Institut schlägt Alarm In Bayreuth fehlen Senioren-Wohnungen

Die Stadt sei mit der kommenden Rentner-Generation „komplett überfordert“, so das Ergebnis einer Untersuchung des Pestel-Instituts. Das warnt auch vor Altersarmut in Bayreuth.

Die geburtenstarken Jahrgänge gehen bis spätestens 2035 in Rente. In der Stadt Bayreuth fehlten bereits jetzt massiv altersgerechte Wohnungen, so das Ergebnis einer Untersuchung des Pestel-Instituts. Foto: imago/Westend61/imago stock&people

Mit dem Alter kommen meist neue Anforderungen ans Wohnen: Mit Gehhilfe, Rollator oder Rollstuhl werden etwa breitere Türen, Rampen oder Treppenlifter nötig. Aktuell gebe es rund 40.800 Haushalte in Bayreuth. In 29 Prozent davon lebten Senioren. „Bereits heute braucht Bayreuth rund 2.700 Wohnungen für die älteren Menschen, die nicht mehr gut zu Fuß sind“, wird Matthias Günther, Chef-Ökonom des Pestel-Instituts in einer Mitteilung zu einer neuen Untersuchung zitiert. „Doch diese Seniorenwohnungen gibt der Wohnungsmarkt in Bayreuth bei weitem nicht her.“

Nach der Werbung weiterlesen

Eigentlich sei der Bedarf sogar noch höher. „Denn ein Großteil der altersgerechten Wohnungen wird noch nicht einmal von Älteren bewohnt“, sagt Günther. Oft nutzten auch Familien den Komfort einer Wohnung ohne Schwellen, mit breiten Türen, Fluren und Räumen. „Denn wo das Leben mit einem Rollator klappt, da kommt man auch mit einem Kinderwagen klar“, erklärt Günther.

„Wird sich in den nächsten Jahren enorm verschlimmern“

Damit nicht genug: Der „massive Mangel an altersgerechten Wohnungen wird sich in den nächsten Jahren noch enorm verschlimmern“, analysiert Günther. Grund sei, dass die Baby-Boomer – also die geburtenstarken Jahrgänge von etwa 1957 bis 1968 – bis im Jahr 2035 komplett in Rente gingen. Die Wissenschaftler vom Pestel-Institut warnen: „Der Wohnungsmarkt in Bayreuth ist mit der neuen Rentnergeneration der geburtenstarken Jahrgänge komplett überfordert.“

Um den Missstand zu beheben, sei neben Neubauten vor allem Sanierungsoffensive für seniorengerechten Wohnraum nötig. „Doch die ist bislang nicht in Sicht“, sagt Günther. Vor allem der Bund habe „den Kopf in den Sand gesteckt und die graue Wohnungsnot seit Jahren ignoriert“.

Was der Bund bislang ins Senioren-Wohnen investiert hat, sei „nicht mehr als der Tropfen auf den heißen Stein“, das müsse sich dringend ändern, fordert Katharina Metzger. Sie ist Präsidentin des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB), der die Regional-Untersuchung zum Senioren-Wohnen beim Pestel-Institut in Auftrag gegeben hat. Metzger fordert die bayerische SPD und die CSU auf, in Berlin auf mehr Investitionen in altersgerechten und bezahlbaren Wohnraum hinzuwirken.

„Wer schlecht wohnt, fühlt sich schlecht regiert. Wer eine horrende Miete zahlen muss oder erst gar keine Wohnung findet, die er noch irgendwie bezahlen kann, bei dem wächst Frust“, warnt Metzger. Das sei sozialer und letztlich auch demokratischer Sprengstoff.

Institut warnt vor Altersarmut in Bayreuth

Es müssten Anreize geschaffen werden, um älter werdenden Menschen möglichst frühzeitig die Möglichkeit für altersgerechte Umbauten zu geben. In rund 5200 Haushalten in Bayreuth wohnten derzeit Senioren in den eigenen vier Wänden. Das Wichtigste seien große Bäder mit einer Dusche ohne Schwellen und Stufen, betont Günther vom Pestel-Institut.

Das Institut warnt auch vor Altersarmut in Bayreuth: „Bei vielen Baby-Boomern gab es immer wieder Phasen von Arbeitslosigkeit“, sagt Günther. Außerdem hätten viele aus geburtenstarken Jahrgängen im Niedriglohn-Sektor gearbeitet. „Also gehen viele der Baby-Boomer mit einer eher kleinen Rente nach Hause“, schlussfolgert der Institutsleiter. Gleichzeitig steigen die Mieten in Bayreuth. Und: „Eine Wohnung altersgerecht zu machen, kostet Geld und schraubt die Miete nach oben“, ergänzt Günther.

Um einer drohenden breiten Altersarmut entgegenzutreten, müsste der Staat entsprechend jetzt investieren. Auch für die öffentlichen Kassen sei es in der Regel sogar deutlich günstiger, altersgerechten Wohnraum zu schaffen: „Andernfalls sind Ältere nämlich gezwungen, ins Heim zu gehen. Und die Kosten für einen Heimplatz stehen auf Dauer in keinem Verhältnis zu dem, was der Staat investieren müsste, um eine altersgerechte Wohnung zu schaffen“, so Pestel-Institutsleiter Matthias Günther. makl