Pokalkracher Volle Hütte in Stadt und Stadion

Das Hans Walter Wild Stadion war voll. Foto: sche/Manfred Scherer

Über 14.000 Leute beim Pokalkracher bringen Bayreuth und das Stadion an die Grenzen.

Ein denkwürdiges Ereignis. Traditionsverein SpVgg Bayreuth gegen Ex-Bundeliga-Dino HSV, wenige Tage nach dem Tod von HSV-Legende Uwe Seeler. Die Menschen im vollen Stadion erheben sich zum Gedenken. „Berührend“ findet das HSV-Fan Manfred Lohmeier aus der Nähe von Bremen.

14.705 sind es genau, die die Hütte füllen. In der Glenkkurve ist es wie in der Sardinendose. Geschuldet ist das Massengeschubse den Sicherheitsauflagen. Das Stadion in Sektoren aufgeteilt.

Polizeieinsatzleiter Benjamin Böhm hat massive Polizeipräsenz angeordnet. Sogar die Reiterstaffel Mittelfranken ist mit sechs Pferden da. Prävention durch Präsenz. Polizeirat Böhm wird am Ende des Tages sagen: „Das hat geklappt. So wollte ich es haben.“ Grund für das massive Aufgebot uind die Einstufung als „Risikospiel“: Rund 200 „Ultras“ aus Hamburg. Fans, die laut Polizei immer bereit sind zur Gewalt, wenn man ihnen den Freiraum gibt. Das hatte zur Folge, dass die Sicherheitsgremien von Polizei, Stadt und Verein sich im Vorfeld auf ein Alkoholverbot im Gästeblock verständigten. „Sippenhaft“ nennt HSV-Anhänger Jörg Ehling vom Fanclub „Old Crazy Fans“ das und verweist darauf: „Die paar Bier im Stadion? Lächerlich. Die glühen doch sowieso alle vor.“

Tatsächlich bevölkern am Vormittag Hunderte HSV-Fans den Markt. Die Gastronomie dürfte ihren Bierumsatz erheblich gesteigert haben. Vom Neptunbrunnen aus startet der Fan-Marsch der Norddeutschen, nebenher Hunderte Polizisten. Gesänge, Klatschen – via Sternplatz durch die Wölfelstraße – beeindruckend. Bis zum Josephsplatz, wo eine Flasche in Richtung eines Polizisten fliegt. Ein Trupp behelmter Beamter sprintet, die Schlagstöcke gezückt los. Die Situation fährt zum Glück herunter. Ermittlungen wegen Körperverletzung, der getroffene Polizist ist weiter dienstfähig. „Old crazy Fan“ Jörg Ehling hatte zuvor den Nutzen der massiven Polizeipräsenz bezweifelt: „Das provoziert manche.“

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Der Fanmarsch der Oldschdod-Anhänger startete vom Jean Paul-Platz, ging durch den Hofgarten – es gab keine Begegnung mit den Anhängern aus Hamburg. Der HSV-Zug wird zum GCE gelotst – erstmals wird dort der neue Eingang zum Gästeblock genutzt. Dort erfolgt auch der Abmarsch nach dem Spiel. Die Polizei sperrt die Straße kurzzeitig, damit die Busse direkt an GCE fahren können.

Im Stadion Unglauben und Euphorie. Die Heimmannschaft geht in Führung, ist nah dran an einer Pokal-Überraschung. Es reicht nicht. Oldschdod-Fan Felix Ruck (27) sagt kurz vorm Ausgleich des HSV: „Geil. Volles Stadion, davon hab ich schon als Kind geträumt. Aber Verlängerung, das pack ich nicht.“ Die Verlängerung kam und Ruck hätte sich keine Sorgen machen brauchen: Direkt hinter ihm saß die Kardiologin des Klinikum, die auch die SpVgg-Spieler untersucht hat für die vom DFB geforderte medizinische Freigabe.

Ruck und sein Kumpel Bernhard stehen üblicherweise unter der Gegentribüne. Doch diesmal haben sie sich extra Sitzplätze auf der Haupttribüne besorgt – 33 Euro pro Ticket: „Bei so einem Spiel, bei so einer vollen Hütte – das will man genießen.“

Die Organisation im Stadion verlief gut, sagt Rolf Schreiner von der Spielvereinigung: Er hatte etwa 160 Leute im Ordnungsdienst im Einsatz. An den Eingängen waren Schleusensysteme aufgebaut, durch die die herbeiströmenden Menschen gelotst wurden. Und – es kamen wohl alle vor Spielbeginn hinein, sagt SpVgg-Sprecher Andi Bär: „Ich bin überrascht. Der Bayreuther kann pünktlich sein.“

Zumindest einem Bayreuther wurde der Start in den Tag versaut: Der 43-Jährige wurde am Markt – offenbar von HSV-Ultras attackiert und erhielt einen Faustschlag: „Ich konnte mich wegducken, sodass mich die Faust nur gestreift hat.“ Den Mann hatte den Aufmarsch der HSV-Fans derart beeindruckt, dass er mit seinem Handy filmen wollte – plötzlich sei die Attacke gekommen. Umzingelt wurde er dazu gezwungen, die Fotos von seinem Handy zu löschen. Der Bayreuther sagt, er sei kein Fußballfan, wenngleich er jedem seinen Spaß daran gönne. Aber: „Ich kann auf Profifußball verzichten, wenn nun samstags so unreflektierte Gewalt in die Fußgängerzone einzieht.“

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