Seit Donnerstag gibt es in Oberfranken die ersten beiden Todesfälle nach einer Covid-19-Erkrankung. Nach zuverlässigen Informationen, die unserer Zeitung vorliegen, handelt es sich um zwei ältere Patienten, die im Klinikum Fichtelgebirge in Selb behandelt worden sind. Der Wunsiedler Landrat Karl Döhler wollte sich auf Nachfrage unserer Zeitung nicht dazu äußern.

Anders hingegen der Kulmbacher Landrat Hans Peter Söllner. Er hat nach einer Meldung des Kulmbacher Radiosenders Plassenburg am Donnerstagvormittag mitgeteilt, dass das Landratsamt Kulmbach angesichts zweier Todesfälle im Raum Wunsiedel in Alarmbereitschaft bleibe.

Weder die Sprecher des Klinikums Fichtelgebirge noch das Landratsamt Wunsiedel wollten zu den Todesfällen Stellung nehmen. Der Wunsiedler Landrat Döhler zeigte sich verwundert, dass sein Kulmbacher Amtskollege von den Todesfällen öffentlich berichtete. „Das darf er doch gar nicht, das hat sich das Ministerium vorbehalten.“

Auch vom Gesundheitsministerium in München gab es keine Auskunft, trotz mehrfacher Nachfrage. Daher sind weder das genaue Alter noch die Wohnorte der Gestorbenen bislang bekannt.

Die Maßnahmen im Kampf gegen eine Ausbreitung des Corona-Virus werden in Nordostbayern immer drastischer. Seit Donnerstagvormittag besteht auch in der Stadt Hohenberg und im Schirndinger Ortsteil Fischern im Landkreis Wunsiedel eine Ausgangssperre.

Diese hat das Landratsamt Wunsiedel verhängt, da in den genannten Orten mittlerweile elf Menschen an der Lungenkrankheit Covid-19 erkrankt sind. Außerdem wohnen hier 20 Bürger, die als ansteckungsverdächtig gelten. Damit gibt es nach Mitterteich in Bayern mittlerweile drei Kommunen, in denen eine Ausgangssperre verhängt worden ist.

Ausgangssperre auch in 
Hohenberg

In Hohenberg hat Bürgermeister Jürgen Hoffmann von sich aus bereits am Dienstag erste Maßnahmen ergriffen und von der Feuerwehr Warnhinweise über Lautsprecher in allen Straßen durchsagen lassen.

Warum Hohenberg zum Corona-Hotspot im Landkreis Wunsiedel geworden ist, lässt sich nicht genau nachvollziehen. Hoffmann geht jedoch davon aus, dass sich die Menschen vor einiger Zeit bei einer größeren Feier in einem Gasthaus angesteckt haben.

Bis zum 3. April besteht nun die Ausgangssperre, deren Einhaltung von der Polizei überwacht wird. „Wenn wir durch die Maßnahmen nur ein Menschenleben retten können, dann war alles richtig“, sagte Hoffmann.  

Im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus drohte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Donnerstag ganz konkret mit einer Ausgangssperre für den ganzen Freistaat. „Wenn sich viele Menschen nicht freiwillig beschränken, dann bleibt am Ende nur die bayernweite Ausgangssperre als einziges Instrumentarium“, sagte er in einer Regierungserklärung im Landtag in München.

Man werde „nicht endlos zusehen“, betonte Söder. Menschen sollten nur noch zur Arbeit, für Arztbesuche, zum Lebensmitteleinkauf oder zur Hilfe für andere das Haus verlassen. Man könne auch nach draußen gehen – „aber wenn es geht eben allein“.