieben und den Nächsten lieben nie auseinandergerissen werden darf, dann ist mit dem Glauben jedenfalls immer das Engagement für andere verbunden, und das hat natürlich auch politische Dimensionen.

Sie suchen neue Wege der Glaubensvermittlung. Welche Wege meinen Sie?
Bedford-Strohm: Das Persönliche wird immer im Zentrum stehen. Deswegen ist die Seelsorge so wichtig. Aber Glauben können wir auch dadurch vermitteln, dass wir zeigen, wie wichtig es ist, dass Menschen nicht nur auf sich selbst zentriert leben, sondern sich an Werten orientieren, die über das eigene Leben hinaus gehen.

Ganz konkret?
Bedford-Strohm: Wir dürfen nicht darauf warten, dass Menschen zu uns kommen. Wir müssen in den Lebenswelten präsent sein, in denen die Menschen ihre Zeit verbringen. Dazu gehört auch das Internet. Deswegen müssen wir auch in den sozialen Netzwerken im Internet dabei sein. Das kann natürlich nie Ersatz sein für die direkte menschliche Begegnung.

Der Mitgliederrückgang kann gestoppt werden?
Bedford-Strohm: Wir sollten nicht immer auf Mitgliederzahlen starren. Sondern wir sollten einfach mit Lust und Freude Christ sein, damit gewinnen wir mehr Ausstrahlungskraft als mit angestrengten Mitgliederbindungsprogrammen.

Kirche braucht mehr Gehör und mehr Profil?
Bedford-Strohm: Wir haben jedenfalls eine klare und ungeheuer starke Botschaft. Und die werden wir auch entsprechend deutlich sagen.

Wie viel Zeit kostet das neue Amt? Ein Drittel, die Hälfte ihrer Arbeitszeit?
Bedford-Strohm: Das kann ich jetzt noch schwer sagen. Aber es könnte so halbe-halbe werden. Schon bisher hat die EKD allerdings durch meine Mitgliedschaft im Rat der EKD einen nicht unerheblichen Teil meiner Zeit bekommen.

Sie sind zunächst für ein Jahr gewählt. Dass Sie nächstes Jahr wieder antreten, gilt als sicher. Korrekt?
Bedford-Strohm: Dass Sie zwei Wochen nach meiner Wahl schon wieder nach der nächsten Wahl fragen, amüsiert mich.

Das Gespräch führte Roland Töpfer.

INFO: In einer Beilage fasst der Kurier die Sanierung der Stadtkirche zusammen und blickt in die Zukunft. Denn nach der baulichen Sanierung muss die Gemeinde jetzt einen inhaltlichen Neuanfang schaffen. Der Kurier überträgt außerdem den Festgottesdienst am Sonntag ab 10 Uhr live auf seiner Homepage.

 

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