Gegen 16.30 Uhr war Alexandra N. (40) auf der A 9 in Richtung Berlin unterwegs. Rund 200 Meter vor der Baustelle bei Pegnitz staute sich der Verkehr. Im Radio hörte sie: „Ein Pannenlaster sorgt für Behinderungen“. Sofort machte die 40-Jährige Platz und sorgte für die Bildung einer Rettungsgasse. Ihr folgten weitere Autofahrer, alles schien zunächst zu klappen. Doch als der Verkehr völlig zum Erliegen kam, werden einige Kraftfahrer offenbar ungeduldig.

Vor Alexandra N.s Augen beginnen einige Autos mit gefährlichen Wendemanövern. Einige fahren über den Standstreifen zurück, wollen die Behelfsausfahrt für Rettungskräfte nutzen. Andere tauchen plötzlich in der Rettungsgasse als Geisterfahrer auf.

Hoch gefährlich, vor allem weil der Stau sich schon langsam auflöste und die Geisterfahrer dann auf den nachfließenden Verkehr trafen. Sinnlos war auch der Aufbruch weiterer Autofahrer, die über den Standstreifen am Stau vorbeizogen. Nach wenigen hundert Metern landeten sie in der Baustellenspur und trafen etwas weiter auf die frischen Asphaltierungsarbeiten. Weiterfahrt ausgeschlossen.

Die Polizei weiß von den Capriolen der Autofahrer. Werner Weismeier von der Verkehrspolizeiinspektion Bayreuth berichtet dem Kurier, dass bereits eine Streife in den Bereich geschickt wurde.

Hier liege kein Kavaliersdelikt vor. „Das ist schon eine besondere Tat“, sagt Weismeier. Die erwähnten Autofahrer hätten sich eines Missbrauchs der Rettungsgasse strafbar gemacht, was 400 Euro Bußgeld, drei Monate Fahrverbot und zwei bis drei Punkte in Flensburg nach sich zieht. Auch das Befahren entgegen der Fahrtrichtung ziehe 200 Euro, zwei Punkte und Fahrverbot nach sich. Wird jemand gefährdet oder passiert dadurch ein Unfall, gehen die Strafen noch weiter nach oben.