„Das Allzeit-Hoch der Jahre 2017 und 2018 scheint sich zwar dem Ende zuzuneigen“, ordnet der Präsident der Handwerkskammer für Oberfranken, Thomas Zimmer, die aktuellen Umfrageergebnisse ein. „Dennoch heißt das nicht, dass der Boom im oberfränkischen Handwerk vorbei ist. Die Geschäfte laufen nach wie vor hervorragend.“

Angesicht der von den Betrieben gemeldeten Zahlen geht Zimmer auch im Jahr 2020 von einem Plus bei Beschäftigung und Umsätzen aus. „Allerdings deutet die Umfrage ebenfalls an, dass die Wachstumsdynamik in diesem Jahr etwas abnehmen wird.“

Dabei gleiche die noch immer starke Binnenkonjunktur die in der Industrie spürbare Konjunkturdelle aus. „Das Handwerk in Oberfranken nimmt bislang kaum Auswirkungen wahr.“ Dennoch beurteilen die befragten Betriebsinhaber die zukünftige Entwicklung etwas konservativer. Der Geschäftsklimaindex bleibt mit 114 Punkten deshalb stabil auf hohem Niveau, wenn auch nicht auf dem Höchstlevel der Vorjahre.

„Es sind aber nicht nur die Erwartungen, die eine geringere Wachstumsdynamik vermuten lassen“, erläutert der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, Thomas Koller. „Der Mangel an geeigneten Fachkräften ist weiterhin die größte Hürde, die unsere Mitgliedsbetriebe daran hindert, noch mehr Umsätze zu generieren.“

Dass es im oberfränkischen Handwerk dennoch gut laufe, zeigten die hohe Kapazitätsauslastung sowie die weit reichenden Auftragsbestände. Koller weiter: „Beide Werte sind mit 79 Prozent bzw. 7,5 Wochen weiterhin überdurchschnittlich hoch, insbesondere für ein letztes Quartal. Es gibt aktuell keinen Grund für Pessimismus. Die Auftragsbücher sind gut gefüllt.“

Für den Hauptgeschäftsführer zeigt der Blick auf die Umfrageergebnisse des vergangenen Jahres, dass auch 2019 konjunkturell sehr stark für das oberfränkische Handwerk war: „Der Wachstumsmotor Handwerk läuft weiterhin sehr robust.“ Damit dies auch in den kommenden Jahren so bleibe, sind für Thomas Koller vor allem drei Dinge notwendig, um die Wirtschaftlichkeit der Mitglieder zu sichern: „1. Fachkräfte sichern, 2. Binnenkonjunktur stärken, 3. Bürokratie abbauen. Wir werden uns dafür einsetzen, dass die Politik dafür die richtigen Rahmenbedingungen schafft!“

Einschätzungen aus einzelnen Handwerkszweigen:

Insgesamt hat sich die Handwerkskonjunktur zum Vorjahr kaum verändert und bleibt konstant auf sehr hohem Niveau. Die Aussichten für 2020 sind gut.

  • Die Bau- und Ausbauhandwerke sind auch dank milden Wetters zum Jahresende nach wie vor wirtschaftlich extrem stark. 97 Prozent bzw. 98,5 Prozent haben eine befriedigende oder gute Geschäftslage. Insbesondere in den Ausbauhandwerken sind die Werte sogar noch besser als in den Rekordjahren 2017/2018.
  • Zulieferer und Betriebe des gewerblichen Bedarfs haben auch zum Jahresende noch von guten Geschäften berichtet (40 Prozent gut, 44,5 Prozent befriedigend). Allerdings wird – vor allem beim Vorjahresvergleich – deutlich, dass die Eintrübungen in der Industrie in diesem Handwerkszweig ankommen.
  • Beim Kfz-Handwerk schlägt diese Entwicklung allerdings nicht durch. Der Werkstattbereich ist gut ausgelastet und auch das saisonale Winterreifengeschäft sorgt für gute Stimmung, die Lage hat sich zum Vorquartal sogar verbessert (34 Prozent gut, 58 Prozent befriedigend).
  • Die Konjunktur in den Nahrungsmittelhandwerken bewegt sich auch im vierten Quartal auf hohem Niveau. Allerdings ist der Anteil derer mit einer schlechten Geschäftslage leicht um 3,5 Prozentpunkte gestiegen (14,5 Prozent).
  • Auch bei den Gesundheitshandwerken ist die Lage insgesamt gut, aber es gibt bei einem guten Fünftel auch Einbußen. Vor allem überregionale und internationale Konkurrenz verschärften die Marktsituation.
  • Im Branchenvergleich beurteilen Friseure und Kosmetiker ihre Geschäftslage üblicherweise etwas vorsichtiger als die übrigen Handwerkszweige. Mit 45,5 Prozent guter und 36,5 Prozent befriedigender Geschäftslage herrscht aber auch hier weiterhin Hochkonjunktur.