Interview mit dem neuen Kulturreferenten Stegmayer: Wow, Bayreuth!

„Das Ziel ist, dass wir das, was an Substanz an Kultur- und Geistesgeschichte da ist, bei den Menschen erhalten.“ Bayreuths neuer Kultur- und
Tourismusreferent Benedikt M. Stegmayer an seinem Schreibtisch im Neuen Rathaus. Foto: Andreas Harbach

BAYREUTH. Seit Anfang Mai ist er im Amt. Im Kurier-Interview formuliert Bayreuths neuer Kultur- und Tourismusreferent Benedikt M. Stegmayer eine Vision: Mehr Menschen als bisher sollen an der Kultur teilhaben.

Herr Stegmayer, wie war Ihre Reaktion, als Sie die Ausschreibung der Stelle, die sie jetzt innehaben, zum ersten Mal gelesen haben?

Benedikt M. Stegmayer: Wow, Bayreuth!

Sind Sie ein Bewahrer oder stellen Sie gerne alles auf den Kopf?

Stegmayer: Bloß um ein bisschen Unruhe reinzubringen die Dinge auf den Kopf zu stellen, ist nicht sinnvoll. Wir haben in Esslingen ziemlich viel verändert, aber so, dass alle mitgegangen sind. Das ist entscheidend. Wenn man auf Konflikt aus ist, funktioniert das nicht. Dann regt sich zu Recht Widerstand. Ich möchte schon mit den Akteuren aus der Stadt gemeinsam versuchen, wo es möglich ist, Stellschrauben zu drehen, um Dinge zu optimieren.

Wie definieren Sie Ihre Stelle als Kulturreferent?

Stegmayer: Die Erwartungshaltung, mit der ich rangehe, ist, dass es um die Gesamtsteuerung der Kultur in der Stadt geht. Das betrifft alle städtischen Einrichtungen und die kulturelle Förderung. Prinzipiell gilt: Ich muss nicht versuchen, mich als Person mit einer eigenen Konzert- oder Ausstellungsreihe zu profilieren. Die Kultur insgesamt muss funktionieren. Eine wesentliche Aufgabe in der ersten Zeit ist, dass das Friedrichs-Forum, wenn es eröffnet ist, gut funktioniert.

Sehen Sie das Friedrichs-Forum als Musentempel für die sogenannte Hochkultur oder als Mehrzweck-Veranstaltungshalle?

Stegmayer: Ich fürchte, dass ein Musentempel für die Hochkultur alleine das Friedrichs-Forum nicht tragen kann. Wenn es ein Ort der kulturellen Grundversorgung sein soll, dann muss man so weit in die Breite gehen, dass man auch für alle Menschen in der Stadt ein Angebot schafft. Das bedeutet nicht, dass man mit den Qualitätsstandards runtergeht – nur wenn das Niveau stimmt, kommen die Leute. Aber dass man inhaltlich ein umfassendes Angebot zur Verfügung stellt.

Bei vielen Veranstaltungen aus den Bereichen Oper, Theater, klassische Musik scheint der Altersdurchschnitt im Publikum immer weiter zu steigen. Was kann man tun, um auch einjüngeres Publikum für diese Programme zu begeistern?

Stegmayer: Das ist tatsächlich eine wesentliche Aufgabe. Zu schauen: Wie kann man junges Publikum an die Kultur heranführen? Wie kann man die Hemmschwellen abbauen? Wie kann man das machen, ohne dass man die Inhalte verwässert? Das Ziel ist, dass wir das, was an Substanz an Kultur- und Geistesgeschichte da ist, bei den Menschen erhalten. Man muss bei Kindern und Jugendlichen anfangen. Mein Ziel ist, in allen Schulen der Stadt, in allen Pflichtschulstufen in jedem Jahr ein oder zwei Kulturereignisse als Partner zu machen. Die Schüler sollen aus den Schulen rausgehen und hinter die Kulissen schauen können. Sie sollen von einem künstlerischen Leiter oder einem Regisseur geführt werden, der ihnen Dinge zeigt und erklärt, so dass sie mit diesem Ort sofort positive Emotionen verbinden. Natürlich müssen auch die Inhalte vermittelt werden. Eine wesentliche Aufgabe in diesem Referat ist, dass man sicherstellt, dass der Bezug zu unserer Kulturgeschichte nicht verloren geht. Das ist ein Thema, das nicht direkt sichtbar ist. Die Ergebnisse sieht man vielleicht erst in zehn Jahren.

Welche Vision haben Sie für Bayreuth?

Stegmayer: Dass wir es schaffen, bei der kulturellen Teilhabe deutlich erfolgreicher zu sein, als in der Vergangenheit. Dass mehr Menschen an der Kultur teilhaben, ist eine große Vision. Das hat zunächst mit dem Inhalt wenig zu tun. Aber das ist wichtig für eine Stadt.

Welche Rolle sollte das Markgräfliche Opernhaus spielen?

Stegmayer: Wir haben ein architektonisches Juwel in der Stadt. Ich habe die Vision, dass es eine Bespielung gibt, die dem Gebäude gerecht wird und auch die entsprechende Strahlkraft hat.

Gibt es Dinge, die Sie aus Ihrer Esslinger Zeit übernehmen werden?

Stegmayer: In Esslingen habe ich mir die Förderrichtlinien für Zuschüsse genau angeschaut und sie überarbeitet. Wir haben in Esslingen eine hohe Transparenz geschaffen. Wenn das gut und transparent funktioniert, sollten alle davon profitieren. Es wird dadurch für die Stadt nicht günstiger, aber für alle Beteiligten angenehmer.

 

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