„In jedem Fall ein Krankenhaus aufsuchen“ Interview: Was tun bei einer Pilzvergiftung?

Die Pilzsaison ist im vollen Gange und die Sammler werden wieder fündig. Aber was, wenn man doch einmal daneben liegt? Foto: dpa

Pilze zu suchen macht Spaß. Doch wer ein falsches Exemplar erwischt, fängt sich leicht eine Vergiftung ein. Dr. Reinhard Kalinski ist Leitender Oberarzt in der Gastroenterologie am Klinikum Bayreuth und hat schon viele Pilzvergiftungen behandelt. Wir haben ihn gefragt, wann es richtig gefährlich wird.

Dr. Reinhard Kalinski hat schon einige Patienten mit Pilzvergiftungen behandelt. Leber- und Nierenversagen können die Folge von Pilzvergiftungen sein. Das ist lebensbedrohlich und kann die Transplantation von Organen notwendig machen.

Herr Dr. Kalinski, wie äußern sich die Symptome einer Pilzvergiftung?

Reinhard Kalinski: Manchmal treten die Vergiftungserscheinungen kurzfristig auf. Die sind dann in der Regel nicht lebensgefährlich. Andere gehen über mehrere Tage. Das sind diejenigen, die lebensbedrohlich werden können. Die Beschwerden beginnen etwa 30 Minuten bis zwei Stunden nach der Pilzmahlzeit. Kreislaufbeschwerden, Durchfall und Erbrechen sind die Hauptprobleme. Besonders Kinder sind durch den Flüssigkeits- und Elektrolytverlust gefährdet. Fliegenpilz und Panterpilz sorgen für neurologische Probleme. Manche Pilze können Psychosen auslösen. In manchen Fällen führt die Vergiftung sogar zum Nieren- oder Leberversagen.

Bei welchem Pilz wird es richtig gefährlich?

Kalinski: Lebensbedrohlich wird es bei einer Vergiftung mit dem Knollenblätterpilz. Zuerst treten Magen-Darm-Beschwerden auf. Dann tritt vorerst eine vermeintliche Verbesserung ein, die sehr trügerisch ist. Denn dann kommt das Leberversagen. Dann muss der Patient möglichst rasch ein Präparat bekommen, das die Aufnahme der Gifte verhindert. Häufig ist die Verlegung in ein Lebertransplantationszentrum erforderlich. Gerade der Knollenblätterpilz wird oft mit dem Champignon verwechselt.

Bringt es im Falle einer Vergiftung etwas, die Putzreste von Pilzen aufzuheben?

Kalinski: Nicht nur das. Sogar das Erbrochene sollte man sichern. Am besten auch Reste der Pilzmahlzeit. Außerdem hat doch heutzutage jeder ein Smartphone mit Kamera. Da sollte man die Pilze vor der Verarbeitung vielleicht mal fotografieren. Wichtig für den Arzt ist, zu wissen, welcher Pilz gesammelt wurde. Hier ist die Zusammenarbeit mit einem Pilz-Experten wichtig.

Wohin sollen sich Menschen wenden, wenn sie glauben, sich mit einem Pilz vergiftet zu haben?

Kalinski: Man sollte in jedem Fall ein Krankenhaus aufsuchen. Man sollte auch beobachten, wer sonst noch von der Pilzmahlzeit gegessen hat und da fragen, ob es auch Probleme gab.


Das Gespräch führte Moritz Kircher

 

 

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