In den Gärten der Region wird gearbeitet So viel Mühe stecken Ehrenamtliche in bunte Beete in der Region

Von Maximiliane Rüggeberg

Es ist Frühjahr, die Sonne scheint, also Zeit, zu pflanzen: Viele ehrenamtliche Helfer kümmern sich zurzeit um die Blumenbeete in den Gemeinden. Sie stecken viel Zeit, Arbeit und Mühe in die Farbenpracht des Frühlings. Die Frauen vom Obst-und Gartenbauverein in Wonsees haben in diesen Tagen auch alle Hände voll zu tun. Wer ihnen bei Harken und Säen zuschaut, dem zeigen sie sogar ihren ganz besonderen Schatz. 

Bunte Blütenpracht: Die Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins in Neudrossenfeld, Elfriede Tohol (rechts) und ihre Mitstreiterin Heike Schleicher sortieren die Blumen, bevor es ans Pflanzen geht. ⋌Foto: Rüggeberg Foto: red

Vorsichtig streicht Elfriede Tohol über die Rückseite des schmalen Buches, das sie in Händen hält. Die Pappe des Einbandes ist schon ganz brüchig. Auf einem kleinen Aufkleber steht in verschnörkelter Schrift „Wonsees 1934“. Das Datum wurde vor genau 80 Jahren von Hand mit tiefblauer Tinte auf das Buch geschrieben. Es ist somit nicht nur sehr alt, es ist auch ein wahrer Schatz – zumindest für den Obst- und Gartenbauverein in Wonsees. Denn das Buch erzählt, wie die Menschen schon vor vielen Jahrzehnten jedes Frühjahr ihren Ort verschönert haben. Als ein Haus im Ort entrümpelt wurde, tauchte das Buch über den alten Gartenbauverein auf.

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„Die haben damals so viel Obst gepflanzt, das konnte man alles gar nicht essen“, sagt Tohol und lacht. Heute landen in den Wonseeser Beeten eher Stiefmütterchen, Primeln und Osterglocken. Ganze Plastik-Paletten voll davon stehen gerade auf dem Wonseeser Marktplatz. Drei Stunden, dann sollen sie eingepflanzt sein. Der Frühling ist da, das soll man auch in den Beeten sehen. „Vor Ostern sind wir immer gut beschäftigt“, sagt Tohol. 20 Stunden Arbeit kommen da schnell mal zusammen. Die Vorsitzende des Gartenbauvereins streift sich die Handschuhe über und greift zur Harke. „Kommen hier die Roten oder die Blauen hin?“, ruft ihre Mitstreiterin Roswitha Wölfel (62) die Straße hoch und zeigt auf einen kargen Platz im Schatten eines Baumes. „Moment, ich komme“, antwortet Elfriede Tohol und eilt zu Hilfe.

Taschentuchbäume und wilde Narzissen

So fleißig wie die Frauen in Wonsees sind momentan viele Vereine. Auch in Warmensteinach wird gepflanzt. „In den nächsten Tagen sind die Rosen dran“, sagt Reinhold Herrmann und deutet auf die beiden Beete im Kurpark. Der Biologie-Professor engagiert sich im Verschönerungsverein der Gemeinde. Der 70-Jährige liebt alles, was Wurzeln hat. Als Forscher hat er einen ganz eigenen Blick auf die Schönheit seiner Setzlinge. Schnöde Primeln kommen ihm nicht in den Topf. Bei einem Spaziergang durch den Park zeigt der Forscher auf einen sogenannten Taschentuchbaum, seltene gelb-blühende Rhododendren und wilde Narzissen aus dem Ausseerland. Nicht alle Sträucher, Bäume und Blumen sind schon aufgegangen, viele werden erst in den nächsten Jahren blühen. Sie sollen die Gemeinde nicht nur ein Frühjahr lang schmücken. Doch wer bezahlt eigentlich diese seltenen Exemplare? Hauptsächlich sind es Spenden, sagt Herrmann. Ein paar tausend Euro kamen zu Beginn auch von der Gemeinde. Und Herrmanns gute Kontakte zum botanischen Garten in München sind ebenfalls nützlich. In der bayerischen Landeshauptstadt hat der 70-Jährige lange ein wissenschaftliches Institut geleitet. Er hat die Gene erforscht, die Pflanzen nutzen, um aus Licht chemische Energie zu gewinnen.

Den Forscher begleiten Blumen schon sein Leben lang. Elfriede Tohol wurden sie qausi aufs Auge gedrückt. Irgendwann stand der Bürgermeister einfach vor ihrer Tür. Er suchte Mitglieder für den Gartenbauverein. Tohol sagte zu. „Dabei hatte ich gar keine Ahnung“, sagt sie und lacht. Ihr Ehrgeiz war geweckt. Die damals 35-Jährige las viele Bücher und informierte sich, wo es nur ging. „Der grüne Daumen kommt spätestens nach zwei Jahren“, sagt sie heute, 30 Jahre später.

Pflanzen nach dem Mond

Isolde Jakob vom Neudrossenfelder Gartenbauverein hat ihren ganz eigenen Weg gefunden, um Blumen zum Blühen zu bringen. „Ich richte mich beim Pflanzen nach den Mondphasen“, sagt die 61-Jährige und kniet sich herunter zu den Krokussen vor dem Bräuwerck in Neudrossenfeld. Die knöchelhohen Blümchen sind spärlich verteilt. „Das kommt bald“, sagt Jakob. Auch wenn man es noch nicht sieht: Es steckt viel Arbeit in den Beeten rund ums Bräuwerck. Osterglocken, Kaiserkronen, Primeln hat Jakob eingepflanzt. Schöne Beete müssen nicht immer teuer sein, sagt sie. „Wenn man 20 Euro für Samen investiert, dann reicht das schon.“

In Wonsees kommt die Gemeinde für die Kosten auf. „Das bezahlen wir schon“, sagt Bürgermeister Günther Pfändner. Er schaut ab und zu mal vorbei, wenn die Frauen in den Beeten arbeiten. Interessiert beugt er sich über die Pflanzen, hält aber etwas Abstand. Die Blumen sind hier wohl fest in Frauenhand. Pfänder ist dankbar dafür, dass sich die Ehrenamtlichen jedes Frühjahr die Hände schmutzig machen. „Wir sind froh, dass wir sie haben.“ Und für die Frauen ist es nicht nur Arbeit. Sie haben auch Spaß an der Farbenpracht, sagt Tohol. „Sonst würden wir es ja wohl nicht machen, oder?“