Insolvenz Nach über 30 Jahren hat G-fashion kein Geld mehr

In der Modebranche laufe es generell nicht mehr so rund, sagt G-fashion. Die Bindlacher Modekette hat Insolvenz angemeldet, führt sie aber in Eigenverwaltung. Foto. Markus Roider

BINDLACH. Seit über 30 Jahren auf dem Markt; mit Filialen in Bayreuth, Bindlach, Kulmbach, Coburg, Erlangen, Regensburg, Schweinfurt und München. Nun steht G-fashion mit Hauptsitz in Bindlach vor der Insolvenz. Von zuletzt 200 Mitarbeitern sind jetzt nur noch 90 unter Vertrag.

G-fashion startete nach eigenen Angaben im Jahr 1987 mit einer klaren Mission. „Internationale Trends und die neueste Mode in einer inspirierenden Art und Weise an stilbewusste und modebegeisterte Kunden bringen“, schreibt das Unternehmen auf seiner Homepage.

Angefangen mit einem kleinen Laden, der 1987 in Bayreuth eröffnet wurde, entwickelte sich das Unternehmen zu einer Top-Adresse des bayerischen Einzelhandels. Man habe sich „bayernweit zu einer etablierten Größe im Fashion-Business“ hochgearbeitet.

Kurz nach der Eröffnung im Jahre 1987 folgte zwei Jahre später die zweite Bayreuther Filiale. In der Jahren 1994 und 1995 eröffneten die Märkte in Coburg und Bamberg, bevor 1998 der Einzug ins Bayreuther Rotmain-Center folgte. Im Jahr 2000 verlegte das Unternehmen seinen Hauptsitz nach Kulmbach und startete hier den ersten von noch vielen folgenden Lagerverkäufen.

Überregional expandiert

2005 expandierte man mit der Eröffnung in den Riem-Arcaden München erstmals überregional. Zwei Jahre später erfolgte der Einzug in die Erlangen-Arcaden, 2009 dann die Neueröffnung nach Umbau in Coburg und ein Jahr später der neue Store in Kulmbach.

2013 folgte dem in den Riem-Arcaden dann der zweite Laden in München, 2014 in Regensburg und 2015 in der Stadtgalerie Schweinfurt. Das war zugleich die letzte Filiale. Es schloss sich noch der Umbau 2017 in München Riem an, ein Jahr später wurde die Kulmbacher Filiale geschlossen.

Nach einem Homepage-Relaunch im Februar 2019 hat das Unternehmen um die Geschäftsführer Arac Orhan, Heike Goldberg und Gunther Neef dann Mitte Juli das Insolvenzverfahren beantragt. Wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung, wie das Amtsgericht mitteilt. Neef wurde zudem in seiner Eigenschaft als Rechtsanwalt zum Verfahrensbevollmächtigten ernannt.

Wie die Gesellschaft zuletzt berichtete, beschäftigte man rund 200 Mitarbeiter. Weil es in der Branche generell aber nicht mehr so gut laufe, habe man das Personal bereits mehr als halbiert. 90 Angestellte seien es derzeit noch, heißt es auf Nachfrage.

Das Insolvenzverfahren wurde bereits acht Wochen nach Antragstellung wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung zum 1. Oktober eröffnet. „In Eigenverwaltung“, teilte das Gericht mit.

Drei Gesellschaften betroffen

Betroffen sind drei Gesellschaften: Die G-fashion Goldberg GmbH, Argo Textilfacheinzelhandel GmbH und die Arac GmbH. Ebenso der zu G-fashion gehörige G-Point in Coburg. Ob weitere Entlassungen oder Filialschließungen anstehen, dazu gibt das Unternehmen bislang keine Auskunft, trotz mehrfacher Nachfrage.

Eine PR-Agentur aus München übernahm vergangene Woche die Pressearbeit des Unternehmens und teilte am Montag auf Anfrage mit, dass der Geschäftsbetrieb vorerst fortgesetzt werde. „Wir werden das Unternehmen auf die zukünftigen Herausforderungen ausrichten. Hierbei ziehen wir unter anderem auch einen strategischen Partner in Betracht“, so die Geschäftsführer Heike Goldberg und Orhan Arac.

Ein Investorenprozess, der von Michael Saatmann von der Intrion Gesellschaft für Managementberatung mbH begleitet werde, sei bereits eingeleitet, hieß es weiter.

Die Eigenverwaltung bietet dem Unternehmen Planungssicherheit und berücksichtigt gleichzeitig die Interessen der Gläubiger.

Das Unternehmen darf, unterstützt durch Sanierungsexperten und unter Aufsicht eines Sachwalters, die Gesellschaft selbst durch das Verfahren führen. Der Vorteil: Bei einem Eigenverwaltungsverfahren bleibt die Geschäftsführung des Unternehmens im Amt. In den vergangenen Wochen habe die Geschäftsführung die Kosten- und Erlösstruktur analysiert und ein Sanierungskonzept erstellt, heißt es seitens der PR-Agentur.

Gläubiger haben nun bis 4. November Zeit, ihre Ansprüche dem Sachwalter anzumelden. Hierzu wurden Ulrich Pfeifer für die Argo Textilfacheinzelhandel GmbH, Peter Roeger für die G-fashion Goldberg GmbH und Holger Christian Buehler für die Arac GmbH bestimmt.

Die drei erfahrenen Pluta-Sanierungsexperten sind mit Beschluss vom 1. Oktober als gerichtlich bestellte Sachwalter tätig und begleiten das Verfahren im Sinne der Gläubiger.


Was ist Pluta?

Pluta hilft Unternehmen in rechtlich und wirtschaftlich schwierigen Situationen. Seit der Gründung 1982 ist Pluta stetig gewachsen und beschäftigt heute mehr als 400 Mitarbeiter in Deutschland, Spanien und Italien.

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Pluta unterstützt insbesondere bei der Sanierung und Fortführung von Unternehmen in Krisen oder Insolvenzsituationen und entsendet bei Bedarf auch Sanierungsexperten in die Organstellung.

 

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