Insolvenzverfahren der IHK-Akademie Oberfranken vor Abschluss Millionenschaden für Gläubiger

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Im Gebäude rechts in der Friedrich-von-Schiller-Straße 2a saß einst die ehemalige IHK-Akademie. Foto: Ronald Wittek/Archiv Foto: red

Das Insolvenzverfahren gegen die IHK-Akademie Oberfranken GmbH in Bayreuth geht seinem Ende entgegen. Gläubiger haben mehr als zehn Millionen Euro offene Forderungen angemeldet, hatte unsere Zeitung aus diesen Kreisen erfahren. Offenbar werden nur einige wenige Prozent davon aus der Insolvenzmasse zurückfließen. Auch Sparkasse und Regierung von Oberfranken müssen bluten.

Das im Februar 2008 eröffnete Insolvenzverfahren "nähert sich langsam dem Ende", berichtete Sebastian Brunner, der Pressesprecher des Insolvenzverwalters Michael Jaffe aus München, auf Anfrage. Nach Klagen des Insolvenzverwalters gegen Dritte, um Ansprüche durchzusetzen, habe ein Vergleich erzielt werden können. "Das heißt, an Gläubiger wird etwas zurückfließen", sagte Brunner. Über die Höhe der angemeldeten Forderungen gab es keine Auskünfte.

Im Sommer 2016 werde der Insolvenzverwalter seinen Abschlussbericht bei Gericht einreichen, dann werde auch die Quote, die an die Gläubiger fließt, feststehen. Das Ziel sei, dass ehemalige Mitarbeiter der IHK Akademie Zahlungen aus dem Sozialplan bekommen sollen, erläuterte Brunner.   

Regierung fordert 3,3 Millionen Euro

Die Regierung von Oberfranken habe 3,3 Millionen Euro Forderungen gegen die IHK-Akademie angemeldet, bestätigte Abteilungsdirektor Thomas Engel auf Anfrage. Dabei gehe es um die Rückforderung von Zuschüssen für das sogenannte E-Learning, das die IHK-Akademie zur Weiterbildung angeboten hatte. Wie viel Geld die Bezirksregierung  zurückbekommen wird, darüber wagte Engel keine Prognose. Die durchschnittliche Quote bei Insovenzverfahren in Deutschland liegt bei drei bis fünf Prozent der ursprünglichen Forderung. Insider gehen in dem konkreten Fall von einer Quote "maximal im höheren einstelligen Bereich" aus.

Sparkasse will 2,7 Millionen Euro

Die Regierung von Oberfranken hat nach unseren Recherchen die größte Summe aller Gläubiger angemeldet. Auf Platz zwei folgt die Sparkasse Bayreuth. Wie aus der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Hof im Prozess um die IHK-Akademie im Juli 2010 hervorging, umfasste die Kreditvergabe der Sparkasse an die 100-prozentige IHK-Tochter ein Volumen von 2,7 Millionen Euro. Die Sparkasse wollte auf Anfrage "aufgrund des Bankgeheimnisses keine Auskünfte über Forderungen an Institutionen beziehungsweise Kunden erteilen."

Zahlen Sparer die Zeche?

Die Bayreuther Stadträtin Christa Müller-Feuerstein hatte vor Jahren im Stadtrat Anfragen zur Kreditvergabe der Sparkasse, die sich im Eigentum von Stadt und Landkreis Bayreuth befindet, gestellt. Sie blieben mit Hinweis auf das Bankgeheimnis unbeantwortet. Der damalige Sparkassenchef Siegmund Schiminski saß zum Zeitpunkt der Pleite im dreiköpfigen Aufsichtsrat der IHK-Akademie. Das Nichtbeantworten der Anfragen habe ihre Skepsis "nur verstärkt", sagte Müller-Feuerstein auf Anfrage. "Mir ist es nach wie vor unverständlich, warum die damaligen Sparkassen-Verantwortlichen Kredite in solcher Höhe offenbar ohne entsprechende Sicherheiten vergeben haben", betonte Müller-Feuerstein. "Jeder Häuslebauer oder Gewerbetreibende wird vor einer Kreditvergabe gründlich geprüft, es werden ausreichende Sicherheiten verlangt. Weshalb das bei der IHK-Akademie offenbar nicht geschah, bleibt mir ein Rätsel." Sie fürchtet, dass die kleinen Sparer den millionenteuren Forderungsausfall mitbezahlen, eventuell über Gebührenerhöhungen.  

Der ehemalige Geschäftsführer und der frühere Prokurist der IHK-Akademie wurden im Juli 2010 vom Landgericht Hof wegen versuchten Betrugs in sechs Fällen zu Bewährungsstrafen von jeweils einem Jahr und zehn Monaten verurteilt. Nach der Insolvenz wurden 15 Beschäftigte direkt von der IHK übernommen, teilte Sandra Peter, Leiterin des Referats Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der IHK, auf Anfrage mit. Die neue Tochtergesellschaft ihk-lernen.gmbh habe 52 Mitarbeiter der IHK-Akademie weiter beschäftigt. Die Zahl der Kündigungen habe 14 betragen. Die IHK habe im Zuge der Insolvenz keine offenen Forderungen angemeldet, berichtete Peter.

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