In der Einrichtung wird am Jahresende meist das Geld knapp Ölkrise im Bayreuther Tierheim

Von Tobias Köpplinger

Es ist fast jedes Jahr das gleiche Problem: Am Jahresende wird das Geld im Bayreuther Tierheim knapp. Weil viele Tiere das Jahr über krank waren und teure Medizin benötigten, fehlen nun in der kalten Jahreszeit die Mittel für Heizöl. Die Mitarbeiter bitten deshalb um Spenden.

Odie wiegt keine zehn Kilo. Er sieht schlecht und hat außer den Fransen an Kopf, Ohren und Schwanz kein Fell. Odie ist ein chinesischer Nackthund, etwa sechs Jahre alt, abgegeben im Tierheim Bayreuth. Und dieser Odie steht für all die Probleme, die das Tierheim gerade hat. Odie zittert, wenn es kalt ist. Und Odie braucht teure Medizin für seine Augen. Kälte und Krankheit. Kristin Köhler, die Tierpflegerin, erklärt den Zusammenhang.

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Kristin Köhler sitzt am Schreibtisch im Büro des Bayreuther Tierheims und hält Odie auf dem Schoß. Sie krault dem Nackthund den Kopf, wenn draußen auf dem Gang jemand vorbei läuft, stellt Odie die Ohren auf, die Fransen wippen dann. Kristin Köhler sagt: „Wie viel Geld am Ende des Jahres übrig ist, hängt davon ab, wie krank die Tiere sind.“ Von Tierarztkosten, Impfungen, Entwurmungen, Augensalben, Tabletten und Antibiotika. Geld, das jetzt fehlt, um die Heizöltanks voll zu machen. Deshalb bittet das Tierheim um Spenden. Ölspenden.

Eine ungewöhnliche Aktion: „Wir wissen aktuell nichts davon, dass andere Tierschutzvereine eine ähnliche Aktion laufen haben“, sagt Caterina Mühlhausen, eine Sprecherin des Deutschen Tierschutzbundes. Etwa 500 Tierheime sind dem Tierschutzbund deutschlandweit angeschlossen. Dann relativiert die Sprecherin: In der Vergangenheit seien solche finanziellen Engpässe zum Jahresende immer mal wieder vorgekommen. Geld für die Heizung fehlte besonders im Osten Deutschlands oder in ländlichen Regionen.

So wie in Bayreuth: Im vergangenen Jahr hat das Tierheim schon einmal um Heizöl-Spenden gebeten. 1728 Euro gingen ein. 34 Einzelspenden, zwölf als Überweisung, der Rest in bar. Die meisten Spender waren Frauen, die höchste Einzelspende: 500 Euro. In diesem Jahr ist der Tankwagen für den 13. Dezember bestellt. Kristin Köhler sagt, sie hoffe auf die Vorweihnachtszeit und Spenden vor Ort. Ein Zuschuss kommt von der Stadt Bayreuth: 22 000 Euro jedes Jahr. Ein Teil geht als Unterstützung an den Bayreuther Tierschutzverein, ein Teil ergibt sich aus gesetzlichen Verpflichtungen: Die Stadt muss einen Betriebskostenzuschuss leisten, sagt eine Sprecherin. Außerdem hat das Tierheim selbst viel getan, um Heizkosten zu sparen: Den Gang heizen sie nicht, die Futterküche auch nicht, ein Thermostat regelt die Heizung so, dass sie nachts erst spät anspringt. Und für die Wäsche wird Nachtstrom genutzt. Außerdem sind die Klappen an den Türen jetzt dichter. Kristin Köhler sagt: „Früher hat es so gezogen, dass in den Hundezwingern das Wasser in den Schüsseln gefroren ist.“

Im Moment sind etwa 70 Tiere im Bayreuther Tierheim untergebracht. Viele sind keine einfachen Tiere, krank oder dem Besitzer zu viel geworden. So wie Odie. Kristin Köhler erzählt, eine Frau habe den Hund abgegeben. Zusammen mit Chihuahua DJ. Offizieller Grund: Umzug. Köhler verdreht die Augen. Umzug ist ein häufiger Grund. Kristin Köhler und ihre Mitarbeiter fragen nicht weiter. Besser die Leute geben die Tiere ab, statt sie ans Tor zu binden oder in Tüten vor die Autos zu legen. So kamen kürzlich zwei Wüstenrennmäuse ins Tierheim.

Odie ist seit 12. November da. Er kam mit DJ. Beide kläffen Fremde an, DJ springt an Beinen hoch, zwickt in Hosen. Odie und DJ dürfen im Büro herumlaufen. Sie sollen sich an Menschen gewöhnen, außerdem ist es hier wärmer. „Die beiden frieren ab und zu ein bisschen“, sagt Kristin Köhler. Odie zittert dann. Deshalb hat er eine Art Pullover an, wenn es ganz kalt ist, bekommt er noch eine Weste drüber. Das Fell wurde dem Hund weggezüchtet.

Deshalb ist Wärme wichtig. Die Sprecherin des Tierschutzbundes sagt: Aus medizinischer Sicht ist die Haltung ohne Beheizung nur für Tiere und Tierarten geeignet, die ein entsprechend dickes Fell haben. Bei Odie fehlt diese Unterwolle. Kristin Köhler sagt: „Odie ist ein außergewöhnlicher Hund. Eigentlich stehen seine Vermittlungschancen gar nicht schlecht.“ Eigentlich. Wären da nicht die Augen: Die Hornhaut ist angegriffen, der Hund braucht Tränenersatzflüssigkeit. Und das muss man sich leisten können.

  • Die Heizöllieferung an das Tierheim Bayreuth erfolgt am 13. Dezember zwischen 14 und 16 Uhr. Spenden für Heizöl nimmt das Tierheim in bar an oder an das Spendenkonto der VR Bank Bayreuth, BLZ 773 900 00, Konto 300041327, mit dem Vermerk „Heizöl".