Immer weniger Essen auf Rädern

Von Susanne Will

Für viele alte Menschen ist das Konzept „Essen auf Rädern“ so einfach wie bequem. In Bayreuth allerdings fürchten jetzt Angehörige und Kunden, dass es diese Dienstleistung nicht mehr lange gibt: Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) hat sich im Herbst 2015 aus dem Angebot zurückgezogen, auch der Jean Paul-Verein schränkt jetzt den Fahrdienst in der Fläche ein. Der Grund: Es rentiert sich nicht mehr. Nun bleibt noch das BRK, um Menschen, die sich schlecht selbst versorgen können, Mahlzeiten zu servieren.

Für viel Anbieter rentiert sich das System "Essen auf Rädern" nicht mehr. Foto: dpa Foto: red

Der Jean Paul-Verein ist unter dem Dach der bayerischen Diakonie angesiedelt, nicht unter dem Dach der Diakonie Bayreuth. Geschäftsführer ist Franz Sedlak, der auch Geschäftsführer der Diakonie Bayreuth ist. Der Verein unterhält ein Altenheim, das Senioren-Stift am Glasenweiher, das mit einer Küche ausgestattet ist. Sedlak: „Wir konnten also die Bewohner gut versorgen – und diesen Service auch Menschen in der Nachbarschaft anbieten.“ In der Vergangenheit habe es dafür Kapazitäten gegeben, „aber dann hat es Formen angenommen, dass wir durch den halben Landkreis gefahren sind“, so Sedlak. Das hat sich einfach nicht mehr gelohnt, "mit Glück ist es ein Null-auf-Null-Geschäft", so Sedlak.

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Touren verkleinern

Dazu kam, dass die AWO bereits im Herbst ihr Angebot eingestellt hat und einige AWO-Kunden nun vom Jean-Paul-Verein beliefert werden wollten. Das machte das Problem nicht kleiner. Sedlak hat seine Kunden angeschrieben und erklärt: „Wir werden die Touren verkleinern. Die Menschen, die wir nicht mehr beliefern können, kriegen ein Alternativangebot. Wir werden alles daran tun, dass jeder ein Essen kriegt.“

Nur 4000 Essen am Tag

Thomas Bauske ist der Vorsitzende der AWO in Bayreuth. Die Wohlfahrt hat ihr Essen auf Rädern-Angebot zum 31. Dezember 2015 eingestellt. Der Grund: immer weniger Kunden. Zunächst wurde versucht, die Kosten zu minimieren, „aber unterm Strich haben wir jedes Jahr Defizite gemacht“, so Bauske. Einerseits sei es die Aufgabe des Wohlfahrtsverbandes, für die Verpflegung zu sorgen, „aber wir müssen auch betriebswirtschaftlich denken“. In Zahlen liest sich das so: 2011 gab die AWO noch 15.370 Essen aus. 2014 nur noch 6500, 2015 wurde die 4000er Grenze gerade so geknackt.

Wobei 2014 schon die Notbremse gezogen wurde: Der Landkreis wurde nicht mehr beliefert, nur noch das Kerngebiet. „Am Schluss waren es nur noch zwölf Kunden“, so Bauske. Die Gründe sieht er auch darin: „Die Ansprüche der Kunden werden individueller, die können wir nur noch bedingt erfüllen.“

Alternative: Café Klatsch

Die AWO bietet Alternativen, beispielsweise das Angebot im Café Klatsch. „Dort wird von Montag bis Freitag frisch gekocht, und wir liefern sogar aus.“ Eine weitere Möglichkeit: „Wir bieten über den hauswirtschaftlichen Fachdienst an, dass jemand gegen Bezahlung nach Hause kommt und beim Kochen hilft oder gleich selbst kocht.“ Von den zwölf AWO-Kunden sind fünf ins Café Klatsch gewechselt, sieben zum BRK.

Das BRK bleibt also als Anbieter übrig. Peter Herzing ist Geschäftsführer des BRK. Er ist mit Franz Sedlak vom Jean-Paul-Verein in Kontakt. „Wir haben uns so verständigt, dass der Verein seine Kunden so lange beliefert, bis wir sie in unsere Touren eingegliedert haben.“