Bis weit in die zweite Halbzeit hinein verlief das Fußball-Kreisklassenspiel zwischen dem FC Weiden-Ost II und der SpVgg Neustadt/Kulm eher unspektakulär. Der Gast führte mit 2:0, Schiedsrichter Helmut Meindl aus Moosbach hatte mit der Spielleitung wenig Mühe. In der 72. Minute eskalierte die Sache dann doch. Ein Akteur der Heimelf beschwerte sich beim Unparteiischen, dass er von seinem Gegenspieler massiv beleidigt worden sei. Dabei soll der Ausdruck "Scheiß Ausländer" gefallen sein.

"Es ist nicht das erste Mal, dass Spieler von uns auf diese Art und Weise beleidigt werden", sagt Weidens Abteilungsleiter Martin Oppitz. "Das ist kein Einzelfall und passiert immer wieder." Erst vor Kurzem sei bereits "in dieser Richtung etwas vorgefallen". Mannschaft und Trainer hätten sich daraufhin besprochen und eine gemeinsame Reaktion vereinbart, sollte es auf dem Platz wieder rassistisch gefärbte Beleidigungen gegen einer der Mitspieler geben.

Darüber, ob besagter Ausdruck tatsächlich gefallen ist, gehen die Meinungen auseinander. "Diese Aussage hat es nicht gegeben. Das hat mir der vom FC Weiden-Ost beschuldigte Spieler versichert", betont Ralf Malik, der Spartenleiter der SpVgg Neustadt/Kulm. Er ärgert sich vor allem darüber, dass da "einfach eine Behauptung in den Raum gestellt wird". Den Verband sieht Malik in der Zwickmühle, "da Aussage gegen Aussage steht." Allerdings werde man sich nicht in eine rassistische Ecke stellen lassen: "Wir lassen uns da nicht den Schwarzen Peter zuschieben."

Die Glaubwürdigkeit seines Spielers arabischer Herkunft sieht der FC Weiden-Ost über alle Zweifel erhaben. "Das ist ein junger Bursche und seit rund fünf Jahren bei uns im Verein", berichtet Oppitz. "Ein brutal netter Typ, der bayerisch spricht. Er ist eher zurückhaltend und schüchtern". Nach der vermeintlichen Provokation am Samstag platzte dem 19-Jährigen der Kragen. Seine Beschwerde beim Schiedsrichter lief jedoch in Leere, da dieser dem Vernehmen nach keine rassistische Beleidigung wahrgenommen hatte. Da sich der Ost-Akteur aber nicht beruhigen konnte, zückte der Referee sogar Gelb gegen den Spieler. Dann ging alles schnell: Ost-Spielertrainer Maximilian Vollath holte seine Mannschaft zusammen, beriet sich mit ihr am Spielfeldrand. Dann ging Vollath zum Schiedsrichter und teilte ihm mit, dass man nicht mehr weiterspielen werden. Die Konsequenz: Spielabbruch. "Das sportliche Ergebnis ist zweitrangig. Diese Reaktion war absolut gerechtfertigt, ich bin stolz auf unsere Spieler", sagt Oppitz. Er verweist auf die Werte im Verein, der 2018 vom DFB mit dem Julius-Hirsch-Preis ausgezeichnet worden sei. "Wir distanzieren uns von jeder Form von Rassismus und Diskriminierung. Und wir setzen uns mit Nachdruck für die Integration von Ausländern und Flüchtlingen ein.