Eigenverwaltete Insolvenz Loewe muss die Notbremse ziehen

Foto: Timm Schamberger/dpa

KRONACH. Mehr Fernseher verkauft, aber wieder Millionenverluste: Der Kronacher TV-Hersteller Loewe muss wegen schlechter Geschäfte Insolvenz in Eigenverwaltung anmelden.

Loewe-Chef Ralf Vogt: "Wie in der gesamten Branche wird auch unser Geschäft durch die anhaltende Marktschwäche bei Fernsehgeräten schwer belastet.“ Mit einem Personalabbau in Kronach muss gerechnet werden.

Es gehe nun vor allem darum, Umsatzerlöse und Kostenstruktur mehr ins Gleichgewicht zu bringen, analysiert ein Insider. Gemeinsam mit neuen Partnern habe Loewe auch nach dem neuen Rückschlag gute Chancen, in veränderter Form die Zukunft zu meistern.

In einer Pressemitteilung heißt es, mit dem Insolvenzverfahren intensiviere man die Sanierung des Unternehmens in Eigenverwaltung. Nach Angaben von Vogt ist das für Loewe relevante Marktsegment in der gehobenen Preisklasse im ersten Quartal um 20 Prozent eingebrochen. "Wir haben uns deshalb entschlossen, auf diesem Weg die weitere Sanierung von Loewe im Rahmen unseres Zukunftskonzeptes zu forcieren."

Die dreimonatige Eigenverwaltung biete Unternehmen einen rechtlichen Rahmen, um sich bei laufendem Geschäftsbetrieb in enger Abstimmung mit den Gläubigern neu aufzustellen. Die unternehmerische Verantwortung bleibe in den Händen der Geschäftsführung, die die Sanierung selbst steuere. Die Geschäftsführung werde von Reiner Denzler (Kanzlei DDHW) und Sebastian Braun (Rechtsanwälte Reinhart Kober Großkinsky) unterstützt.

Geschäftsbetrieb geht weiter

Die Eigenverwaltung sei immer dann möglich, wenn Unternehmen bei wirtschaftlichen Problemen frühzeitig tätig werden und genügend Handlungsspielraum für eine Lösung bestehe. „Der Geschäftsbetrieb von Loewe geht während der Sanierung ohne Einschränkungen weiter“, so Vogt. „Wir können alle Kundenaufträge planmäßig erfüllen und werden auch unsere Lieferantenverbindlichkeiten begleichen, die während des Verfahrens entstehen.“ Die Löhne und Gehälter der gut 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien in der Sanierungsphase gesichert.

Zum vorläufigen Sachwalter hat das Gericht Rechtsanwalt Rüdiger Weiß von der bundesweit auf Unternehmenssanierung spezialisierten Kanzlei Wallner Weiß bestellt. Er überwacht den Sanierungsprozess im Interesse der Gläubiger.

„Das Loewe Management ist erst vor wenigen Wochen angetreten, die Marke und das gesamte Unternehmen wieder erfolgreich zu machen“, so Vogt. „Wir mussten jetzt erkennen, dass dies schneller und konsequenter geschehen muss, als wir das noch zum Jahresbeginn angenommen hatten.“

Neben den Partnerschaften mit dem chinesischen Unternehmen Hisense und dem koreanischen Display-Lieferanten LG Display hatte Loewe erst kürzlich eine weitreichende Kooperation mit dem japanischen Handels- und Technologieunternehmen Toyoichi bekannt gegeben und sich positiv über die Zukunft geäußert. Besonders in der Produktentwicklung will Loewe seine Kompetenz weiter ausbauen und zusammen mit Partnern wie Toyoichi auf weitere Felder übertragen. Geplant ist hier unter anderem eine gemeinsame Software-Entwicklung für Front-End-Lösungen, wie z.B. mobile Applikationen, in Indien.

Vogt kündigte einen umfassenden strukturellen und personellen Umbau und eine Verschlankung des gesamten Unternehmens an.

Immer wieder hohe Verluste

Die Loewe-Bilanzen wiesen in den letzten Jahren immer wieder hohe Verluste aus. Im Geschäftsjahr 2017 verbuchte das Unternehmen trotz einer deutlichen Umsatzsteigerung einen Konzernverlust von 4,5 Millionen Euro. Mark Hüsges, der früherer Geschäftsführer und Gesellschafter, hat das Unternehmen mittlerweile an die Beteiligungsgesellschaft Clearsight Investment AG weitergereicht. Ralf Vogt führt nun als Vorsitzender der Geschäftsführung das Unternehmen. Vogt ist seit 2001 bei Loewe, war zuletzt Einkaufschef und seit Juni 2017 Geschäftsführer Technik. 

Loewe, im Jahr 2013 vom Münchner Beteiligungsunternehmen Stargate Capital übernommen, konnte den Umsatz 2017 auf 160 (Vorjahr 142,6) Millionen Euro steigern, schaffte aber wieder keine Gewinne. Die Zahl der verkauften Fernsehgeräte stieg von knapp 126 000 auf über 143 000. Im Audio-Bereich gab es einen Rückgang auf 3647 (3864) Einheiten.

Weit über die Hälfte des Umsatzes macht Loewe in Deutschland. Der Anteil stieg von 57,7 auf 63,4 Prozent. Die Verluste drücken aufs Eigenkapital: die Quote sank von 30,3 auf 27,3 Prozent.

Einen Anstieg auf 560 (529) gab es bei den Beschäftigten.

Laut Geschäftsbericht 2017 erfolgt die Finanzierung von Loewe im Wesentlichen durch ein im Juli 2015 aufgenommenes langfristiges fondsfinanziertes Darlehen mit einem Gesamtvolumen von 25,5 Mio. Euro und einer Laufzeit von fünf Jahren. Eine Factoring-Finanzierung mit einem Volumen bis 25 Mio. Euro sei Ende 2017 mit knapp 18 Mio. beansprucht gewesen. Die Factoring Finanzierung ist bankenunabhängig. Forderungen werden vor Fälligkeit an ein Factoring Institut verkauft, um die   Liquidität zu steigern.

Loewe habe gute Chancen, weiter deutlich zu wachsen, hieß es damals weiter. Große Potenziale gebe es in China, den USA und Russland. Sowohl in China als auch in den USA seien die Gespräche mit neuen Distributoren weit vorangeschritten. Für 2018 wurde ein annähernd ausgeglichenes operatives Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) in Aussicht gestellt. Die genauen Zahlen wurden bis heute nicht veröffentlicht. 

 

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