Im Landkreis Kulmbach erreicht Zahl der Verschuldeten den höchsten Wert seit Jahren Die Schuldnerquote steigt und steigt

Von Stefan Linß

7,5 Prozent aller volljährigen Privatpersonen im Kreis Kulmbach stecken in großen finanziellen Schwierigkeiten. Zu diesem Ergebnis kommt der Schuldneratlas von Creditreform. Demnach ist der Anteil der überschuldeten Verbraucher erneut angestiegen.

Im Landkreis steigt die Schuldnerquote immer höher. Foto: red Foto: red

Rainer Keller vom Caritasverband Bayreuth beobachtet die Entwicklung mit Sorge. „Besonders im Raum Kulmbach steigt der Beratungsbedarf“, stellt der Sozialpädagoge fest. Der Schuldner- und Insolvenzberater hat in Kulmbach, Bayreuth und Hof genug zu tun. „Wir spüren eine immer stärkere Nachfrage“, sagt Keller. Das Problem habe sich in den vergangenen Jahren verschärft. Zum dritten Mal infolge und deutlicher als erwartet ist die Überschuldung von Privatpersonen in Deutschland angestiegen, teilt Creditreform mit. Die Überschuldungsquote liegt bundesweit bei 10,06 Prozent. Damit weisen mehr als 6,8 Millionen Bürger über 18 Jahre nachhaltige Zahlungsstörungen auf.

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Mit 7,5 Prozent liegt Kulmbach leicht über dem bayerischen Wert von 7,35 Prozent. In Oberfranken hat der Kreis Bamberg mit 6,15 Prozent die wenigsten überschuldeten Privatpersonen. Bayreuth Land kommt auf 6,38 Prozent, Bayreuth Stadt auf 9,72. Im Landkreis Hof sind aktuell 8,93 Prozent der Volljährigen betroffen und die Stadt Hof erreicht mit 13,96 Prozent den mit Abstand höchsten Wert in der Region.

Überschuldung liege dann vor, wenn der Schuldner die Summe seiner fälligen Zahlungsverpflichtungen auch in absehbarer Zeit nicht begleichen kann und ihm zur Deckung seines Lebensunterhalts weder Vermögen noch Kreditmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Die Gesamtausgaben sind in dem Fall also höher als die Einnahmen.

Die Menschen kommen mit akuten Sorgen in die Schuldnerberatung der Caritas. „Zuerst geht es meistens darum, wie Strom oder Miete und der allgemeine Lebensunterhalt bezahlt werden sollen“, sagt Keller. Wer in der Klemme steckt und finanziell mit dem Rücken zur Wand, der handelt oft aus Verzweiflung. Die Schuldner pumpen sich Beträge bei Familienangehörigen, um die größten Löcher zu stopfen. Die Verbindlichkeiten wachsen dennoch. Wenn aus Schulden eine Überschuldung wird, dann droht den Betroffenen, dass ihre Wohnung gekündigt wird und Geld fehlt, um Essen zu kaufen. Menschen im mittleren Alter sind stärker gefährdet, sagt Keller. Denn sie haben oft höhere finanzielle Verpflichtungen. Überschuldung trifft Menschen, die längere Zeit arbeitslos waren und ebenso Not leidende Selbstständige. Krankheit kann ein Grund für die finanziellen Probleme sein oder die Trennung vom Lebenspartner.

Wie kommt es, dass die Schuldnerquote immer weiter steigt? Viele Menschen in der Region bewegen sich mit ihrem Einkommen im Bereich des Mindestlohns, stellt Rainer Keller fest. „Trotzdem sind bei manchen die Bedürfnisse hoch.“ Kostspielige Wünsche wie Urlaubsreisen, Autos und die neuesten Elektronikartikel lassen sich heutzutage ganz einfach finanzieren. Finanzierungen auf Pump können nur eine Lösung sein, wenn es weiterhin gut oder zumindest normal läuft.