Impfgegner „Für Freiheit und das Grundgesetz“

Dominik Körber und Sebastian Schneider von der Pegnitzer Polizei beobachten, ob am Nausea-Platz alles im rechtlichen Rahmen verläuft. Impfgegner unterhalten sich hier über das Thema Corona. Foto: mü/Ralf Münch

Knapp 20 Leute spazieren am Montagabend über den Waischenfelder Nausea-Platz. Sie wollen sich über Freiheit und das Grundgesetz unterhalten. Und sie sind gegen eine Impfpflicht.

Waischenfeld - „Ihr macht die Lichter dann aus? Nicht, dass da was passiert“, sagt Oberkommissar Dominik Körber von der Polizei Pegnitz zu dem Mann und der Frau, die am Alten Rathaus auf einer Bank sitzen – den Blick auf 20 Grablichter, die da auf dem Podest an der Wiesent flackern.

Wer ist der Veranstalter?

Viel mehr ist am Montagabend in Waischenfeld fast auch nicht gewesen, da sei vor einer Woche mit rund 80 Leuten mehr los gewesen, sagt der Mann auf Nachfrage. Diesmal sind es knapp 20.

Seinen Namen will er nicht sagen, zückt aber seinen Personalausweis, als Körber und dessen Kollege Sebastian Schneider ihn dazu auffordern, fragen, ob er der Veranstalter dieser Zusammenkunft ist.

Nein, sagt der Mann aus einem Waischenfelder Ortsteil, er sei nur so da, um sich mit anderen zu unterhalten, einen Glühwein zu trinken. Ein Grablicht blitzt aus seinem Rucksack hervor. Woher wusste er, dass auch andere Leute da sein würden? „Das hab ich im Urin gehabt“, antwortet er erst, wird dann aber gesprächiger. „Ich setze mich für Freiheit und das Grundgesetz ein.“

Die körperliche Unversehrtheit sei ihm wichtig und deshalb halte er eine Impfpflicht nicht für richtig. Selber sei er auch nicht geimpft. „Das Impfen schadet mehr, als das es nutzt“, fährt er fort, „das zeigen die Infiziertenzahlen.“ Man wisse auch nicht, wie sich die Impfung auf Kinder und Schwangere auswirke oder ob sie zu Unfruchtbarkeit führe.

Geschmackloser Vergleich

Vergangene Woche sollen bei dem Zusammentreffen am gleichen Ort Zettel ausgelegt worden sein, auf denen ein Vergleich mit Machenschaften aus dem Dritten Reich herangezogen wurde. Was hält er davon? „Das ist schon ein geschmackloser Vergleich“, sagt der Mann, „so etwas würde ich nicht machen.“

Schiebt dann aber nach, dass sich die Situationen entfernt ähneln. „Die Gesellschaft wird von der Politik gespalten und Randgruppen werden gebildet“, sagt er. Kritik übt er auch an den Medien. „Die Presse wiegelt in ihrer Berichterstattung gegen die Ungeimpften auf.“

Zwei-Klassen-Gesellschaft

Mittlerweile haben sich noch andere Personen dazugesellt. Auch sie wollen nicht sagen, wie sie heißen, bestätigen nur, dass sie aus der näheren Umgebung sind. „Es gibt zwei Klassen mit dieser Impfstrategie“, sagt ein weiterer Mann. Auch er hat sich bislang nicht impfen lassen. Seine Eltern schon. „Die gehören ja zu einer Risikogruppe.“

Er habe schon mit mehreren Infizierten gesprochen. Diese hätten gesagt, dass Corona eigentlich wie eine Erkältung ist. Das Geld, das von der politischen Seite zurzeit für Tests ausgegeben wird, sollte lieber für die Aufstockung von Pflegepersonal eingesetzt werden. „Das wäre sinnvoller, weil es jetzt trotz Impfung mehr Infizierte gibt, als zuvor.“ Hat er selber Angst vor Corona? „Nein“, sagt der Mann kurz und bündig.

Für Freiheit einsetzen

„Meine Meinung über den Staat hat sich geändert“, sagt sein Vorredner. Die Säulen der Demokratie, von der die Judikative eine ist, würden nicht mehr existieren. „Die Polizei ist weisungsgebunden“, sagt er mit Blick auf die beiden Polizisten.

Verkehrsrechtliche Anordnungen

Was sagen die beiden zu dem Zusammentreffen? „Freilich kann sich jeder für Freiheit einsetzen“, sagt Oberkommissar Körber, aber wenn eine Versammlung dazu geplant ist, müsse die angemeldet werden, müsse es einen Veranstalter geben. „Ansonsten ist das eine Ordnungswidrigkeit.“ Die Polizei sei bei dem ganzen Thema neutral, müsse nur darauf schauen, dass die verkehrsrechtlichen Anordnungen eingehalten werden. „Die Polizei schützt Veranstaltungen, egal ob rechts oder links – solange sie sich im Rahmen des Erlaubten bewegen“, so Körber.

Er habe kein Problem, wenn sich friedliche Bürger treffen, sagt Bürgermeister Thomas Thiem am Tag danach auf Nachfrage. Das Treffen am Nausea-Platz sei nicht angemeldet gewesen. „Impfgegner gibt es überall.“ Wenn Personen ihren Unmut äußern, sei das für ihn in Ordnung. „Wir haben Meinungsfreiheit.“

Wenn die Impfpflicht komme, müssten die Gegner eben mit den Konsequenzen, wie wahrscheinlich Geldstrafen, leben. „Ich will aber nicht, dass sich die überörtliche Szene in Waischenfeld trifft, um ihre Plattformen zu verbreiten. Solange es keine rechtsradikalen Ausfälligkeiten gibt, habe ich nichts gegen solche Zusammenkünfte.“

Als Thiem Dienstagmittag nach den Grablichtern schaut, sind sie verschwunden. Weder er noch die Bauhofmitarbeiter wissen, wo sie hin sind.

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