Insolvenz Loewe droht das endgültige Aus

Protest vor den Werkstoren: Die Loewe-Mitarbeiter demonstrierten am Dienstag für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze. Foto: Philip Herr

KRONACH. Loewe-Chef Ralf Vogt hat am Dienstag nach einer Sitzung des Gläubigerausschusses erklärt: „Wir sind aus insolvenzrechtlichen Gründen zum Schutz unserer Gläubiger verpflichtet, den Geschäftsbetrieb voraussichtlich zum 1. 7. vorläufig bei geringster Kostenlast ruhend zu stellen. Hierdurch soll sichergestellt werden, dass der initiierte Investorenprozess fortgesetzt werden kann.“

In Abstimmung mit dem Sachwalter Rüdiger Weiß habe man sich dazu entschlossen, den Antrag auf ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung zurückzunehmen und in das Regelinsolvenzverfahren zu wechseln, teilt Loewe mit. „Leider konnten wir, anders als bei unseren Kunden und Lieferanten, den für eine Aufrechterhaltung des operativen Geschäftes erforderlichen Rückhalt in Form der Gewährung eines Massedarlehens bei unseren Sicherungsgläubigern nicht finden.“

Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Rüdiger Weiß, von der Kanzlei Wallner/Weiß (Dresden) bestellt. Bis Anfang Juli seien sowohl die Zahlungen der Löhne und Gehälter im Rahmen von Insolvenzgeld, wie auch die Aufrechterhaltung des operativen Geschäftes sichergestellt, so Loewe.

Nicht genügend Sicherheiten

Warum bekommt Loewe kein Massedarlehen zur Fortführung der Geschäfte? Weil Loewe nicht genügend Sicherheiten geben konnte, sagt Weiß im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Markenrechte habe man nicht einräumen können, denn die liegen laut Weiß bei Riverrock. So sei eine Finanzierung über Dritte nicht möglich gewesen. Die britische Investmentgesellschaft sei mit einem mittleren zweistelligen Millionenbetrag Hauptkreditgeber bei Loewe.

Weiß bestätigte auf Nachfrage, dass der Zins für den Kredit bei rund 20 Prozent liegt. „Das ist durchaus angemessen.“ Die Konditionen müsse man von der schwierigen Lage bei Loewe ableiten. Von den Banken habe es kein Geld mehr gegeben, für sie sei Riverrock eingesprungen. Es gebe Sittenwidrigkeitsgrenzen, die aber höher liegen würden. Riverrock selbst wolle bei Loewe nicht nachschießen.

Weiß bestätigte auf Nachfrage die Schlüsselposition von Riverrock für die Loewe-Zukunft: „Das wird nur mit Riverrock gehen.“ Riverrock sei der mit Abstand größte Gläubiger.

Ab November droht Arbeitslosigkeit

Wie geht es mit den Beschäftigten nun weiter? Ab Juli werden die Mitarbeiter freigestellt, ab November drohe die Arbeitslosigkeit. Frühere Sanierungspläne hätten noch 220 Stellen (aktuell gut 400) in Kronach vorgesehen. Wie viele es künftig tatsächlich werden, könne man aktuell nicht sagen. „Das ist Kaffeesatzleserei.“

Weiß ist der Ansicht, dass Loewe auch in Zukunft eine „Kernproduktion“ in Deutschland bräuchte, dass die Kernkompetenzen in Deutschland bleiben sollten. Loewe sei ein deutsches Produkt, eine deutsche Marke. Dass ein Investor gefunden wird, davon geht Weiß aus. „Es müsste mit dem Teufel zugehen, dass wir keinen Investor finden.“

Immer wieder spekuliert wird über die undurchsichtige Rolle des früheren Loewe-Chefs und Gesellschafters Mark Hüsges. Er soll das Darlehen mit Riverrock ausgehandelt haben, für das die horrenden Zinszahlungen fällig werden. Unter Hüsges wurde auch die Marke bilanziell in eine neue Gesellschaft ausgegliedert, was einen einmaligen positiven zweistelligen Millioneneffekt mit sich brachte (wir berichteten ausführlich).

Unternehmen verbreitet Optimismus

Unklar ist, ob Hüsges Anteile an einem der aktuellen Gesellschafter hat. Nach Angaben von Weiß ist dies nicht der Fall. 58 Prozent liegen bei Tube Capital Partners (Kreuzlingen, Schweiz), 38 Prozent bei Clearsight Turnaround und vier Prozent bei der Loewe GmbH, teilte das Unternehmen auf Nachfrage unserer Zeitung mit.

Das Unternehmen versucht derweil weiter, Optimismus zu verbreiten. Die Geschäftsführung habe im Rahmen der Eigenverwaltung ein nachhaltiges Zukunftskonzept für Loewe erarbeitet, das sich auf Kernkompetenzen in den Bereichen Vertrieb, Marketing und Produktdesign fokussiert, heißt es.

Dieses Zukunftskonzept sei auch Grundlage für den Investorenprozess. Es seien neue Entwicklungs-Partnerschaften im Audio- und TV-Bereich aufgebaut worden. Die spezifischen Maßnahmen zur Stärkung des klassischen Fachhandelsgeschäftes würden weiterentwickelt. Die Grundlagen für den Aufbau des Online- und Omni-Channel-Vertriebs seien gelegt. Die weltweite Auslizenzierung der Marke für smarte Produkte komme voran. Gleichzeitig seien die notwendigen Grundlagen für den Aufbau eines Fulfillment-Centers für Elektronik- und Softwarelösungen in Kronach geschaffen worden.

„Wir haben sehr hohen positiven Zuspruch bei unseren Partnern auf Kunden- und Lieferantenseite erhalten. Unsere Partner haben uns für die Zukunft vollste Unterstützung zugesagt und diese in den letzten Wochen bereits unter Beweis gestellt“, so Vogt weiter.

Höchste Alarmbereitschaft

Die IG Metall war schon vor der gestrigen Gläubigerversammlung in höchster Alarmbereitschaft. Der Coburger IG Metall-Chef Jürgen Apfel sagte im Gespräch mit unserer Zeitung auf die Frage, ob für Loewe in Kronach das endgültige Aus droht: „Die Wahrscheinlichkeit ist ziemlich hoch.“

Es gehe nichts voran, viele Wochen seien verspielt worden und leiden darunter müssten nun die Beschäftigten. Die Investorensuche komme nicht voran, obwohl fast zehn Anfragen vorliegen würden. Apfel spricht von einem „bösen Spiel“, das sich nicht wiederholen dürfe. Er meint damit die Rolle der Investmentgesellschaft Riverrock, bei der Loewe mit einem zweistelligen Millionenbetrag in der Kreide steht, und der die Gewerkschaft vorwirft, Loewe „ausbluten“ zu lassen, um dann „mit den Trümmern des Unternehmens Geld zu verdienen“, wie es Johann Horn, der Bezirksleiter der IG Metall Bayern formulierte.

Weinende Menschen

Laut Apfel soll es am Mittwoch den ersten Termin mit einem potenziellen Investor geben. Die Stimmung auf der Betriebsversammlung am Dienstag? „Weinende Menschen sieht man nicht so gerne.“ Für die Mitarbeiter seien die neuen Nachrichten wirklich bitter.

Zur Rettung des Standortes Kronach könne die IG Metall im Moment kaum etwas beisteuern. Erst wenn ein Investor da sei, könne man mit dem reden. „Dann sind wir wieder im Boot.“

 

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