Immobilienverkauf Greiffenberger AG unter Druck

Stefan Greiffenberger. Foto: red

AUGSBURG/THURNAU. Die Greiffenberger AG, einstmals Obergesellschaft von drei Firmen, kommt immer mehr in Bedrängnis. Jetzt soll die Betriebsimmobilie der letzten verbliebenen Tochter Eberle in Augsburg verkauft werden. 

Von drei Firmen ist der börsennotierten Industrieholding Greiffenberger AG nur eine geblieben. ABM in Marktredwitz und BKP Berolina (Velten bei Berlin) mussten verkauft werden, die Augsburger J. N. Eberle gehört noch zur AG, an der die Familie Greiffenberger über ihre Thurnauer Holding GmbH mit 46,09 Prozent zuletzt noch den größten Anteil hielt.

Der Umsatz von Eberle, Hersteller von Metallbandsägeblättern und Präzisionsbandstahl, war 2017 um 10,6 Prozent auf 48,8 Millionen Euro gestiegen. Beim operativen Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) hatte es sogar ein Plus von 72,3 Prozent auf 2,7 Millionen Euro gegeben. Zahlen für 2018 liegen noch nicht vor. 

Nun teilt Greiffenberger mit, Ende April den Jahresabschluss für das Geschäftsjahr 2018 veröffentlichen zu wollen, ohne dass dafür ein Prüfungsvermerk des Abschlussprüfers KPMG Bayerische Treuhandgesellschaft Aktiengesellschaft Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Steuerberatungsgesellschaft, München, erteilt wurde. Die Abschlüsse seien deswegen auch noch nicht vom Aufsichtsrat gebilligt worden.

Die Gesellschaft nehme diese Veröffentlichungen vor, „um ihren gesetzlichen Offenlegungspflichten als börsennotiertes Unternehmen nachzukommen“. Der Abschlussprüfer der Gesellschaft sehe sich derzeit außer Stande, zu beurteilen, „ob die Annahme der Fortführung der Unternehmenstätigkeit im Jahres- und Konzernabschluss zum 31. Dezember 2018, von der der Vorstand der Gesellschaft ausgeht, gerechtfertigt ist“.

Der Prüfer fordere weitere Unterlagen über die Sicherstellung der Finanzierung des Greiffenberger-Konzerns über den 30. September 2019 hinaus, die derzeit aber noch nicht zur Verfügung stehen würden. 

Zur Verbesserung der eigenen Finanzsituation prüfe Greiffenberger nun den Verkauf der Betriebsimmobilie von Eberle, der hundertprozentigen Tochtergesellschaft in Augsburg, zu einem unteren zweistelligen Millionenbetrag bei gleichzeitiger Rückvermietung (Sale and Lease-Back).

Hierzu befinde sich Eberle in Gesprächen mit Interessenten. Aus den Verkaufserlösen solle die bestehende Fremdfinanzierung „vollständig oder überwiegend zurückgeführt werden“. Bei einer Veräußerung der Betriebsimmobilie zum angestrebten Kaufpreis würde Eberle stille Reserven in einem unteren zweistelligen Millionenbetrag aufdecken. Bei der Versteuerung des dadurch entstehenden Veräußerungsgewinns könnten Verlustvorträge genutzt werden.

Im Geschäftsbericht 2017 hieß es noch, die Lage des Greiffenberger-Konzerns habe sich „zweifelsohne weiter verbessert“. Bei planmäßigem Geschäftsverlauf sei die mittelfristige Finanzierung bis September 2019 sichergestellt. Der Vorstand gehe davon aus, dass die Sicherstellung der Finanzierung auch über den September 2019 (Laufzeitende des Konsortialdarlehens) hinaus „mit überwiegender Wahrscheinlichkeit“ möglich ist. Die Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten reduzierten sich bis Ende 2017 leicht auf 19,8 (Vorjahr 20,1) Millionen Euro. 

Der frühere Chef der Greiffenberger-Gruppe, Stefan Greiffenberger, sitzt im Aufsichtsrat der Greiffenberger AG und hält zusammen mit seinem Bruder Claus über die von diesem geführte Greiffenberger Holding GmbH (Thurnau/Kreis Kulmbach) gut 46 Prozent der AG-Anteile. Der Kurs der Aktie ist auf etwa 60 Cent gesunken.   

 

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