In Sachen Schlachthof: Kulmbach will weltweit Vorreiter werden

Simon Moritz (links) im Gespräch mit Schlachthofleiter Dirk Grühn. Im Hintergrund Theresa Weith und Christina Flauder. Foto: /Privat

Am Lebensmittelstandort Kulmbach braucht es einen Schlachthof, sagt SPD-Kreistagsfraktionsvorsitzender Simon Moritz. Dass in Neubaupläne jetzt Bewegung kommt, findet er gut und begrüßt die baldige Verwirklichung der als schonender geltenden Betäubung der Schweine mit Helium.

Kulmbach - Der Kulmbacher Schlachthof gehört zwar der Stadt, aber der Landkreis finanziert seit Jahren im Rahmen einer freiwilligen Leistung mit und hilft, das Defizit so gering wie möglich zu halten. Das hat Simon Moritz als Vorsitzenden der SPD-Keistagsfraktion dazu bewogen, seine Fraktion zu einem Ortstermin einzuladen. Nachdem Moritz auch im Stadtrat sitzt, hat sich diese Fraktion gleich angeschlossen. Ausführlich hatten die Teilnehmer dabei Gelegenheit, sich nicht nur den Schlachthof anzuschauen, sondern auch Informationen aus erster Hand von Schlachthofleiter Dirk Grühn zu erhalten. „Es war uns in beiden Fraktionen wichtig, Präsenz zu zeigen im Schlachthof, der nach den aktuellen Medienberichten, die zu Recht kritisch wahrgenommen wurden“, macht Moritz, der sich für die Sozialdemokraten um ein Bundestagsmandat bewirbt, deutlich.

Das Fehlverhalten, das nun einigen Mitarbeitern angelastet wird, die auf Filmaufnahmen der Soko Tierschutz zu sehen sind, wie sie Schweinen ins Gesicht treten und sie mit Elektroschockern traktieren, sei natürlich nicht zu entschuldigen, macht Simon Moritz deutlich. Die Betäubungsmethode mit CO2 müsse man nicht schön finden. „Aber sie sind der Standard. Da habe ich mich bei manchem über die gezeigte Überraschung gewundert.“

Den kompletten Schlachtablauf habe Schlachthofleiter Grühn seinen Gästen aus Stadtrat- und Kreistag demonstriert. Von der Anlieferung der Tiere über die Betäubungsanlage bis zur Zerlegung und Lagerung des Fleisch habe die Gruppe alles besichtigen können. „Dirk Grühn hat uns einen sehr umfassenden Einblick gegeben. Auch über die technischen Teile, die schon etwas älter sind. Auch das ist ja immer wieder ein Thema.“

Simon Moritz zählt sich wie er sagt, selbst zu den Menschen, die über Nachhaltigkeit Gedanken machen. Deshalb esse er generell weniger Fleisch als früher. Aber, darauf legt er Wert: „Das ist eine individuelle Entscheidung, die jeder für sich selbst treffen muss.“ Was aber wichtig sei: Im Fleischkonsum müsse es mehr um regionale Erzeugung gehen. Radikale Tierschützer haben laut Moritz mit jedem Schlachthof ein Problem. „Wer aber Fleischkonsum jetzt nicht pauschal verbieten will und auf Nachhaltigkeit Wert legt, sollte vor allem auf regionale Erzeugung achten. Da ist der Schlachthof ein ganz wichtiger Baustein. Das haben ja zum Glück viele Landwirte und Metzger aus unserer Region jetzt schon betont.“ Der Schlachthof gelte als vorbildlicher Betrieb. Dass er weiter besteht, sei wichtig. „Das ist auch die Kernaussage für mich. Gerade wenn es um Nachhaltigkeit geht, muss man auch über regionale Verarbeitung reden, und dann braucht man auch ein klares Bekenntnis zum Schlachthof Kulmbach.“

Moritz setzt auf zukünftige Verbesserungen. Die als wesentlich tierfreundlicher geltende Betäubung mit Helium habe die Stadt Kulmbach schon auf den Weg gebracht. „Dadurch sind wir weltweit in einer Vorreiterrolle.“ Dass der Schlachthof durch das Fehlverhalten von einigen Mitarbeitern jetzt ins Kreuzfeuer geraten ist, sei deshalb umso ärgerlicher.

Für den Ärger, der nun bei Tierschützern herrscht, weil die Mitarbeiter für ihr Verhalten bislang zumindest keine harten Konsequenzen spüren mussten und lediglich in einem Bereich des Schlachthofs versetzt wurden, indem sie mit lebenden Tieren nicht mehr zu tun haben, hat Moritz Verständnis. Er weist darauf hin, dass die Verärgerung auf der einen Seite nachvollziehbar sei. „Ich kann emotional die Wut und die Forderungen nach Entlassung absolut verstehen.“ Auf der anderen Seite gelte es aber auch, das Arbeitsrecht zu berücksichtigen. Die Stadt werde rechtlich abklären, was an Sanktionen möglich ist. „Ohne da zynisch klingen zu wollen. Arbeitsschutz gilt halt auch für Mitarbeiter, die sich Verfehlungen geleistet haben.“ Moritz sagt aber, er gehe davon aus, dass die härtest möglich Sanktion ergriffen werde.

Nun ist wieder einmal ein Schlachthof-Neubau in der Diskussion. ein ähnlicher Plan war 2010 an mangelnden finanziellen Mitteln gescheitert. Jetzt gibt es einen neuen Anlauf. Von einem „Gläsernen Schlachthof“ und einem Modell, das Kulmbach und Nachbarkreise wie beispielsweise Kronach und Lichtenfels mit einbezieht, ist die Rede. Simon Moritz verweist auf das Gespräch im Bundeslandwirtschaftsministerium, das noch im Juni stattfinden wird. „Bei einem solchen Projekt geht es um eine hohe Millionen-Summe. Nur mit entsprechenden Fördergeldern wird das die Stadt Kulmbach bewältigen können. Den Weg halte ich für richtig, auch im Hinblick auf eine mögliche Zusammenlegung von Schlachthöfen.“ Dass als Standort nur Kulmbach in Frage kommt, ist für Moritz klar: „Alle Fakten sprechen für Kulmbach. Das Max-Rubner-Institut sitzt hier, es gibt eine Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Weihenstephan-Triesdorf, wir sind ein großer Lebensmittelstandort. All das sollte man nie aus den Augen verlieren. Es geht hier um den Lebensmittelstandort und ein klares Bekenntnis zu Kulmbach.“

 

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